Geballte Kampfkraft, Feuer und Bewegung: Rad- und Kettenfahrzeuge rollen durch die Lüneburger Heide, aus den Staubwolken zucken Mündungsblitze, Geschützlärm donnert, Hubschrauber hovern, Maschinenkanonen knattern, Grenadiere stürmen Gebäude – diese Bilder wirken Besuchern der klassischen Informationslehrübungen vertraut.
Von Jan-Phillip Weisswange
Doch die dynamische Vorführung, welche hier Anfang Mai 2026 auf der Schießbahn 2 des Truppenübungsplatzes Munster Nord erfolgt, ist Teil der Lehr- und Versuchsübung 2026. In den letzten Wochen hat das Deutsche Heer unter seinem Inspekteur, Generalleutnant Dr. Christian Freuding, Ansätze entwickelt und erprobt, wie es künftig kämpfen will, um auf den zunehmend gläsernen Gefechtsfeldern zu gewinnen.

Und so erscheinen aktuelle Satellitenbilder des Gefechtsfeldes auf den Monitoren über der eigens errichteten Zuschauertribüne. Drohnenschwärme schwirren über gegnerische Ziele und schalten diese aus. Besatzungslose Bodenfahrzeuge begleiten die größeren Gefechtssysteme auf ihrem Weg zur Front, bekämpfen gegnerische Kampffahrzeuge, schlagen mit Sprengschnursystemen Breschen in Minenfelder und evakuieren Verwundete. Die dynamische Vorführung macht deutlich, welche Lehren das Deutsche Heer aus den aktuellen Konflikten für seine Operationsführung in der Dimension Land zieht.
Disruptive Kampfkraft-Entwicklungen
Die aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten zeigen, wie sehr disruptive technologische Entwicklungen in allen Domänen – Aufklärung, Führung, Vernetzung und Wirkung – die Operationsführung verändert haben. In allen Dimensionen – Land, Luft, See, Weltall und Cyber- und Informationsraum – gilt gleichermaßen: Hochentwickelte Sensoren machen das Gefechtsfeld zunehmend transparent – nahezu gläsern. Präzise, weitreichende Waffensysteme ermöglichen Schläge gegen Ziele weit im Hinterland. Künstliche Intelligenz oder Robotik ergänzen klassische Kampfkraft. Multidimensionale Digitalisierung und Vernetzung verkürzen die Sensor-Effektor-Ketten so stark, dass die Wirkung nahezu in Echtzeit auf die Aufklärung folgt.

„Das Ergebnis ist ein Operationsraum, auf dem Sichtbarkeit zur Verwundbarkeit wird – und auf dem Geschwindigkeit und Vernetzung über Erfolg oder Misserfolg entscheiden“, schreibt die größte Teilstreitkraft der Bundeswehr in seinem „Campaign Plan Heer 2035+ – wie das Heer kämpfen wird“. Und weiter: „Militärische Entscheidung wird nicht mehr primär durch das Gefecht gepanzerter Kräfte um Schlüsselgelände gesucht. Durchsetzungsfähigkeit setzt voraus, unter den Bedingungen eines durchgängig vernetzten und sensorisch gesättigten Raumes handlungs- und operationsfähig zu bleiben.“
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