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Die Bundeswehr beabsichtigt neue MELLS-Waffenanlagen und Panzerabwehrlenkflugkörper von der Eurospike GmbH zu bestellen. Aus dem Rahmenvertrag von 2019 darf die Bundeswehr das 4. Los mit 666 Panzerabwehrlenkraketen Spike LR für rund 82 Millionen Euro bestellen, nachdem am 10. Februar 2021 die zuständigen Bundestagsausschüsse die dafür notwendige 25-Mio-Vorlage hatten passieren lassen, S&T berichtete.

Die Lenkflugkörper gehören zum Mehrrollenfähigen Leichten Lenkflugkörper-System (MELLS) das für den Einsatz zu Fuß und von Fahrzeugplattformen für Infanteristen und Panzergrenadiere beschafft wird und sollen zu gleichen Teilen in den Jahren 2024 und 2025 zulaufen.

Gleichzeitig wird die Bundeswehr 82 Waffenanlagen MELLS für rund 23 Millionen Euro abrufen und Güteprüfmaßnahmen in Israel unter Vertrag nehmen. Die Waffenanlagen sollen bis 2024 geliefert sein.

Im 2019er-Rahmenvertrag ist eine Höchstmenge von 11.500 Lenkflugkörpern und 214 Waffenanlagen vereinbart. Mit dem 4. Los summieren sich die bisherigen Bestellungen auf 2.166 Raketen. Es bleibt ein Volumen von 9.334 Raketen. Die Gesamtmenge an Waffenanlagen ist mit dem jetzt geplanten Abruf ausgeschöpft.

Für MELLS haben der Hersteller Rafael Advanced Defense Systems, Diehl Defence und Rheinmetall Electronics das Joint Venture Eurospike gegründet, das heute neben der Bundeswehr die Streitkräfte einiger weiterer europäischer Staaten beliefert. Ein großer Teil der Fertigung des Waffensystems erfolgt bei den deutschen Trägern des Joint Ventures mit Unterstützung von Zulieferern aus Europa.

Die Bundeswehr nutzt zurzeit Spike LR als MELLS-Lenkflugkörper, die Reichweite beträgt vier km. Als Waffenanlage wird bereits die neue Generation von Spike-Waffenanlagen mit integrierter Steuerung (integrated Control Launch Unit, iCLU) verwendet. (Foto: Bundeswehr / Mario Bähr)

Die Bundeswehr nutzt zurzeit Spike LR als MELLS-Lenkflugkörper, die Reichweite beträgt vier km. Als Waffenanlage wird bereits die neue Generation von Spike-Waffenanlagen mit integrierter Steuerung (integrated Control Launch Unit, iCLU) verwendet. Dadurch eröffnen sich bei einer zukünftigen Einführung und Nutzung der neuen Generation Lenkflugkörper LR 2 (5,5 km Reichweite) diverse neue taktisch-operationelle Möglichkeiten. Die neue Waffenanlagengeneration ist auf die Technologie und Leistungen der neuen Lenkflugkörper LR 2 abgestimmt, unterstützt aber in vollem Umfang die vorhandene Leistungsfähigkeit der Flugkörpergeneration LR (abwärtskompatibel).

Das Funktionsprinzip der Waffe wird durch die Bundeswehr wie folgt beschrieben: „Durch die Datenübertragung per Lichtwellenleiter ist es dem Schützen möglich, während des Fluges des Lenkflugkörpers auf ein anderes Ziel zu wechseln oder Haltepunktkorrekturen durchzuführen. Eine Aufschaltung auf ein Ziel, zu dem vor Abschuss kein Sichtkontakt besteht, kann durch den Schützen ebenfalls durchgeführt werden. Weiterhin kann der Lenkflugkörper nach dem Verschuss selbstständig ins Ziel fliegen. Die sogenannte „Fire-and-Forget“ („Feuern und Vergessen“)-Fähigkeit ermöglicht den Schützten einen schnellen Stellungswechsel, unmittelbar nach dem Schuss.“

Gerhard Heiming