Print Friendly, PDF & Email

Das US-Spezialkräfte-Kommando (USSOCOM) arbeitet gegenwärtig an mehreren Vorhaben zur Fähigkeitserweiterung von Flächenflugzeugen. Der zuständige Projektoffizier stellte gestern bei der virtuellen Special Operations Forces Industry Conference einige der aktuellen Initiativen vor.

Basierend auf der Annahme, dass in Zukunft die Handlungs- und Bewegungsfreiheit der Spezialkräfte und ihrer Verbringungs- und Unterstützungsmittel zunehmend eingeschränkt wird, ist es nach Aussagen des Projektoffiziers notwendig, mit Konventionen zu brechen und neue Wege zu suchen. Dazu wird derzeit an mehreren Projekten gearbeitet.

MC-130J Amphibious Capability

Im Zentrum der Überlegungen steht die „MC-130J Amphibious Capability“, eine amphibische Version der MC-130J unter dem Arbeitstitel MAC. Die MC-130J ist die neueste Version der Hercules und fliegt in mehreren Varianten bereits seit Jahrzehnten in der Zuständigkeit des United States Air Force Special Operations Command (AFSOC). Die Maschine ist dafür ausgelegt, in umkämpfte Gebiete einzudringen, um dort Spezialkräfte abzusetzen, zu extrahieren oder zu versorgen sowie Hubschrauber und Kipprotorflugzeuge aufzutanken.

Die Idee einer „amphibischen Hercules“ ist indes nicht neu. Bereits in den 1960er Jahren experimentierte Lockheed Martin, der Hersteller des Flugzeugs, mit der Idee und stellte seinerzeit das Hercules-On- Water (HOW) -Konzept vor. Die Version wurde nicht weiterverfolgt, jedoch flossen Erkenntnisse in den YMC-130 Prototypen ein, welcher einige Entwicklungsstufen und Jahrzehnte später um genau diese amphibische Fähigkeit erweitert werden soll.

Nach Angaben des US-Onlineportals „The Warzone“ erläuterte der zuständige Projektoffizier gegenüber teilnehmenden Fachpressevertretern weitere Einzelheiten zum Stand des Projektes. Entgegen der Konzeptzeichnung wird nicht an einer rein amphibischen Version der Hercules gearbeitet, sondern an einem Flugzeug, was sowohl vom Wasser als auch vom Land operieren kann. Demnach ist das Projekt derzeit noch in einer frühen Phase. Es wird derzeit eine Machbarkeitsstudie mit „innovativen Partnern“ durchgeführt, wie und ob die MAC realisiert werden könnte. Der Projektoffizier zeigte sich zuversichtlich, dass eine Realisierung des lange diskutierten Konzeptes angegangen werden kann, da genügend Interesse der übergeordneten Führung für dieses Projekt besteht.

Weitere Projekte

Auch die AC-130 Gunship-Flotte ist im Blick der USSOCOM-Planer. So soll in naher Zukunft versuchsweise die Integration eines 60-kW- Lasers für Offensivaufgaben erfolgen. (Graphik: USSOCOM)

Auch die AC-130 Gunship-Flotte ist im Blick der USSOCOM-Planer. So soll in naher Zukunft versuchsweise die Integration eines 60-kW- Lasers für Offensivaufgaben erfolgen. Ziel ist es damit unter anderem, Kommunikationseinrichtungen und ungeschützte Fahrzeuge mit einer überdurchschnittlichen Präzision und einer deutlich verringerten Umgebungsgefährdung zu bekämpfen.

Darüber hinaus sollen die vorhandenen Waffensysteme der AC-130 unter dem Arbeitstitel „Remote Gunship“ mittels Automatisierung effizienter gemacht werden. Die für den Betrieb der Flugzeuge notwendige Besatzungsstärke soll dadurch deutlich reduziert werden können.

Aufsehen erregte zudem der Hinweis, dass man bereits den Nachfolger für die CV-22 Osprey suche. Das neue Luftfahrzeug soll mit den gleichen Eigenschaften wie vertikaler Start- und Landebefähigung bei hoher Marschgeschwindigkeit verfügen. Durch die Nutzung von Strahltriebwerken soll die Geschwindigkeit jedoch über der des aktuell verwendeten Kipprotorflugzeuges liegen. Eine höhere Marschgeschwindigkeit würde eine kürzere Verweildauer in einem potenziell gefährlichen Luftraum und somit einen höheren Schutz der Maschine bedeuten.

Der zuständige Projektoffizier stellte bei der virtuellen Special Operations Forces Industry Conference einige der aktuellen Initiativen vor. (Graphik: USSOCOM)

Nicht zuletzt sucht das USSOCOM unabhängig von einer Plattform nach neuer Sensorik und Wirkmitteln, um bestehende und zukünftige Flugzeuge ausrüsten zu können. Dabei steht unter anderem ein an Standard-Hardpoints zu befestigendes leichtes Radargerät im Fokus. Andererseits werden Containerlösungen betrachtet, welche eine große Anzahl an unterschiedliche (Sub-)Munitionstypen aufnehmen können.  Ein Ziel ist es dabei, größere Stückzahlen von Loitering Munition mit einem Flugzeug in das Zielgebiet zu transportieren und dort auszubringen.

Kristóf Nagy