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Die neueste Verteidigungsleitlinie Dänemarks sieht den Aufbau neuer Fähigkeiten der dänischen Streitkräfte vor, um den Anforderungen der NATO gerecht zu werden. Dies betrifft auch die Aufstellung des XIII Leichten Infanteriebataillons.

Nach Jahren der Spezialisierung auf Stabilisierungsoperation in Irak und Afghanistan hat sich das dänische Heer in den letzten sechs Jahren auf seinen Umbau konzentriert, um den neuen geopolitischen Herausforderungen insbesondere in Osteuropa zu begegnen.

Das dänische Heer besteht aus zwei Brigaden. Die erste Brigade ist eine Einsatzverband, die gegenwärtig in eine vollständige Brigade mittlerer Größe nach NATO-Standards umgewandelt wird. Diese Transformation soll 2023 abgeschlossen sein. Sie besteht aus schwer bewaffneten Truppenteilen und ist mit verschiedenen Varianten der neuen PIRANHA 5 Gefechtsfahrzeugfamilie, dem Schützenpanzer CV9035 und dem Kampfpanzer LEOPARD II A7 Kampfpanzer ausgerüstet.

Die anderen Fahrzeuge der Brigade weisen auch ein hohes Maß an ballistischem Schutz und Schutz gegen IED-Bedrohungen auf. Weitere Maßnahmen, die getroffen wurden, um den NATO-Vorgaben für die 1. Brigade zu entsprechen, umfassen die Wiedereinführung von Flugabwehreinheiten, Brigadeartillerie und weiteren Fähigkeiten auf Brigadeebene.

Die 1. Brigade soll bis zum Jahr 2023 modern und gut ausgerüstet sein, aber es wird auch eine Brigade sein, die über Einheiten verfügt, die in jeder Hinsicht einen beträchtlichen logistischen Fußabdruck haben.

Die 2. Brigade ist keine Einsatzbrigade. Sie besteht aus spezialisierten Einheiten, darunter ein Panzerbataillon, ein Aufklärungsbataillon und das neue XIII. Leichte Infanteriebataillon – ein Bataillon, das sich signifikant von anderen mechanisierten Infanteriebataillonen in der 1. Brigade unterscheidet.

Der Kommandeur des XIII. Leichten Infanteriebataillons verlangt als Teil des besonderen Selbstverständnisses in der Leichten Infanterie auch überlegene Fähigkeiten im abgesessenen Kampf. (Foto: Danish Army)

Warum der Unterschied?

Das XIII. Leichte Infanteriebataillon muss in der Lage sein, jede Einsatzaufgabe innerhalb seines Fähigkeitsspektrums durchführen zu können, wenn es in größere Kampfeinsätze geschickt wird. Einer der Vorteile eines leichten Infanterieverbandes ist die Fähigkeit, effektiv in Gebieten zu kämpfen, die normalerweise als „No-Go-Areas“ für große, mechanisierte Einheiten gelten. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich leichte Infanterieverbände leichter auf einem hohen Alarmlevel halten und schneller in nationale und internationale Operationen verlegen lassen.

Major Henrik Stilling von der Abteilung für Heeresentwicklung des dänischen Verteidigungskommandos erklärt, dass die leichte Infanteriefähigkeit deshalb geschaffen werden soll, um die Fähigkeit der Landstreitkräfte zu stärken, einen Verband einzusetzen, der darauf spezialisiert ist, das volle Operationsspektrum in schwierigem Gelände mit schwacher oder gar keiner Infrastruktur abzudecken.

Im Moment bestehen die infanteristischen Fähigkeiten der dänischen Streitkräfte hauptsächlich aus schwer gepanzerten Fahrzeugen mit hohem Schutzniveau und großer Feuerkraft. Doch diese Systeme benötigen im Auslandseinsatz einen immensen logistischen Aufwand. Das ist teuer und zeitaufwendig. Des Weiteren, so Major Stilling, können schwere mechanisierte und gepanzerte Einheiten in engen Räumen ihre Feuerkraft nicht ausspielen– seien es urbane oder gebirgige Geländeabschnitte. Diese Fähigkeitslücke soll Dänemarks XIII Leichtes Infanteriebataillon als leichter Infanterieverband schließen und befähigt werden, schnell auf kritische Situationen zu reagieren und unter schwierigen Umständen zu kämpfen.

Der derzeitige Kommandeur des XIII Leichten Infanteriebataillons, Oberstleutnant Jesper Stroier, hat eine klare Vorstellung von der Rolle als leichte Infanterie: „Wir sind nicht schwer gepanzert und bringen vielleicht nicht die größte Feuerkraft auf das Gefechtsfeld, aber die Stärke der leichten Infanterie basiert auf unserer Fähigkeit, schnell zu reagieren und schnell in ferne Einsatzgebiete verlegt zu werden, ohne großen logistischen Aufwand. Deshalb kann der abgesessen kämpfende Infanterist in der Bevölkerung operieren, gegen nichtkonventionelle Einheiten und in geschlossenem Gelände eingesetzt werden – und dies auf eine Weise, die schwereren Einheiten nicht möglich ist.“

Eine leichte Einheit kann auch leichter operieren und ist mit den Partnern interoperabel, daher kann sie leichter mit örtlichen Sicherheitskräften zusammenarbeiten. Deshalb sehe ich einen großen Nutzen für die leichte Infanterie auf dem modernen Gefechtsfeld.

Die Verbandsstruktur

Kein Kampf kein Sieg! ist das Motto, unter dem das Bataillon offiziell am 1. Januar 2019 aufgestellt wurde. Es ist in Südjütland in der Garnison Haderslev stationiert. Der Aufbau des Verbandes, dessen Ausrüstung und das Training sollen bis 2023 abgeschlossen werden, dann soll die Einsatzreife erreicht werden. Als reguläres Bataillon wird es über eine Stabs- und Versorgungskompanie, eine Kampfunterstützungskompanie, drei leichte Infanteriekompanien und eine Ausbildungskompanie, bestehend aus Wehrpflichtigen, verfügen.

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Die Bataillonsstruktur (Graphik: M. Johnsson)

Die Aufstellung der Stabs- und Versorgungskompanie ist als erstes erfolgt, dann folgte die 1. Infanteriekompanie unmittelbar nach der Aufstellung des Bataillons im Jahr 2019. Am 1. Januar 2020 wurde die zweite Infanteriekompanie aufgestellt, die dritte soll 2021 folgen. Gleichzeitig sollen jeweils ein Aufklärungs-, Scharfschützen-, Panzerabwehr-, Mörser-, Sanitäts- und Versorgungszug aufgestellt werden. Wenn die Einheit im Jahr 2023 voll einsatzfähig ist, wird das Bataillon aus ca. 500 spezialisierten Zeitsoldaten und 150 Wehrpflichtigen bestehen.

Waffen und Ausrüstung

Die Bewaffnung der leichten Infanteriekompanien besteht aus:

  • Dem Sturmgewehr Colt Canada C8IUR im Kaliber 5,56 x 45 mm,
  • dem Maschinengewehr M60-E6 US Ordnance im Kaliber 7,62 x 51 mm,
  • dem Zielfernrohrgewehr C20 von Colt Canada im Kaliber 7,62 x 51 mm
  • sowie der leichten Panzerabwehrhandwaffe M72 LAW

Die Angehörigen des Bataillons erhalten die gleiche Uniform und die persönliche Schutzausrüstung wie jeder andere dänische Soldat auch. Die schwereren Waffen des Bataillons sind in der Unterstützungskompanie konzentriert, um die Infanteriekompanien leicht und agil zu halten.

Die Unterstützungskompanie verfügt über:

  • Einen Aufklärungszug,
  • einen Scharfschützenzug – ausgestattet mit den neuen Accuracy International AXMC Scharfschützengewehr im Kaliber .338 Lapua Magnum,
  • einen Panzerabwehrzug, ausgestattet mit einem Panzerabwehrlenkflugkörpersystem gegen schwer gepanzerte Ziele,
  • einen Mörserzug – ausgestattet mit 81mm-Mörsern,
  • einen Unterstützungszug und
  • einem Sanitäszug.

Die Rolle des Mörserzugs ist es, anfängliche Feuerunterstützung für das Bataillon zu leisten, wobei jede Infanteriekompanie über ihre eigenen Beobachter verfügt. Sowohl die Panzerabwehr- als auch die Mörsersysteme befinden sich noch im Beschaffungsprozess.

Typisch für die Kampfbataillone ist, dass je nach Auftrag unterstützende Fähigkeiten, wie bspw. Artilleriebeobachter, JTACs (Joint Terminal Attack Controller) oder Pioniere dem Bataillon zugeordnet werden. Andernfalls, so warnt Oberstleutnant Stroier, „müssen wir unsere Grenzen akzeptieren, wenn wir alleine operieren!“

Das Selbstverständnis der leichten Infanterie

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Oberstleutnant Jesper Stroier, erster Kommandeur des XIII. Leichten Infanteriebataillons
(Foto: XIII Battalion)

Oberstleutnant Jesper Stroier, Kommandeur des XIII. Leichten Infanteriebataillons, diente während seiner Dienstzeit in unterschiedlichen Infanterieverwendungen. Seine berufliche Laufbahn umfasst mehrere Einsätze in Krisengebieten – Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Irak und Afghanistan – sowie Brigadestabsdienstposten. Im Jahr 2012 schloss er das Advanced Command and Staff College an der Verteidigungsakademie des Vereinigten Königreichs ab. Oberstleutnant Stroier diente bis 2016 als Verbindungsoffizier des dänischen Heereskommandos zum Hauptquartier des Heeres im Vereinigten Königreich. Im November 2018 übernahm er als erster Kommandeur das Kommando über das XIII. Leichte Infanteriebataillon. Er hat eine klare Vorstellung davon, was es bedeutet, Teil einer sehr leichten Einheit zu sein: „Führer und einfache Soldaten innerhalb des Bataillons werden das brauchen, was wir ‘Das Selbstverständnis der leichten Infanterie’ nennen – um erfolgreich zu sein und das volle Potential der leichten Gefechtsführung auszuschöpfen. Dieses Selbstverständnis basiert auf überlegenen Fähigkeiten im abgesessenen Kampf, dem treffsicheren Schuss, der Fähigkeit, mit dem auszukommen, was man selbst ins Gefecht tragen kann und mit wenig Unterstützung, auf körperlicher Ausdauer und Durchhaltevermögen, kombiniert mit dem Willen, die Arbeit zu erledigen, wenn es hart auf hart kommt!“

„Wir haben hart an unserem Markenzeichen und unserer Identität gearbeitet. Wir wollen ein starkes Team schaffen, in dem der einzelne Soldat das Gefühl hat, zu einer größeren Familie mit gemeinsamen Werten und Ambitionen zu gehören. Was die Ausbildung anbelangt, so ist es unser Ziel, unsere Ausbildung auf die oben erwähnten Schlüsselfertigkeiten der Infanterie zu konzentrieren. Wir wollen uns darüber im Klaren sein, was wir von den militärischen Führern und Soldaten verlangen – und wir erwarten mehr. Wir wollen, dass sie anpassungsfähig und flexibel im Denken sind, und wir wollen, dass sie individuelle Verantwortung für ihren Teil des Einsatzes übernehmen in (der) XIII. Dazu stellen wir höhere Anforderungen an die körperliche Ausbildung als die übrige Kampftruppe und wir wollen ihre mentale Stärke und Flexibilität ausbauen und testen.“

Leichte Infanterie vs. schwere Ausrüstung

Obwohl es strenggenommen eine leichte Einheit ist, benötigt das XIII Leichte Infanteriebataillon immer noch schweres Gerät und eine gehörige Menge an Nachschub, sobald es im Einsatz ist. Um die erforderlichen Versorgungsraten mit sich zu führen, unterstützen eine Reihe von gepanzerten Transportfahrzeugen, Allradfahrzeugen und LKWs die Infanteriekompanien des Bataillons. Daher wird die Unterstützungskompanie mit einem Mix aus gepanzerten Transportfahrzeugen, Allradfahrzeugen – davon einige mit Anhänger – und 8×8 LKWs ausgestattet werden, um das schwerere Gerät und die übrigen Versorgungsraten an Munition, Verpflegung etc. zu transportieren. Dafür werden derzeit verschiedene Fahrzeugtypen getestet. Ziel ist, die richtige Balance zwischen dem Bedarf an Transportgerät und einem möglichst kleinen logistischen Fußabdruck zu finden. Dennoch muss das Bataillon in der Lage sein, seine eigene Ausrüstung auch in der abgesessenen Rolle bspw. bei Luftlande- oder amphibischen Einsätzen mitführen zu können, wenn es für Stunden oder sogar einige Tage alleine operieren muss, bevor der erste Nachschub erfolgen kann. Unter diesen Umständen muss alles schwere Gerät und Munition gleichmäßig auf die 500 Soldaten verteilt werden. Solche Situationen erfordern viele Gewichtsbegrenzungen bei der Auswahl des Geräts, welches die Bedürfnisse des Bataillons erfüllen soll.

„Das Selbstverständnis der leichten Infanterie“ basiert auf physischer Ausdauer und Belastungsfähigkeit. (Foto: Danish Army)

Das Mittel der Wahl

Während sich Dänemarks 1. Brigade zu einer schweren, gut gepanzerten High-Tech-Truppe entwickelt, bleibt es interessant, die Entwicklung des XIII Leichten Infanteriebataillons und dessen sehr leichtes Konzept über die nächsten Jahre zu verfolgen. Wie seinen Kommandeursrichtlinien zu entnehmen ist, hat Oberstleutnant Stroier sehr hohe Ambitionen für das Bataillon: Wir müssen die erste Wahl des Heeres sein, wenn ein Verband gesucht wird, der sehr kurzfristig herausfordernde Aufgaben zu Hause und fern der Heimat schnell, professionell und flexibel lösen kann. In der Zukunft müssen wir mit den besten Einheiten unserer Partner auf Augenhöhe sein.“

Autor: Major Michael Johnsson ist Stabsoffizier in der Abteilung Heeresentwicklung im dänischen Verteidigungskommando. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Waldemar Geiger und Jan-Phillipp Weisswange