StartFührung & KommunikationHensoldt mit Modernisierung des Artillerieortungsradars Cobra beauftragt

Hensoldt mit Modernisierung des Artillerieortungsradars Cobra beauftragt

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Das Artillerieortungsradar Cobra (Counter Battery Radar) erhält einen neuen Generator für Radarziele (Radar Target Generator, RTG). Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben Cobra entwickelt und mit Unterstützung durch die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR zwischen 2001 und 2007 eingeführt. Von den insgesamt 29 gelieferten Systemen hat Deutschland von seinen zwölf Cobra zwei an die Türkei verkauft. In Frankreich sind derzeit zehn und in Großbritannien sieben Anlagen in Betrieb.

OCCAR hat jetzt Hensoldt, das Nachfolger eines der Unternehmen aus dem Euro-Art-Konsortium ist, das Cobra produziert hat, beauftragt, den RTG zu ersetzen. Das Schlüsselelement der Cobra-Testumgebung ist für die Bestimmung des optimalen Einsatzes und die Prüfung der Systemleistung erforderlich. Es generiert Echosignale von Primärradarzielen und kann im Fernbereich des Radars für die Simulation reproduzierbarer Objektflugbahnen eingesetzt werden.

Mit der Modernisierung wird das unzuverlässig gewordene RTG an die geänderten Einsatzanforderungen der Nutzerländer angepasst. Langzeiteinsatz an festen Radarstationen, Nonstop-Überwachung und gleichzeitiger Betrieb mehrerer Systeme gehören zu den neuen Anforderungen.

Das mobile Ortungsradar Cobra dient primär der Aufklärung feindlicher Artillerie- und Raketenstellungen, indem es Geschosse auf der Flugbahn entdeckt und den Abschuss- und den voraussichtlichen Einschlagort berechnet. Die Daten werden sowohl zur Bekämpfung der Gegner als auch zur Warnung eigener Truppe verwendet. In weniger als zwei Minuten können über 40 mit je sechs Geschützen bestückte Batterien geortet und an einen höheren Führungsstab gemeldet werden. Ergänzend zu der Artillerieortung können mit Cobra durch die Erfassung und Verfolgung der eigenen Geschosse Korrekturparameter berechnet und übermittelt werden. Die Entdeckungsreichweite beträgt 40 km, mit Enhancement Package über 100 km. Cobra kann auch eingesetzt werden, um die Einhaltung eines Waffenstillstands zu überwachen.

Herzstück des Systems ist eine aktive Antenne (Active Electronically Scanned Array, AESA) aus Halbleiterbauelementen in Modulbauweise, die aus rund 3.000 Galliumarsenid (GaAs) basierten Sende-/Empfangs-Modulen besteht. Die Phasensteuerung wird in Azimut und Höhenwinkel angewendet. Die horizontale Abdeckung elektronisch ist 90 Grad. Zusammen mit mechanischem Schwenken erhöht sich die Abdeckung auf 270 Grad.

Die Bedienerkabine mit Radarsteuerung und Kommunikationseinrichtungen ist gegen Beschuss und ABC-Kampfmittel geschützt. Die Deutschen setzten zwei Bediener ein, die Franzosen und die Briten kommen mit einem Bediener aus.

Beweglich gemacht sind Cobra-Antenne, -Kabine und 47 kVA Stromversorgung  auf einem geländegängigen Radfahrzeug. Die Bundeswehr nutzt dazu einen 8×8-MAN gl.

Die OCCAR leitet die Nutzungsphase im Auftrag der Mitgliedstaaten. Seit 2013 ist die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH mit der Unterstützung der Betriebsphase beauftragt. Der Vertrag läuft Ende 2022 aus. Darüber hinaus gibt es ein Service Level Agreement (SLA) mit der NATO Support and Procurement Agency (NSPA) für eine Reihe von logistischen Unterstützungsleistungen.

Gerhard Heiming