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Um die Befähigung zu schnellen Reaktion auf Krisenentwicklungen sowie die Fähigkeit der globalen Machtprojektion zu demonstrieren, haben die britischen Streitkräfte, unterstützt durch derzeit im östlichen Mittelmeer operierende Kräfte der britischen Carrier Strike Group (CSG), jüngst im Rahmen einer Joint-Theatre-Entry (JTE)-Luftlandeübung in Jordanien eine Luftlandeoperation an der syrischen Grenze durchgeführt.

Die Übung in Jordanien ist Bestandteil der Operation Fortis, zu der auch die Einsätze der CSG gegen ISIS gehören. Der Luftlandeeinsatz – gefolgt von einem Angriff der Briten und Jordanier aus dem Luftlandekopf heraus – fand in der Nähe von Azraq statt, etwas mehr als 50 Meilen von der syrischen Grenze entfernt.

Die Übung, welche seit dem Einsatz am Suezkanal 1956 die größte Luftlandeoperation britischer Streitkräfte in der Region darstellt, fand zeitgleich mit den Operationen der CSG statt. Parallel führten britische und US-amerikanische F-35B-Maschinen vom Flugzeugträger HMS Queen Elizabeth Luftschläge in Syrien aus. Die CSG befindet sich derzeit im östlichen Mittelmeer und verlegt von dort in den Indischen Ozean. Beide Operationen sollen die Fähigkeiten der britischen Streitkräfte demonstrieren, schnell und kampfstark auf eine sich verändernde globale Bedrohung reagieren zu können.

In einer ersten Phase der Luftladeübung verlegte eine rund 400 Soldaten starke Task-Force von Großbritannien nach Zypern. Von dort führten im Anschluss rund 170 Angehörige der 16 Air Assault Brigade einen Luftlandeeinsatz durch. Der Fallschirmsprung mit automatischer Auslösung erfolge aus niedriger Höhe aus mehreren Flugzeugen des Typs C-130 Hercules. Im Vorfeld waren rund 40 Angehörige des so genannten Pathfinder Platoons im HALO-Verfahren (High-Altitude Low-Opening) als Vorauskräfte aus ca. 12.000 Fuß Höhe abgesprungen und hatten die Absetzzone erkundet und vorbereitet.

Die im englischen Colchester stationierte 16 Air Assault Brigade gilt als die einsatzbereiteste Formation des britischen Heeres und stellt eine Kernkomponente der britischen Global Response Force dar. Nach Aussage von Brigadier James Martin, Kommandeur der 16 Air Assault Brigade, ist die 16 Air Assault Brigade innerhalb der britischen Streitkräfte auf den so genannten Joint Theatre Entry spezialisiert. „Wir werden speziell in den Techniken der Luftlandeoperationen ausgebildet. Es ist eine anspruchsvolle Rolle, und die Brigade legt großen Wert darauf, expeditionsfähig und mit den anderen Bereichen integriert zu sein – was für das Konzept des Future Soldier der Army entscheidend ist“, so Martin.

In Jordanien angekommen, nahmen die britischen Truppen an einer taktischen Übung mit Luftlandekräften der jordanischen Spezialkräfte teil.

„Die britischen Streitkräfte stehen an der Seite Jordaniens gegen gemeinsame Bedrohungen in der Region. Diese gemeinsame Übung ist ein Schaufenster für die beeindruckende Fähigkeit der Global Response Force, in verschiedenen Bereichen und unter schwierigsten Bedingungen zu operieren. Sie sind die Soldaten der Zukunft, die bereit sind, den sich verändernden Bedrohungen auf der ganzen Welt zu stellen“, so der parlamentarische Staatsekretär im britischen Verteidigungsministerium James Heappey in einer Mitteilung des Ministeriums.

Jordanien ist für Großbritannien ein wichtiger Partner in der Region. Die gemeinsame Übung soll das Engagement Großbritanniens in Jordanien und für die regionale Stabilität demonstrieren. Im Vorfeld der Übung fanden auch einige Einsatzproben auf Zypern statt, wo das britische Verteidigungsministerium Stützpunkte unterhält.

Auch für andere europäische Streitkräfte ist Jordanien ein gern genutztes Übungsgebiet. Die klimatischen Bedingungen sowie die Größe und Abgeschiedenheit mancher Landesteile lassen Einsatzszenarien zu, die in Europa nicht umsetzbar wären. Gerade im Hinblick auf den Afghanistan-Einsatz wurden dort immer wieder Truppen vorbereitet oder Material erprobt. Auch deutsche Spezialkräfte sind regelmäßige Gäste in Jordanien.

André Forkert