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Mit knapp 652.000 Einwohnern ist Rotterdam die zweitgrößte Stadt der Niederlande. Der Seehafen der Metropole in Süd-Holland ist aber der größte Europas und damit als Verkehrsknotenpunkt von strategischer Bedeutung. 90 Prozent aller weltweit gehandelten Güter gelangen über den Seeweg ans Ziel. 50.000 Schiffe befahren jährlich die Meere. Ein Drittel der weltweiten Schiffbewegungen startet oder endet in einem Staat der Europäischen Union – viele davon in Rotterdam.

Die niederländischen Sicherheitskräfte führen im Hafen Rotterdam und dessen Umgebung jährlich die Übung „Port Defender“ durch. Um die kritische Infrastruktur vor Bedrohungen wie dem internationalen Terrorismus oder Gewaltkriminalität zu schützen, kooperieren Polizei- und Streitkräfte unseres westlichen Nachbarstaates selbstverständlich eng miteinander, auch bei den Spezialkräften. Hier stehen im wesentlichen die NL MARSOF (Netherlands Maritime Special Operation Forces) des Korps Mariniers und die DSI Dienst Speciale Interventies – Arrestatieteam der Polizei im Fokus.

Eine Pressemitteilung des Port of Rotterdam nennt die Hintergründe der Übungsserie Port Defender: „Ziel und Zweck der Übung sind, schnell und adäquat auf nationale Bedrohungen im Bereich von roher Gewalt und Terror zu reagieren.

Einheiten von DSI und NL MARSOF sind rund um die Uhr in Bereitschaft, um auf diese Bedrohungen zu reagieren. Trotz der Corona-Krise müssen diese Spezialeinheiten des Verteidigungsministeriums und der Polizei diese Aufgabe weiterhin einüben, um im Bedarfsfall für den Schutz der Niederlande gerüstet zu sein“.

Port Defender 2021 dauerte mehrere Tage und umfasste verschiedene Szenarien, darunter Zugriffe auf Schiffe und Einrichtungen mit Annäherung über und unter Wasser sowie aus der Luft oder die Lösung von Geisellagen.

Für die Operators der NL MARSOF und des DSI kam es besonders darauf an, die gemeinsamen taktischen Verfahren zu üben und zu verbessern. Auf diese Weise will man gegen künftige komplexe Bedrohungen gewappnet bleiben.

Zu den neuen Verfahren, die zumindest die NL MARSOF in jüngster Zeit erprobt haben, gehört die Annäherung per Fly Suit. Das von Gravity Industries hergestellte Modell wiegt rund 27 Kilo und kommt auf eine Leistung von 800 Kilowatt. Mit Triebwerken auf dem Rücken und an den Armen kann ein Operator bis zu zehn Minuten fliegen und eine Geschwindigkeit von bis zu 50 Stundenkilometern erreichen.

Ein Vorteil dieser Fly Suit-Methode bei maritimen Anwendungen ist, dass auf Seefahrzeugen – zumal wenn sich diese in Bewegung befinden – meist eine hohe Geräuschkulisse herrscht, so dass Annäherungen akustisch nicht so leicht aufklärbar sind.

Jan-Phillipp Weisswange