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Spezialkräfte (SOF) stellen oftmals die Speerspitze der jeweiligen nationalen Streitkräfte. Dies bezieht sich nicht nur auf den Bereich der Kampfeinsätze, sondern auch auf die Bereiche Weiterentwicklung und Beschaffung. Die Soldat & Technik „SOF Wochenlage“ gibt einen Einblick über Entwicklungen im internationalen Spezialkräftebereich der vergangenen Woche.

Frankreich führt Polaris-Quads mit Raupenketten ein

Die französischen Streitkräfte führen dem Vernehmen nach für die Spezialkräfte und Gebirgsjäger (7. Bataillon de Chasseurs Alpins, der 27. französischen Gebirgsjägerbrigade) den viersitzigen Polaris Ranger 1000 XP und den zweisitzige Sportsman Touring 1000 XP mit Raupenketten ein. Die ersten Fahrzeuge wurden Anfang November ausgeliefert.

Dank des Raupenketten-Kits können die Fahrzeuge schnell zwischen Rad- und Kettenantrieb umgerüstet werden. (Foto: französische Armee)

Bei den französischen Gebirgsjägern wird nun ein brigadeweiter Pool aufgestellt, aus dem sich jedes Regiment oder Bataillon entsprechend seinen Bedürfnissen für Übungen und Einsätze bedienen kann. Dank des Raupenketten-Kits können die Fahrzeuge schnell zwischen Rad- und Kettenantrieb umgerüstet werden. Damit haben die Kräfte eine maximale Flexibilität für ihre weltweiten Operationen.

Der Sportsman ist mit verschiedenen Aufbewahrungskits und Boxen für den Transport von Skiern, Waffen und anderen Ausrüstungsgegenständen mit einem Gewicht von bis zu 110 kg ausgestattet. Diese können anstelle des Rücksitzes installiert werden. Der Antrieb erfolgt mittels eines 88 PS starken Prostar-Motors. Das Fahrzeug verfügt auch über eine Anhängerkupplung, mit der auf der Straße Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 680 kg und off-road bis zu 170 kg gezogen werden können. Die Quads mit Raupenkettenantrieb ergänzen die bereits vorhandenen Skidoos/Schneemobile der Gebirgstruppe.

Hintergrund

Zur Sicherstellung der Überschneemobilität wurden solche Fahrzeugtypen bereits im Zweiten Weltkrieg genutzt. So nutzten amerikanische Spezialkräfte den Studebaker M29 Weasel aus dem Jahr 1944, um kleine Kommandotrupps der amerikanisch-kanadischen 1. Special Service Force über Schnee in Norwegen zu transportieren. Die Fahrzeuge konnten schon damals Skifahrer anhängen und über weite Strecken ziehen. Zudem musste das Fahrzeug luftverlastbar sein und auch per Fallschirm abgeworfen werden können. Neben dem Transport von Personal spielte auch der Transport von Waffen, Sprengstoff und Nachschubvorräten eine Rolle. Die Fahrzeuge sollten hinter den feindlichen Linien eingesetzt werden.

Zwischenbericht zur Reform des KSK veröffentlicht

Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat den ersten Zwischenbericht zur Reform des Kommandos Spezialkräfte vorgelegt. Er ging zunächst an den Bundestag, wo er am Mittwoch im Verteidigungssausschuss des Bundestages diskutiert wurde, S&T berichtete. Am Donnerstag wurde der Bericht in seiner Gänze öffentlich zugänglich gemacht.

Nach Angaben des Generalinspekteurs soll im Frühjahr 2021 ein weiterer Zwischenbericht und im Juni 2021 der Endbericht zur Umsetzung der Reform folgen.

Der Zwischenstand des Maßnahmenkataloges zur Umsetzung der Reformvorschläge des KSK gliedert sich folgende sechs Themenfelder:

  • Strukturelle Betrachtungen
  • Dienstaufsicht
  • Personalgewinnung und Einstellungsverfahren
  • Werdegänge
  • Prävention und Resilienz
  • Erhöhung der Reaktionsfähigkeit im Umgang mit Verdachtsfällen

Link zum Bericht: Zwischenbericht zur Umsetzung des Maßnahmenkatalogs der Arbeitsgruppe Kommando Spezialkräfte (AG KSK)

Hybrid-Elektro-Buggy für Spezialeinheiten

Medienberichten zufolge arbeitet das litauische Unternehmen OSTARA an der Entwicklung eines Hochgeschwindigkeits-Geländetruppentransporters mit einem Hybrid-Antriebssystem. Das Fahrzeug mit dem Namen Krampus soll einen getarnten, schnellen und mobilen Transport über anspruchsvolles Gelände ermöglichen, um die Mobilitätsanforderungen der leichten Infanterie und der Spezialkräfte zu erfüllen. Krampus soll eine maximale Nutzlast von mehr als 300 kg haben und bis zu zwei Infanteristen transportieren. Der Antrieb des Krampus-Fahrzeuges ist diesel-elektrisch. Die Hochleistungsbatterien sind extern mit einem Ladeeingang vom Typ 2 oder einem intern montierten Dieselgenerator wiederaufladbar. Der zum Aufladen der Batterie benötigte Dieselgenerator kann sowohl mittels Diesel- als auch JP8-Kraftstoff betrieben werden. Bei ausschließlicher Verwendung des Elektroantriebs soll die Reichweite bis zu 200 km, bei Verwendung von Treibstoff bis zu 1.000 km betragen.

Die Besonderheit des militärischen Hybrid-Buggys besteht darin, dass er im Vergleich zu einem herkömmlichen Verbrennungsantrieb eine deutlich geringere akustische und thermische Signatur aufweist, was die Aufklärbarkeit des Fahrzeugs erheblich reduziert und somit zum Schutz der Besatzung beiträgt. Dank seines Elektroantriebs kann Krampus auch im Hochgebirge eingesetzt werden, wo es nicht genug Sauerstoff für einen Verbrennungsmotor gibt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die in großen Höhen herrschenden tiefen Temperaturen die angegebene Reichweite deutlich verkürzen würden.

Zurzeit befindet sich das Fahrzeug in der Endmontage. Nach Fertigstellung soll auf seiner Grundlage auch ein autonomes Fahrzeug entstehen.

„Spionagethriller“ vor Schottland

Nach der Entdeckung eines Anfang Oktober an der schottischen Küste angespülten mysteriösen Spionagebootes befürchten britische Marineoffiziere, dass russische Streitkräfte die „akustische Signatur“ der königlichen Atom-U-Boote erlangt haben könnten. Die Zugehörigkeit des autonomen Bootes zur russischen Föderation bleibt jedoch eine unbestätigte Spekulation.

Das Boot ist solarbetrieben und gleicht dem “Wave Glider”, einem von der US-Firma Liquid Robotics entwickelten und durch die U.S. Navy genutzten autonomen Überwasserfahrzeug. (Foto: UK Maritime and Coastguard Agency)

Fest steht nur, dass das Boot ganz in der Nähe des streng geheimen britischen Atom-U-Bootstützpunktes Faslane entdeckt wurde. Das durch die dunkelgraue Tarnung optisch nur schwer entdeckbare Boot hatte keine Navigationslichter, was gegen gesetzliche Vorschriften für alle Schiffe auf See ist. Daher kann davon ausgegangen werden, dass ein getarnter Einsatz des Fahrzeuges beabsichtigt war.

Dies bedingt die Annahme britischer Marineoffiziere, dass das Boot für die Sammlung der akustischen Signaturen der britischen Atom-U-Boote eingesetzt wurde. Die akustischen Signaturen der U-Boote stellen, vereinfacht gesagt, den akustischen Fingerabdruck der Boote dar. Sobald bekannt, können aufgeklärte akustische Signale dann einem spezifischen Boot zugeordnet werden. Damit wüsste man dann im Falle des Falles nicht nur, dass man ein Boot aufgeklärt hat, sondern auch ganz genau, welches Boot man aufgeklärt hat.

Als Gegenmaßnahme hat dem Vernehmen nach nun eine Eliteeinheit der Royal Navy jetzt Unterwasserdrohnen vor der Hochsicherheitsbasis in Faslane stationiert. Überwachungsgeräte wurden auch um die Clyde-Mündung herum aufgestellt, wo die Trident-U-Boote aufs offene Meer fahren.

Die vier Trident-Boote sind sind wie alle Atom-U-Boote klassische Zweitschlagswaffen und stellen somit ein strategisches Abschreckungsinstrument dar. Daher ist es sehr hilfreich, zu wissen, wie sie klingen. Dies kann helfen, sie im lauten Ozean ausfindig zu machen.

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André Forkert