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Die britischen Royal Marines feiern heute, den 28. Oktober 2020, ihren 365ten Geburtstag. Die britische Marineinfanterie wurden am 28. Oktober 1664 durch eine Order-in-Council als „The Duke of York and Albany’s Maritime Regiment of Foot“ (Maritimes Fußregiment des Herzogs von York und Albany) aufgestellt. Da der damalige Duke of York und Albany, der spätere König Jakob II., auch das Amt des Lord High Admiral innehatte und die Finanzierung des Regiments aus dem Etat der Admiralität erfolgte, wurde es auch als „Admiral’s Regiment“ (Das Regiment des Admirals) genannt.

Ihren ersten Großeinsatz erlebte die Truppe in einer Stärke von knapp 1.900 Mann im August 1704 während des Spanischen Erbfolgekriegs. Zusammen mit 400 niederländischen Marineinfanteristen hielten die Royal Marines die Halbinsel nach der vorherigen Einnahme von Gibraltar die Halbinsel gegen spanische Verstärkungen. Aus diesen Geschehnissen ging die enge Verbindung der britischen mit der niederländischen Marineinfanterie hervor, welche bis heute anhält.

Heute sind die Royal Marines mit dem Korps Mariniers, der niederländischen Marineinfanterie, seit 1973 in einem NATO-Verband, der UK/NL Landing Force, zusammengefasst. Regelmäßig wird bei Einsätzen oder Übungen ein niederländisches Bataillon der britischen 3. Commando Brigade unterstellt.

Die Royal Marines sind die Marineinfanterie des britischen Naval Service und Großbritanniens wichtigste Stütze für amphibische Operationen. Jedes der drei Kommandos (No. 40, No. 42 und No. 45) war turnusmäßig Teil einer „Amphibious Task Group“ auf dem damaligen Landungsschiff HMS Ocean. Seit 2005 sind Einheiten der Royal Marines auch regulär auf den Docklandungsschiffen HMS Albion und HMS Bulwark stationiert.

In der Anfangszeit der Verbandsgeschichte gehörten Marines zur Besatzung eines jeden britischen Kriegsschiffs. Ihre Aufgaben waren dabei mannigfaltig: Neben der Durchführung von amphibischen Operationen dienten die Marineinfanteristen während einer Seeschlacht als Scharfschützen und bedienten ab 1804 auch Geschütze. Auch später noch, auf den Schlachtschiffen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, wurde traditionell ein Teil der Haupt- und Nebenbewaffnung von den Royal Marines bemannt. Darüber hinaus sollten die Marineinfanteristen Disziplin und Ordnung an Bord aufrechterhalten und insbesondere die Offiziere im Falle einer Meuterei unterstützen, weswegen ihre Schlafgelegenheiten auch zwischen Mannschafts- und Offiziersräumen eingerichtet wurden.

Derzeitige Struktur der Royal Marines (Grafik: Creative Commons)

Seit den 1990er Jahren gibt es mit der 3. Commando Brigade nur noch eine Commando Brigade. Sie umfasst nahezu alle Verbände der Royal Marines. Die gesamtstärke liegt bei rund 5.000 Soldaten. Der überwiegend größte Teil der Truppe ist im westenglischen Poole, Plymouth stationiert. Dort ist auch der britische Special Boat Service (SBS) der Spezialkräfteverband der Royal Navy beheimatet. Die Royal Marines pflegen enge Verbindungen zum SBS und dienen zum Beispiel als Crews der Schlauchboote bei den Einsätzen des SBS. Ihr Motto lautet: „Per Mare Per Terram“ (Vom Meer zum Land). Ein weiterer Standort ist die Royal Naval Air Station Yeovilton (RNAS Yeovilton, Zusatzbezeichnung HMS Heron), einem Militärflugplatz des Fleet Air Arm der britischen Royal Navy.

Commando Forces 2030

Die die Royal Marines offenbar vor großen Veränderungen. So soll die 3. Commando Brigade wieder mehr auf ihre Rolle als maritimes Kriegführungselement sowie auf Spezialkräfteeinsätze ausgerichtet werden. In der 3. Commando Brigade dienen neben den zur Royal Navy gehörenden Marines auch noch Soldaten der British Army, der Royal Navy und der Royal Air Force.

Für die Royal Marines bedeutet das durchaus eine Rückkehr zu ihren Traditionen. Dieser kommt nicht zuletzt durch einen Unterstellungswechsel und eine am 5. November 2019 erfolgte Umbenennung zum Ausdruck. So firmiert die ehemalige 1. Assault Group Royal Marines nun als 47. Commando Raiding Group und ist der 3. Commando Brigade unterstellt. Im Zuge der Umbenennung firmiert auch die 539. Assault Squadron jetzt als 539. Raiding Squadron.

Der Traditionsname reiht sich nicht nur in die Benennung weiterer Verbände der 3. Commando ein (40., 42., 43., 45. Commando) sondern erinnert darüber hinaus an die bedeutende Rolle der Royal Marines im Zweiten Weltkrieg: Das damalige 47. Commando spielte eine Schlüsselrolle bei der Landung auf der niederländischen Insel Walcheren im November 1944. Hierdurch konnten die Zugänge nach Antwerpen freigekämpft werden, einem strategisch wichtigen Hafen für die Versorgung der Alliierten Truppen im Zweiten Weltkrieg.

Zuvor war das 47. Commando auch in Nordfrankreich im Einsatz. Etwa 48 Stunden nach der Landung am Gold Beach am D-Day kämpfte sich der Verband in einer wagemutigen Aktion bei  Port-en-Bessin aus der rückwärtigen Flanke heran und öffnete letztlich die Nachschubrouten für die vorrückenden alliierten Truppen. Diese Waffentat von Port-en-Bessin trug zu einem guten Teil zur jetzt erfolgten Namensänderung bei.

Die Namensänderung soll überdies zum Ausdruck bringen, dass sich die Royal Marines wieder vermehrt auf taktische Kommandounternehmen konzentrieren und ihr Wissen über seegestützte Kriegsführung wieder in den Vordergrund ihrer Kampfweise stellen sollen. Dabei steht das Sturmboot wieder im Mittelpunkt des Handelns, zusammen mit der Entwicklung modernster Waffen, Taktiken und Kampfstrategien. Dies alles ist Teil des Konzepts der Future Commando Force.

„Mit enormem Stolz konnte ich die Umbenennung von 1. Assault Group Royal Marines in 47. Commando (Raiding Group) Royal Marines bekannt geben”, so der Kommandeur der Royal Marines, Generalmajor Matt Holmes im November 2019. „Das Commando-Ethos ist unglaublich stark und bleibt der goldene Faden, der sich durch die Royal Marines zieht, während wir als Kommandotruppe der Royal Navy in die Zukunft gehen.”

Das 47. Commando war mach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1946 aufgelöst worden. Mit der Umbenennung der 1AGRM, die jetzt unter dem Kommando der 3. Commando Brigade Royal Marines steht, ist der Verband nun im Einklang mit der Traditionsbezeichnung wiederbelebt worden. Die 1AGRM war 2001 aufgestellt worden und ist auf Operationen mit Landungsbooten und Sturmgruppen spezialisiert. Sie hatte schon immer enge Verbindungen zur 47. Commando Association.

André Forkert und Jan-Phillipp Weisswange