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Die slowakischen Streitkräfte haben die bereits 2016, während der Veröffentlichung des aktuellen Weißbuchs, angekündigte Suche nach einem modernen Schützenpanzer begonnen. Im Zuge des Vorhabens sollen beide mechanisierte Brigaden eine neue Ausstattung erhalten. Allerdings ist die Einführung eines Schützenpanzers nur für eine Brigade vorgesehene, während der zweite Großverband mit geschützten 8×8-Radfahrzeugen ausgestattet werden soll.

Mit Veröffentlichung des aktuellen Weißbuchs im September 2016 definierte das Verteidigungsministerium in Bratislava unter anderem die Ausrichtung und die Schwerpunkte der Entwicklung für die kommenden Jahre innerhalb der slowakischen Streitkräfte. Neben bereits laufenden Projekten wie der Beschaffung von Hubschraubern des Typs UH-60 Blackhawk oder der Ablösung des Jagdflugzeug Mig-29 standen auch die Modernisierung der beiden mechanisierten Brigaden der Landstreitkräfte im Fokus. 2017 bezeichnete der Staatsekretär im Verteidigungsministerium Róbert Ondrejcsák in einem Interview die Anschaffung neuer Schützenpanzer als die dringlichste Aufgabe. Diese Äußerung offenbarte, dass die Modernisierung der aus tschechoslowakischer Produktion stammenden Schützenpanzer vom Typ BVP-1 und BVP-2 (Lizenzfertigung des Schützenpanzers BMP-1 bzw. BMP-2) offenkundig keine Alternative darstellt. Die in kleiner Stückzahl eingeführten und vom einheimischen Hersteller KONŠTRUKTA – Defence umgerüsteten BVP-M-Schützenpanzer sollen laut einer aktuellen Pressemitteilung des slowakischen Verteidigungsministeriums ebenfalls ersetzt werden.

Unklar ist dabei noch, welche der beiden Großverbände in Zukunft als schwere Brigade fungieren soll. Die im zentralslowakischen Topoľčany beheimatete 1. Mechanisierte Brigade nutz aktuell in allen drei mechanisierten Bataillonen den Schützenpanzer BVP-2. Die im ostslowakischen Prešov liegende 2. Mechanisierte Brigade wiederum in zwei Bataillonen das Vorgängermuster BVP-1. Für die Auswahl des letzteren Verbandes spricht die Struktur, welche ein Panzerbataillon aufweist, das zurzeit mit dem Kampfpanzer T-72M ausgestattet ist. Diese noch aus den Beständen der tschechoslowakischen Armee stammenden Kampfpanzer müssen in absehbarer Zeit ebenfalls durch einen Nachfolger ersetzt werden. Dies ist seit 2017 im NATO Defence Planning Process (NDPP) als nationales Ziel für die Slowakei festgelegt.

Lynx als potenzieller Kandidat

Als erster Anbieter in der Marktsichtung, welche zu einer Beschaffung eines Schützenpanzers führe soll, hat das Düsseldorfer Rüstungsunternehmen Rheinmetall Mitte März den Lynx KF41 in der Slowakei vorgestellt. Auf dem Gelände des Militärtechnischen Instituts (VTSÚ) im westslowakischen Záhori wurde der Schützenpanzer mehre Tage von Fachleuten des Institutes evaluiert, auch im scharfen Schuss. Im Beisein des slowakischen Verteidigungsministers Jaroslav Naď und des Rheinmetall-Vorstandvorsitzenden Armin Papperger wurde auch die Möglichkeiten der Einbeziehung lokaler Unternehmen in die Fertigung des LYNX im Falle einer Beauftragung erörtert. Aussichtsreichster Kandidat für solche eine Beteiligung an der Produktion ist zweifelsohne die staatliche DMD Holding zu der auch das bereits erwähnte Unternehmen KONŠTRUKTA – Defence gehört.

Bereits im Vorfeld hatte sich der Rheinmetall-Vorstandvorsitzende bei der unternehmenseigenen Investor Relations Conference so geäußert, dass er starke Signale für eine Entscheidung auf slowakischer Seite noch in diesem Jahr sieht. Dies wäre der zweite Kunde für den Schützenpanzer Lynx, nachdem die ungarische Regierung im September 2020 mit Rheinmetall eine Vereinbarung über die Herstellung und Lieferung von 218 Schützenpanzern Lynx KF41 sowie weiteren Leistungen wie zum Beispiel Simulatoren, Ausbildung und Training sowie auch eine Anfangsausstattung an Ersatzteilen und Wartungsleistungen im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro geschlossen hatte.

Kristóf Nagy