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Das Jagdkommando, der Spezialkräfteverband des österreichischen Bundesheeres, war vom 17. bis zum 26. August 2021 im Einsatz, um Österreicher und Afghanen mit österreichischem Aufenthaltstitel aus dem Land am Hindukusch herauszuholen. Bei der Evakuierungsoperation aus Afghanistan wurden das österreichische Einsatzteam bestehend aus einem Sonderbotschafter und zwei Jagdkommando-Soldaten durch die Bundeswehr unterstützt. Dies geht aus einer Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA (Austrian Presse Agentur) hervor, die das österreichische Bundesministerium für Landesverteidigung der Soldat & Technik auf Nachfrage bestätigt hat.

So nutzte das Einsatzteam der Alpenrepublik unter anderem die von der deutschen Luftwaffe eingerichtete Luftbrücke zwischen der usbekischen Hauptstadt Taschkent und Kabul. Ebenso kooperierten die Österreicher mit Kräften aus Ungarn und der Schweiz. Insgesamt wurden etwas mehr als 100 Personen aus dem Krisenland geholt, eine noch dort befindliche Familie soll auf dem Landweg über Pakistan nach Österreich gebracht werden. Über den Einsatz berichteten der Kommandant und ein beteiligter Soldat in einem online-Interview mit österreichischen Medien.

Ein Auftrag des in Wiener Neustadt stationierten Bundesheer-Spezialkräfteverbandes bildet die Rettung österreichischer Staatsangehöriger aus Krisengebieten. Kräfte für Evakuierungseinsätze stehen beim Jagdkommando stetig in Bereitschaft. Entsprechende Verfahren werden regelmäßig ressortgemeinsam mit dem österreichischen Bundesministerium Europäische und Internationale Angelegenheiten (BMEIA) geübt. Ebenso trainieren die Soldaten des Jagdkommandos ständig mit Spezialeinsatzkräften aus anderen Ländern und sind mit ihnen in Einsätzen, weshalb gute persönliche Kontakte bestehen. Auch das erwies sich jetzt als ein Garant für den Erfolg, als Mitte August 2021 die Taliban in Afghanistan unerwartet schnell die Macht übernahmen und der Ernstfall einer Evakuierungsoperation eintrat.

Erst ein Tag zuvor alarmiert, verlegten am 18. August 2021 ein Oberstleutnant und ein Oberstabswachtmeister (Oberstabsfeldwebel) des Jagdkommandos zunächst nach Taschkent. Ihr Auftrag war es, einen österreichischen Diplomaten zu schützen und bei den Evakuierungsmaßnahmen zu unterstützen. So musste das Einsatzteam die Österreicher aus der Masse an Menschen, die sich am Flughafengelände befunden haben, herausholen, ihre Papiere kontrollieren und die Personen zu den Flugzeugen bringen. Bei der Evakuierung konnte das Krisenteam aus der Alpenrepublik die von der deutschen Luftwaffe eingerichtete Luftbrücke nach Kabul nutzen. Auch ungarische Flugzeuge sind genutzt worden. Mehrfach am Tag verlegte das Einsatzteam per deutschem A-400M zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt und wieder zurück nach Taschkent. Hier war ein größeres österreichisches Team eingesetzt.

Mehrfach am Tag verlegte das Einsatzteam per deutschem A-400M zum Flughafen der afghanischen Hauptstadt und wieder zurück nach Taschkent. (Foto: Bundesheer)

Die Soldaten berichten von großen Herausforderungen und chaotischen Zuständen. Um den Flughafen herum habe es vier Linien gegeben, die man passieren habe müsse, um zu den Flugzeugen zu kommen. Die erste Linie sei von den Taliban kontrolliert worden, die zweite von den Amerikanern. Dann sei man zu den internationalen Truppen gekommen und von dort zu den Krisenunterstützungsteams. Davor musste man einen zwei Meter tiefen und zwei Meter breiten mit Müll und Fäkalien gefüllten Kanal überwinden. Ein übergeordnetes „internationales Kommando in dem Sinn hat es nicht gegeben.“ Der Flughafen sei während der Evakuierungen von den Amerikanern betrieben worden, aber jede Nation habe für sich gearbeitet.

Österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sowie Personen mit gültigem Aufenthaltstitel in Österreich wurden per Telefon Zeitpunkt und Zugangstor mitgeteilt, um sie dort aufnehmen zu können. Rot-weiß-rote Fahnen diente als Erkennungszeichen. „Die Menschen waren sehr kreativ“, so einer der beteiligten Soldaten. „Sie haben ihre Dokumente groß kopiert, so dass man sie von weitem erkennen konnte oder haben T-Shirts mit ihrer Nationalität getragen.“ Wie auf Einsatzbildern zu sehen ist, trägt der Sonderbotschafter eine in den österreichischen Nationalfarben gehaltene klar erkennbare Weste. Die Soldaten des Jagdkommandos tragen die aktuellen Multicam-Adjustierungen und sind mit Sturmgewehr und Pistole bewaffnet. Auf den Bildern ist ebenso zu sehen, wie das österreichische Einsatzteam am Flughafen Kabul mit deutschen Kameraden zusammenarbeiten.

Die Evakuierungsflüge aus Kabul mussten aufgrund der sich zuspitzenden Sicherheitslage am 26. August 2021 eingestellt werden. Das österreichische Einsatzteam setzte seinen Auftrag dann noch in Taschkent weiter fort. Erst am 1. September kehrten die beiden Jagdkommandosoldaten in die Heimat zurück. Die österreichische Verteidigungsministerin Klaudia Tanner bedankte sich persönlich bei den beiden Soldaten.

Jan-Phillipp Weisswange