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Die Spezialkräfte der U.S. Navy sollen umgegliedert werden und besser auf neue Aufgaben in Near-Peer-Konflikten vorbereitet werden. Das berichten US-Medien unter Berufung auf den Kommandeur des U.S. Naval Special Warfare Command, Rear Admiral H. Wyman Howard III.

Rear Admiral H. Wyman Howard III (U.S. Navy)

Admiral Howard, in seiner Laufbahn unter anderem Kommandeur des SEAL-Team Six (die eigentliche Bezeichnung des Verbandes ist United States Naval Special Warfare Development Group oder kurz DEVGRU), sieht den künftigen Aufgabenschwerpunkt der U.S. Navy-Spezialkräfte wieder auf See – beispielsweise für maritime Kommandoeinsätze, um gegnerische Seestreitkräfte auf, über und unter Wasser bekämpfen zu können. In den letzten beiden Jahrzehnten während des sogenannten Global War on Terror lag der Aufgabenschwerpunkt hingegen auf der Terrorismusbekämpfung an Land – oft im bebauten Gelände (Irak) oder im Gebirge (Afghanistan).

Howard sieht die beiden vergangenen Jahrzehnte dennoch nicht als verloren an. So habe man im Global War on Terror viele Erfahrungen sammeln können. Wertvolle Taktiken, Verfahren und Ausrüstung etwa für Nachrichtengewinnung und Aufklärung sowie Zugriffsoperationen konnten entwickelt werden. Gleichwohl bestünden Fähigkeitslücken für die Rückbesinnung auf die Rolle als maritime Spezialkräfte.

Um diese zu schließen, soll die Zahl der Züge in den SEAL-Teams um rund 30 Prozent reduziert werden. Die Züge selbst sollen wiederum personell aufwachsen. So sollen Spezialisten für Cyber und Elektronische Kampfführung oder unbemannte Systeme die einzelnen Züge verstärken. Auch neue Ausrüstung wird zulaufen, um diese Fähigkeitslücken zu schließen.

Ein SWCC setzt eine Aufklärungsdrohne ein (U.S. Navy)

Weiterhin soll das Auswahlverfahren verbessert werden – nicht zuletzt wegen einiger Skandale in der Vergangenheit. Auf diese Weise sollen geeignete Führer früher erkannt und gefördert werden. Erklärtes Ziel ist die Rückkehr zum Leitbild des „stillen Profis“.

Der neue Aufgabenschwerpunkt der U.S. Naval Special Warfare-Kräfte – neben den US-Kampfschwimmern (SEAL – Sea, Air, Land) auch die Spezial-Boottrupps (SWCC – Special Warfare Combattant Cratft-Crewmen) – spiegelt nicht nur das Streben der US-Flotte nach umfassenden Seekriegsmitteln wider, sondern auch die neue strategische Lagebeurteilung des Pentagons. Das US-Verteidigungsministerium möchte auf die zunehmende Einflussnahme Russlands und Chinas auf das Weltgeschehen reagieren. Das Erstarken der beiden Atommächte habe man in den letzten beiden Jahrzehnten aus den Augen verloren.

Jan-Phillipp Weisswange