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Mörser gelten weltweit als eine der einfachsten und gleichzeitig effektivsten Waffen auf dem Gefechtsfeld. Kaum ein anderes Waffensystem erreicht in der Relation Kosten zu Nutzen eine vergleichbar positive Bilanz.

Mörser sind aber nicht nur vergleichsweise günstig, sie sind auch ausgesprochen vielseitig. Neben der Möglichkeit des abgesessenen Einsatzes können Mörser auch in Fahrzeuge unterschiedlichster Bauart integriert werden. Dabei kommen in modernen Mörserkampfsystemen sowohl aus Fahrzeugluken schießende Vorderlader-Mörser als auch auf Turmlösungen basierende Hinterlader-Mörser zum Einsatz. Alle Ansätze haben Vor- und Nachteile, die eine Systemwahl nicht gerade erleichtern.

Der Beitrag fokussiert sich in diesem Zusammenhang nicht auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Systeme in puncto Ballistik und Feuerleitung, sondern betrachtet die unterschiedlichen Ansätze der Fahrzeugintegration von modernen 120-mm-Mörsersystemen.

Renaissance der mobilen Mörserei

Die Rückbesinnung der NATO-Streitkräfte auf die Gefechtsführung im Zuge der Landes- und Bündnisverteidigung hat auch der Entwicklung der Mörserwaffe neues Leben eingehaucht.

Sparzwänge und fokussierte Ausrichtung der Streitkräfte auf Stabilisierungsoperationen haben viele NATO-Staaten zu einem massiven Abbau der Feuerunterstützungsfähigkeit bewogen. Mörser- und Artilleriekräfte wurden stark abgebaut bzw. komplett abgeschafft. Lange Zeit wurden die verbliebenen Waffensysteme ausschließlich für die Bekämpfung von irregulären Kräften eingesetzt. Dementsprechend wurden die Einsatzgrundsätze und die technische Entwicklung solcher Systeme auf dieses Szenario fokussiert. Es galt der Grundsatz „Klasse vor Masse“. Im Vordergrund standen vergleichsweise statisch geführte Einzelgefechte und die Vermeidung von Kollateralschäden. Da der Gegner über keine eigenen Fähigkeiten zu Bekämpfung von Steilfeuersystemen verfügte, konnte der Feuerkampf der Mörser sicher aus einzelnen Feuerstellungen geführt werden.

Nach dem Ausbruch des russisch-ukrainischen Konfliktes und den dort gesammelten Gefechtserfahrungen wurde wie bei vielen anderen Waffensystemen auch der Status Quo der aktuellen Mörsersysteme kritisch auf den Prüfstand gestellt. Bei vielen Staaten mit dem gleichen Ergebnis: Es fehlt sowohl an Klasse als auch an Masse. Wobei in diesem Fall mit Klasse weniger die Befähigung von schneller und genauer Punktzielbekämpfung zur Vermeidung von Kollateralschäden gemeint ist, als vielmehr die Befähigung zu einer maximal mobilen Feuerunterstützung im Zuge des Gefechtes der verbundenen Waffen / Operationen verbundener Kräfte. Feindliche Artillerie- und Mörsersysteme können eigenes Mörserfeuer innerhalb von Minuten erwidern, der statische Mörserkampf aus einzelnen Feuerstellungen würde daher zweifelsfrei zum baldigen Verlust dieser Systeme führen.

Die Befähigung zur mobil geführten Feuerunterstützung nach dem Shoot & Scoot-Grundsatz (Schießen und schnell Ausweichen) wird zur elementaren Forderung moderner 120-mm-Mörsersysteme. Als Richtwert gilt in diesem Zusammenhang sehr oft die Zeitspanne von drei Minuten, der Zeitpunkt, ab wann massive feindliche Gegenschläge drohen, weil die Feuerstellung aufgeklärt (mittels UAV, Radar, oder anderen Mitteln) wurde. Ab diesem Zeitpunkt, also drei Minuten nach dem ersten Schuss, sollte die Feuerstellung verlassen worden sein.

Die Suche nach dem Mörsersystem der Zukunft
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