Print Friendly, PDF & Email

Vergangene Woche gab das französische Verteidigungsministerium bekannt, dass die Task Force (TF) Takuba in Mali seit dem 15. Juli die Anfangsbefähigung (Initial Operating Capability (IOC)) erreicht hat. TF Takuba wird von Frankreich geführt und soll zu einer multinationalen Truppe von Spezialkräften werden.

Nach Informationen aus Paris dient die Task Force Takuba als ein „neues Beispiel für eine starke Zusammenarbeit zwischen europäischen Ländern“. Sie werde die fünfte taktische Wüstengruppe (Groupement Tactique Désert (GTD)) bei der regionalen Antiterrormission Operation Barkhane. Zu den GTDs gehören auch Komponenten der Logistik und Special Operation Forces (SOF) Air Gruppen.

Derzeit werden die Kräfte von Frankreich und Estland gestellt. Fahrzeuge werden zunächst vom französischen Kontingent in Gao zur Verfügung gestellt. Tschechische und schwedische Soldaten werden voraussichtlich in den kommenden Monaten hinzukommen. Frankreich plant, seinen Beitrag noch vor Jahresende zu erhöhen. Das italienische Parlament hat am 16. Juli außerdem einer Beteiligung von bis zu 200 Soldaten, 20 Fahrzeugen und acht Flugzeugen an der Mission beschlossen. Die italienischen Kräfte sollen lokale Spezialkräfte ausbilden, beraten und begleiten sowie ihnen weitere Unterstützung bereitstellen, insbesondere Hubschrauber und Personal für die medizinische Evakuierung. Bei der Mission soll das Kontingent eng mit Mali und den G5-Sahel-Partner zusammenarbeiten.

Am 27. März 2020 verabschiedeten die Regierungen von Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Mali, Niger, den Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Tschechien und des Vereinigten Königreichs eine politische Erklärung, in der sie sich für die Schaffung einer Task Force aussprachen. Neben den erwähnten Ländern haben auch Belgien, Dänemark, die Niederlande sowie Portugal Truppen zugesagt. Seit der Erklärung im März ist aus Deutschland allerdings nichts mehr zu hören. In der Region sind mit MINUSMA, EUTM Mali, EUCAP Sahel Mali und EUCAP Sahel Niger weitere Missionen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union aktiv.

England baut neues Kommando auf

Eine neue britische Royal Marines-Kommandoeinheit wird als Teil der Future Commando Force aufgebaut. Dies teilte die Royal Navy (RN) jetzt mit. Die neue sogenannte Vanguard Strike Company wird sich aus 150 Royal Marines und Kommandosoldaten der britischen Armee zusammensetzen.

Generalmajor Matt Holmes, Kommandeur der Royal Marines, sieht mehrere hochbereite und vernetzte Teileinheiten vor, die rund um den Globus eingesetzt oder vorgehalten werden. Sie sollen über eine Reihe hochentwickelter Fähigkeiten verfügen und als vorwärts gerichtetes Kontingent im Kern der Littoral Response Groups der Royal Navy bereitgehalten werden. Die Kommandos werden in kleinen, vielfältig und weltweit einsetzbaren, auf die Mission zugeschnittenen Teams operieren. Zu ihren Aufträgen sollen Kampfeinsätze, Kommandooperationen und humanitäre Hilfe gehören.

Mitte 2021 soll die Kompanie einsatzbereit und voll ausgestattet sein. Derzeit werden Übungen durchgeführt, um das Personal mit dem Material und Taktiken vertraut zu machen. Die neue Ausstattung umfasst unter anderem eine leichtere, reißfestere, schnell trocknende und atmungsaktivere Uniform des Herstellers Crye Precision, unbemannte Mast 13-Boote sowie ein Android Tactical Assault Kit (ATAK)-Tabletsystem für das Situationsbewusstsein auf dem Gefechtsfeld. Das Maritime Autonomy Surface Testbed (MAST)-13 Boot ist 13 m lang und soll aufklären, Minen und andere Gefahren lokalisieren und bekämpfen oder Häfen und Schiffe schützen. Es ist fernbedienbar oder kann autonom operieren. Hersteller ist L3Harris.

ATAK ist eine App für (gehärtete) Android-Smartphones oder Tablets, die die räumliche Infrastruktur und das militärische Situationsbewusstsein erfasst. Das System ermöglicht eine präzise Zielerfassung, die Aufklärung der umgebenden Landformation, Situationsbewusstsein, Navigation und Datenaustausch. Diese Android-App ist Teil der größeren TAK-Produktfamilie. ATAK hat eine Plugin-Architektur, die es Entwicklern ermöglicht, neue Funktionen hinzuzufügen. Entwickelt wurde es vom Air Force Research Laboratory (AFRL) der U.S. Air Force.

Auch Israel mit neuer Kommandoeinheit

Die Israel Defence Forces (IDF) haben im Januar 2020 begonnen, eine neue „mehrdimensionale Einheit“ (Multi-Domain-Unit) aufzustellen. Die Entscheidung, die Einheit aufzustellen, ist Teil einer umfassenderen konzeptionellen Änderung der IDF, um künftigen Herausforderungen zu begegnen, so die Erklärung aus dem Verteidigungsministerium.

Die neue Einheit umfasst Elemente der Infanterie mit spezieller Befähigung – Kräfte der Special Operation Forces (SOF), die am ehesten mit den Spezialisierten Kräften des deutschen Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung (SpezlKrH EGB) vergleichbar sind – sowie Anteile gepanzerter Kräfte, C4I, Nachrichten- und Aufklärungseinheiten sowie der Luftstreitkräfte. Damit kann die Einheit völlig autark und schnell auf Bedrohungsszenare reagieren. Als konkretes Beispiel gehören u.a. die Soldaten der 35. Fallschirmjägerbrigade, Commando Shaldag sowie Einheit 669 zur neuen mehrdimensionalen Einheit. Sie soll vor allem zur Aufklärung sowie als schnelle, voll digitalisierte Einheit an vorderster Front eingesetzt werden. Dank der Digitalisierung soll sie auch das komplette Potential der F-35 Kampfflugzeuge einbinden können. Israel will damit auch der Tatsache Rechnung tragen, dass das Gefechtsfeld immer komplexer wird.

Am 12. Juli wurde der 7th Wing der israelischen Luftwaffe nun offiziell aufgestellt. Es soll die Spezialkräfte durch die Zusammenziehung in einer Einheit noch schlagkräftiger machen, auch dank einer verbesserten Luftüberlegenheit. Ein Anteil ist die „Forward Landing Unit”, die darauf spezialisiert ist, ad-hoc Landebahnen zu errichten. Als Luftfahrzeuge stehen neben den F-35 auch C-130HI, C-130J, CH-53, Blackhawks sowie Drohnen zur Verfügung. Es soll auch eine neue Schule aufgestellt werden, die speziell die Bedürfnisse dieser Einheit deckt.

André Forkert