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Das Jagdkommando, der Spezialkräfteverband des Österreichischen Bundesheeres, feiert heute seinen 58. Geburtstag. Am 4. Mai 1963 wurde der „Befehl zur Durchführung des ersten Jagdkommando-Grundkurses“ erteilt und das Jagdkommando als Kompanie für Sondereinsätze aufgestellt.

Seitens des Bundesheeres werden zu Stärke, Ausrüstung, Einsätze und Taktik des Jagdkommandos keine Äußerungen getätigt. „Wir halten uns bei der Kommunikation zum Jagdkommando bedeckt“, so der Sprecher des Bundesministeriums für Landesverteidigung gegenüber S&T. Öffentlich zugänglichen Informationen zufolge soll die Stärke des in der Wiener Neustadt beheimateten Verbandes bei rund 400 Soldaten liegen.

Neben Kommandosoldaten sind unterschiedliche Unterstützungselemente ebenfalls Bestandteil des Jagdkommandos. Die Spezialkräfte sind in mehrere Task Groups eingeteilt. Dabei bilden die 1. und 2. Special Operations Task Group die regulären Truppenelemente. Die Task Groups werden von Führungsoffizieren (im Rang eines Majors) geführt, wobei jede Task Group weniger als 100 Soldaten umfasst.

Zu den Aufgaben des Verbandes gehören gemäß Angaben des Bundesheeres in der offiziellen Informationsbroschüre des Jagdkommandos:

  • Spezialaufklärung – Gewinnung von Schlüsselinformationen, Aufklärung und Überwachung von Räumen, Objekten, Netzwerken und Personen mit besonderer Bedeutung.
  • Kommandounternehmen – Einsatz gegen gegnerische Einrichtungen, Gruppierungen und Netzwerken, Festnahme von gesuchten Kriegsverbrechern sowie die Gefangenen- und Geiselbefreiung von österreichischen Staatsbürgern auch aus Krisen- und Kriegsgebieten. Das Jagdkommando ist der Anti-Terror-Verband des Österreichischen Bundesheeres.
  • Militärische Unterstützung (Military Assistance) – Spezielle militärische Hilfeleistung (z.B. Ausbildung von Soldaten) auf Ersuchen von Partnern bzw. befreundeten Nationen auch in Krisengebieten.
  • Erstreaktionskraft des Österreichischen Bundesheers in den Interessensgebieten Österreichs.
  • Kampfkräftiges Suchen und Retten (Combat Search and Rescue) beispielsweise abgestürzter Piloten.
  • Einsatz von konsularischen Unterstützungsteams zur Unterstützung österreichischer Vertretungen im Ausland im Zusammenhang mit krisenhaften Entwicklungen.
  • Militärische Evakuierungsoperationen für österreichische und europäische Staatsbürger sowie sonstige Evakuierungsberechtigte aus Krisengebieten.
  • Darüber hinaus unterstützen die Spezialisten des Jagdkommandos auf nationaler Ebene im Bereich von:
    • Fach- und Spezialausbildungen vorwiegend in den seitens Jagdkommando verantwortlichen Bereichen wie militärischer Nahkampf, militärische Fallschirmsprungausbildung, militärische Tauchausbildung, Überleben und Klimazonen, spezielle Gebirgsausbildung.
    • Assistenzleistung bei besonderen Anlassfällen, beispielsweise Unterwasserbergungen.

Da das Bundesheer nur über einen Spezialkräfteverband verfügt, sind im Jagdkommando auch alle maritimen Fähigkeiten zusammengefasst. Demzufolge gehören auch amphibische Kommandounternehmen zum Fähigkeitsspektrum des Verbandes.

Über Einsätze des Jagdkommandos ist, wie bei den meisten Spezialkräfteverbänden weltweit, nur wenig bekannt. Afrika ist aber offenbar einer der aktuellen Einsatzgebiete des Verbandes. Es sind immer wieder Bilder im Netz aufgetaucht, die Angehörige des Verbandes auf Übungen und teilweise auch Ausbildungsmissionen im Tschad, in Mauretanien und Burkina Faso zeigen.

Auch über die Ausrüstung ist wenig bekannt. Als Standard-Handwaffe gilt seit 2007 das Steyr AUG A3 SF (Special Forces). Diese Variante des AUG A3 besitzt einen modifizierten Verschluss und Schlagbolzen sowie zusätzliche Picatinny-Schienen. Daneben wird eine Glock 17 Dienstpistole als Back-Up-Waffe geführt. 2018 wurde das Scharfschützengewehr Steyr‐Mannlicher SSG M1 im Kaliber 8,6 mm × 70 (.338LM) in die Nutzung übernommen. Ebenso wurde auch eine DMR-Variante des Heckler & Koch HK417 im Kaliber 7,62 mm x 51 eingeführt. Darüber hinaus verfügt der Verband über unterschiedliche Panzerabwehrwaffen und indirekt Wirkende Waffensysteme in Form von Mörsern.

André Forkert