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Die U.S. Army hat einen zweiten Auftrag für die Herstellung und Lieferung von ENVG-B-Fusionsbrillen (Enhanced Night Vision Goggle – Binocular) an die US-Tochter von Elbit Systems vergeben, wie aus einer Meldung des Unternehmens hervorgeht. Der Auftrag hat einen Gesamtwert von 54 Millionen US-Dollar und beinhaltet neben der Lieferung der Brillen eine Lieferung von Ersatzteilen, logistischer Unterstützung sowie Testausrüstung für die U.S. Army. Die Lieferung der Systeme soll bis Februar 2023 erfolgen.

Das US-Heer hat die von L3Harris entwickelte ENVG-B als neue Standardbrille für die Close-Combat-Kräfte, wozu neben der Infanterie unter anderem auch abgesessen operierende Aufklärungs- und Pionierkräfte zählen, ausgewählt und Produktionsverträge an zwei Unternehmen – Elbit Systems und L3Harris – vergeben. Der Gesamtauftragswert für Elbit Systems beläuft sich auf einem Maximalwert von 442 Millionen Dollar.

Die ENVG-B ist eine binokulare Fusions-Brille, die zwei leistungsstarke 18-mm-Nachtsichtröhren der dritten Generation (weißer Phosphor) mit einem separaten Wärmebildkanal mittels Bildfusion kombiniert. Die U.S. Army hat einen Gesamtbedarf von 10.262 ENVG-B angemeldet. Die Restlichtverstärkerröhren haben eine Mindestleistung von 2.300 FOM und ermöglichen eine Sichtweite von bis zu 300 m. Die Nutzung von weißem Phosphor im Vergleich zum bisher üblichen grünen Phosphor bringt klarere Konturen und daher bessere Entdeckungsmöglichkeiten. Auch erscheint das Bild ruhiger und wirkt damit einer Ermüdung des Soldaten entgegen.

Die binokulare Bauweise des ENVG-B gibt Soldaten mehr Tiefenwahrnehmung. Der Wärmebildsensor ermöglicht es, feindliche Wärmesignaturen bei Nacht und bei Tageslicht durch Rauch, Nebel und andere Verdunkelungen auf dem Schlachtfeld schneller zu erfassen. Das System kann drahtlos mit auf Handwaffen montierten Wärmebildzielgeräten kombiniert werden und das dort generierte Zielbild direkt in das Okulardisplay der ENVG-B – somit in das Sichtfeld der Nutzer – übertragen.

Die Augmented-Reality-Fähigkeit ermöglicht die Einspiegelung von Points of Interests (POI) sowie weiterer missionskritischer Informationen wie Standortkoordinaten und Navigationskurs, Textübermittlung sowie die räumliche Darstellung eigener Kräfte. Sie erscheinen als AR-Symbol über der tatsächlichen Position und können weitere Informationen wie bspw. die Klassifikation „verbündet“, „feindlich“, „unbekannt“ oder „neutral“ beinhalten. Die AR-Symbole zeigen auch die Entfernung und Richtung zum POI an. Die Daten werden außerhalb des aktiven Sichtfeldes (Field-Of-View – FOV) angezeigt und behindern so nicht die eigentliche Sicht des Soldaten.

Mit Hilfe von Endbenutzergeräten (Android Team Awareness Kits, ATAK-Smart-Devices) und Funkgeräten können diese POI-Informationen bei Bedarf direkt an andere Soldaten und übergeordnete Führungsebenen übertragen werden.

Darüber hinaus ermöglicht die im System beinhaltete Augmented Reality (AR) und ein Head-up-Display (HUD), dass sich das Fadenkreuz der Waffenoptik drahtlos in das Sichtfeld des Soldaten projizieren lässt. Dies ermöglicht es dem Soldaten, um die Ecke zu wirken, ohne sich dabei selbst der Feindwirkung auszusetzen. Dazu muss lediglich die Waffe um die Ecke gehalten werden; das dann in der Zieloptik sichtbare Bild wird in die Nachtsichtbrille übertragen.

Waldemar Geiger