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Schwere Maschinengewehre

Thomas Nielsen

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Fast jeder, der sich für Streitkräfte und Wehrtechnik interessiert, weiß um die Bedeutung eines „schweren Maschinengewehrs“. Darunter soll in diesem Artikel eine von einem Soldaten bedienbare Waffe verstanden werden, die vollautomatisch feuern kann, Patronen im Kaliber von mehr als 10 mm und weniger als 20 mm nutzt und in erster Linie zum Verschießen von nicht-explosiven Geschossen dient.

Interessant ist der Umstand, dass die heutige Auswahl an Kalibern und Waffen für schwere Maschinengewehre erstaunlich gering ausfällt – vor allem im Vergleich zu anderen Waffentypen.

Historie

Die Geschichte des großkalibrigen schweren Maschinengewehrs beginnt im ersten Weltkrieg. 1917 wurden die deutschen Streitkräfte zum ersten Mal mit dem britischen Panzer Mk IV konfrontiert, dessen schwerere Panzerung das panzerbrechende 7,92-mm-„K-Geschoss“ weitgehend unwirksam machte. Daraus ergab sich die Forderung nach einem Panzerabwehrgewehr größeren Kalibers, was schließlich zum Mauser Panzergewehr M1918 und seiner 13,2-mm-x-92-HR-„TuF“-Patrone führte (TuF ist eine Abkürzung für „Tank und Flieger“, nach den beabsichtigten Zielen der Patrone). Die 13,2-mm-TuF verschoss ein 51,5g (795grain) schweres Geschoss mit einer Geschwindigkeit von ca. 785m/s und war auch für das MG 18 TuF Flugabwehr- und Panzerabwehrmaschinengewehr vorgesehen. Das MG 18 wurde im August 1918 offiziell vom deutschen Heer übernommen, und es wurden mehrere Tausend Exemplare bestellt, aber bis zum Waffenstillstand wurden nur etwa 50 Stück hergestellt. Dies machte das MG 18 in vielerlei Hinsicht zum Großvater des großkalibrigen schweren Maschinengewehrs.

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Auf amerikanischer Seite führte das Auftauchen stärker gepanzerter deutscher Flugzeuge und das erwartete Auftauchen stärker gepanzerter deutscher Panzer zu der Forderung nach einem großkalibrigen Maschinengewehr mit den gleichen allgemeinen Leistungsmerkmalen ähnlich dem MG 18 – allerdings gibt es keine Beweise dafür, dass die USA das MG 18 oder die TuF-Patrone „kopiert“ haben. Der letzte Prototyp der US-Waffe wurde am 11. November 1918, dem Tag des Waffenstillstands, getestet. Aufgrund des Kriegsendes, für das sie vorgesehen war, und der daraus folgenden Verlangsamung der Waffenentwicklung und -beschaffung wurde die Waffe erst 1929 als M1921 in Dienst gestellt. Die Entwicklung wurde fortgesetzt, und 1933 entstand das inzwischen berühmte Browning M2. Das M2 ist eine Rückstoßlader mit kurzem Rohrrücklauf und einem Gewicht von 34 kg (128 lbs/58 kg mit Stativ und Traverse/Elevationsmechanismus). Sie ist für die 12,7 mm-x-99-Patrone/.50 BMG – Browning Machine Gun ausgelegt und verschießt ein 640grain (41,5g) schweres Geschoss mit 2.910fps (890m/s) bei einer Feuergeschwindigkeit von bis zu 600 Schuss/min. Die Waffe und die Munition sind bis heute weltweit im Einsatz, und die 12,7-mm-x-99-Patrone ist sowohl von der NATO als auch von der C.I.P. genormt.

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M2
FN Herstal produziert das Browning noch heute, beispielsweise als M2HB-QCB Mk2, die als laffetierte Fahrzeugbewaffnung genutzt wird. (Foto: Special Forces Group Belgien)

1925 erkannte auch die Sowjetunion den Bedarf an einem großkalibrigen Maschinengewehr, ähnlich dem deutschen MG 18 TuF aus dem Ersten Weltkrieg und dem amerikanischen M1921. Der Autor geht davon aus, dass der Bedarf für diesen Waffentyp wahrscheinlich schon viel früher, nämlich während des Ersten Weltkriegs, festgestellt wurde, aber die russische Revolution und der darauffolgende Bürgerkrieg verhinderten die Formulierung eines Bedarfs ebenso wie praktische Fortschritte. Der erste Prototyp eines großkalibrigen Maschinengewehrs, der ab 1929 von Wassili Degtjarjow entwickelt wurde, wurde 1931 getestet. Der endgültige Entwurf, an dem Georgi Shpagin mitwirkte, ging 1938 als „Degtyaryov-Shpagin Großkaliber“ (DShK 1938) in Produktion. Die Waffe ist ein Gasdrucklader und wiegt 34 kg (157 kg mit der Radlafette). Sie verwendet die 12,7 mm-x-108-Patrone und verschießt ein panzerbrechendes 49-g-Geschoss (mit hartem Stahlkern) mit einer Geschwindigkeit von 820 m/s und einer Kadenz von 600 Schuss/min. Wie ihre amerikanischen Pendants sind sowohl die Patrone als auch die Waffe bis heute in großem Umfang im Einsatz.

Bereits im folgenden Jahr, 1939, brach mit dem deutschen und später sowjetischen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg aus. Die Erfahrungen aus dem Überfall in Verbindung mit den erwarteten Entwicklungen bei der deutschen Panzertechnik führten bei den sowjetischen Militärplanern zu Zweifeln an der langfristigen Wirksamkeit der 12,7 mm-x-108-Patrone gegen Panzer und zu dem Wunsch nach etwas Stärkerem. Dies sollte die 14,5 mm x 114 leisten. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurden daher umgehend Panzerabwehrwaffen entwickelt, darunter auch Panzerabwehrgewehre mit der neuen 14,5 mm-x-114-Patrone, die ein 64 g schweres (988 grain schweres) panzerbrechendes Geschoss (mit einem 34 g schweren/525 grain schweren Stahlkern) mit einer Geschwindigkeit von 1,012 m/s (3.320 fps) verschießt. Das Kaliber erwies sich als wirksam gegen die dünnere Seiten- und Dachpanzerung der späteren deutschen Panzergenerationen, und die Stärke und Wirksamkeit des Kalibers führte zu der Idee, ein Maschinengewehr als Panzer- und Flugabwehrwaffe zu entwickeln.

Dies geschah 1944 mit der Erprobung des Prototyps eines Maschinengewehrs im Kaliber 14,5 mm x 114, das von S. V. Vladimirow entwickelt wurde. Die endgültige Version des Entwurfs wurde 1949 als Vladimirow-Großkaliber-Maschinengewehr (Krupnokaliberniy Pulemyot Vladimirowa – KPV) in Dienst gestellt. Das KPV ist ein Rückstoßlader, wird über einen Gurt gespeist, hat einen kurzen Rohrücklauf und eine Feuerrate von 550-600 Schuss/min. Die Waffe wiegt 47,5 kg (161,5 kg mit Lafette) und wird auch heute noch häufig eingesetzt.

KPVT
KPVT (koaxial montierbare Ausführung des KPV) im Kaliber 14,5 mm x 114mm. (Foto: Rosoboronexport)

Die beschriebene Historie wirft eine interessante Frage auf, die man vielleicht zu beantworten versuchen kann, bevor man zum Vergleich der verschiedenen Kaliber übergeht: Warum haben Deutschland, die USA und die Sowjetunion alle großkalibrige Maschinengewehrpatronen mit ungefähr demselben Kaliber, nämlich 12,7-13 mm, eingeführt? Auch wenn dem Autor keine endgültige Antwort auf diese Frage bekannt ist, lassen sich doch einige mögliche Gründe nennen: Die meisten Nationen verwenden oder haben in der Vergangenheit Längenmaße verwendet, die 1 Zoll oder 25,4 mm entsprechen. Es ist denkbar, dass „ein halber Zoll“ ein geeignetes Kaliber für ein großkalibriges Maschinengewehr ist. Bei viel kleinerenerhält man keinen wirklichen Vorteil gegenüber Maschinengewehren im Gewehrkaliber; bei viel größeren gelangt man in den Bereich der Kanonen, mit einer folglich größeren und schwereren Waffe.

Die Gründe für das Kaliber 14,5 mm x 114 dürften ähnlich sein, wie die oben beschriebenen: Wenn man ein Kaliber will, das größer und leistungsfähiger als 12,7 mm ist, aber eine Waffe, die kleiner und leichter als eine Kanone ist, dann liegt ein Kaliber von „etwa 15 mm“ fast schon selbstverständlich nahe. Um die Leistung zu erhöhen, könnte man vermutlich auch die Mündungsgeschwindigkeit eines 12,7.mm-Geschosses erhöhen, aber das würde höhere Drücke erfordern, was einen höheren Verschleiß der Waffe bedeutet. Außerdem waren die Treibladungspulver zur Zeit der Entwicklung dieser Kaliber weniger effizient als heute, so dass eine „einfache“ Erhöhung des Drucks nicht notwendigerweise realisierbar war.

Wie wir aus den obigen Ausführungen ersehen können, lässt uns die Geschichte des schweren Maschinengewehrs heute drei mögliche Kaliber für diesen Waffentyp übrig: 12,7 mm x 99, auch bekannt als 12,7 mm NATO oder .50BMG, 12,7 mm x 108 und 14,5 mm x 114.

Neben der Verwendung in schweren Maschinengewehren wurden diese Kaliber in den letzten drei bis vier Jahrzehnten auch in Präzisionsgewehren mit großer Reichweite verwendet, die vor allem zur Bekämpfung technischer Ziele oder Fahrzeuge eingesetzt werden. Diese Anti Material Rifles können als Nachkommen des Mauser Panzergewehrs M1918 angesehen werden, und obwohl sie als Panzerabwehrwaffen nicht mehr wirksam sind, haben sie eine Nische als Gewehre großer Reichweite zur Bekämpfung technischer Ziele oder zur Kampfmittelräumung auf Distanz gefunden.

Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden ein Vergleich der drei Kaliber vorgenommen werden, der sich vor allem auf ihre Verwendung in schweren Maschinengewehren konzentriert.

Kalibervergleich

Da die 14,5 mm-x-114-Patrone wesentlich größer und leistungsstärker ist als die beiden 12,7 mm-Kaliber, wäre ein direkter Vergleich zwischen den drei Kalibern eine Herausforderung. Daher werden wir zunächst die beiden 12,7-mm-Patronen miteinander vergleichen und diese dann der größeren 14,5 mm-x-114-Patrone gegenüberstellen.

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