Print Friendly, PDF & Email

Das niederländische Heer, die Koninklijke Landmacht, hat in der letzten Januarwoche Feuerleitvisiere SMASH des israelischen Herstellers Smart Shooter als Anti-Drohnenwaffe (Counter-UAV) im österreichischen Hochgebirge getestet. In einem zweitägigen Test erprobten Infanteristen verschiedene Möglichkeiten, kleine, unbemannten Luftfahrtsysteme (Unmanned Aerial Vehicles, UAV) zu bekämpfen, wie aus einem Beitrag auf dem Facebook-Kanal der niederländischen Streitkräfte hervorgeht.

Die niederländischen Streitkräfte hatten die Feuerleitvisiere erstmals im Oktober 2020 im scharfen Schuss getestet. Dazu wurde das Smart-Shooter-System auf dem Colt C7, dem Standardgewehr der niederländischen Streitkräfte im Kaliber 5,56 mm x 45, integriert.

Die nun nachfolgenden Tests in Österreich wurden durch Soldaten des RAS-Zuges der 13. Leichten Brigade durchgeführt. RAS steht für Robotic Automated Systems, die dort eingesetzten Soldaten haben unter anderem den Auftrag unterschiedliche unbemannte Systeme sowie Abwehrmittel gegen solche Systeme zu erproben. Wie den Bildern zu entnehmen ist herrschten bei dem Test äußerst schwierige Witterungsbedingungen. Auf dem Übungsgelände in Österreich konnten die Systeme bei Nebel, Schneetreiben und extremer Helligkeit, dank der Schnee-Reflexionen, getestet werden.

Die bei den Tests in Österreich gewonnenen Daten sollen jetzt analysiert werden. Wie aus dem Beitrag der niederländischen Streitkräfte hervorgeht, wurden alle 67 Drohnen-Ziele mit jeweils zwei bis drei Schuss erfolgreich bekämpft. Dabei habe es keinen Unterschied gemacht, ob die Drohnen stationär in der Luft schwebten oder sich bewegten.

Auch wenn die Erprobung sich auf die Eignung des SMASH-Systems als Drohnenabwehrsystem auf taktischer Ebene ausgelegt war, kann das System nach Einschätzung der niederländischen Streitkräfte womöglich auch einen Mehrwehrt beim Schutz von Luftwaffen-Stützpunkte, Schiffen oder militärischen Operationen im Ausland bieten. Die Tests der Abwehrfähigkeit gegen kleine taktische Drohnen, passen den Angaben zufolge zur Roadmap des so genannten Nucleus C-UAS der niederländischen Streitkräfte.  Dort werde streitkräfteübergreifend Ansätze gesucht wie Drohnen erkannt und bekämpft werden können.

Auf dem Übungsgelände in Österreich konnten die Systeme bei Nebel, Schneetreiben und extremer Helligkeit, dank der Schnee-Reflexionen, getestet werden. (Foto: Defensie Grondgebonden Luchtverdedigingscommando)

SMASH-Feuerleitvisier für Handwaffen

Bei der SMASH-Familie von Smart Shooter handelt es sich um Feuerleitsysteme für Handfeuerwaffen. SMASH kombiniert elektrooptische Hardware mit eingebetteter Bilderkennungssoftware und einem ballistischen Rechner. Nach Angaben des Herstellers kann das System für den Tag- und Nachtkampf genutzt werden und bietet verschiedenen Modi: Drohnenmodus, Zielerkennung, Lock & Track, Aufnahme (Foto; Video) – z.B. für trainingstechnische Nachbesprechungen oder juristische Zwecke. Das System unterstützt bei der Positionsstabilisierung, kann gegen statische und dynamische Ziele eingesetzt werden und hilft dem Schützen, Ziele vor verschiedenen Hintergründen eindeutig zu lokalisieren. Die erweiterten Echtzeit-Szenarienanalyse- und -Zielalgorithmen, die in das SMASH-Feuerleitsystem integriert sind, können so selbst schwer erfassbare Ziele wie Drohnen bei Tag oder Nacht ermitteln, verfolgen und bekämpfen.

Das Smart-Shooter-System wurde auf dem Colt C7, dem Standardgewehr der niederländischen Streitkräfte im Kaliber 5,56 mm x 45, integriert. (Foto: Defensie Grondgebonden Luchtverdedigingscommando)

Inspiriert von der Raketen-Lock-On- und Kampfflugzeug-HUD-Technologie schließt SMASH mehrere Fehler der Schützen aus, einschließlich falsches Zielen, Reißen am Abzug, Verkannten sowie falsches Abschätzen von Entfernungen und Vorhalt.

SMASH arbeitet automatisch, aber nicht autonom. Ist ein Ziel einmal erkannt und durch den Schützen festgelegt, errechnet der analytische Algorithmus eine Schusslösung, selbst wenn sich Schütze oder Ziel in der Bewegung befinden. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Bewegung vom Ziel und dem Schützen berechnet das System kontinuierlich den für einen Treffer erforderlichen Haltepunkt. Dieser dynamische Haltepunkt wird kontinuierlich im  Okular angezeigt und bietet dem Schützen so eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit für jeden Schuss. Der Schütze betätigt den Abzug, das System sperrt den Abzug auf eine mechanische Art und erlaubt eine Schussauslösung nur dann, wenn der Schütze den Zielpunkt der Waffe über den errechneten Haltepunkt eines vorher markierten Ziels führt. Der Schuss bricht dann automatisch. Mittels Knopfdruck ermöglicht das System dem Schützen, das Gewehr bei Bedarf auch manuell abzufeuern (unter Umgehung des Feuerleitsystems). Mit einem weiteren Tastendruck kann das System wieder eingeschaltet werden.

Der Hersteller verspricht, dass mittels dieser Lösung jede Standard-Handfeuerwaffe – egal ob Sturmgewehr, Scharfschützengewehr oder Maschinengewehr – in eine effektive Drohnenabwehrwaffe verwandelt werden kann.

André Forkert