Print Friendly, PDF & Email

Die Bundeswehr beabsichtigt, die seit den 50er Jahren genutzten Fallschirmsprungsysteme T-10/T-10R durch ein neues System zu ersetzen. Die Beschaffung des neuen Systems wird in Kooperation mit Partnerländern angestrebt. Eine entsprechende 25-Mio-Vorlage soll S&T-Informationen zufolge in der 23. Kalenderwoche durch die zuständigen Ausschüsse des Bundestages beraten werden. Wird diese gebilligt, kann im Anschluss eine zügige Beschaffung über die NATO Procurement and Support Agency (NSPA), eine Rüstungsbeschaffungsorganisation der NATO, erfolgen.

Anders als bei mehreren anderen Projekten ist die Finanzierung dieses Rüstungsvorhabens gesichert, wie aus einer aktuellen Liste von geplanten 25-Mio-Vorhaben des Verteidigungsministeriums hervorgeht, die jüngst an die zuständigen Ausschüsse im Bundestag übermittelt wurde.

Die Beschaffung des neuen automatischen Fallschirmsystems vom Typ „Ensemble de Parachutage du Combattant – Variante B“ soll in Zusammenarbeit mit Belgien und den Niederlanden erfolgen, wie aus einer früheren Antwort eines Sprechers des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) an die S&T hervorgeht.

Der Bundeswehrbedarf beläuft sich nach Angaben des Ministeriums auf 4.336 Fallschirme und 3.090 Reserveschirme. „Verbindliche Zeitlinien bezüglich des Zulaufes neuer Systeme können erst nach parlamentarischer Billigung und bestätigtem Abruf aus dem NATO-Rahmenvertrag aufgezeigt werden“, so der Sprecher des BMVg im März 2021. Neben der schnelleren Beschaffung werden weitere Vorteile erwartet: „Die Vereinheitlichung der durch die Bündnispartner genutzten automatischen Fallschirmsysteme ermöglicht eine Verbesserung der Interoperabilität bzw. der Kooperation im Rahmen der Logistik sowie Ausbildung und Inübunghaltung“, teilte der BMVg-Sprecher mit.

Das neue Fallschirmsystem basiert auf dem Ensemble de Parachutage du Combattant (EPC) der französischen Streitkräfte, welches dort 2010 eingeführt wurde. Das EPC-System ist steuerbar, hat eine Sinkgeschwindigkeit von sechs m/s und erlaubt das Absetzen von Soldaten mit einem Gesamtgewicht von 165 Kilogramm.

Inwieweit die Variante B des EPC sich vom französischen Schirm unterscheiden wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Fachautoren des Amtes für Heeresentwicklung haben in einem Ende 2020 erschienenen Beitrag der Verbandszeitschrift „Der Fallschirmjäger“ geschrieben, dass das Nachfolgesystem des T-10 über ein „Absprunggewicht von 180 Kilogramm zum Absetzen aus niedrigen Höhen bei gleichzeitiger Erhöhung der Sicherheit“ verfügen soll.

Für die Nutzung in der Truppe muss das System aber nicht nur beschafft, sondern auch zugelassen werden. „Neben dem Beschaffungsprozess muss für die militärisch genutzten Fallschirme im Regelfall auch ein Zulassungsprozess durchlaufen werden, um die Zulassung des Luftfahrtamtes der Bundeswehr zu erhalten“, schreiben die Autoren des Amtes für Heeresentwicklung in der Verbandszeitschrift. Da das EPC bereits in Partnernationen eingeführt ist und in Frankreich auch für das Absetzen von Springern aus der A400M qualifiziert ist, könnte unter Umständen eine schnellere Zulassung möglich sein. „Aktuell werden Zulassungsdokumente der Partnernationen für eine vereinfachte Musterprüfung geprüft“, antwortete die Bundesregierung bereits Anfang 2021 auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.

Waldemar Geiger