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Im Zeitraum 2009 bis 2021 hat die Bundeswehr in zwei Losen insgesamt 405 gepanzerte Transportkraftfahrzeuge (GTK) Boxer erhalten. Jetzt hat die ARTEC, das für Entwicklung, Bau und Vertrieb des Boxer von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann gegründete Joint Venture, das letzte der bisher durch die Bundeswehr in Auftrag gegebene Fahrzeug an das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) übergeben.

Die zuletzt ausgelieferten Boxer sind im Konstruktionsstand A2, in den Erfahrungen und Modifikationen aus dem Afghanistan-Einsatz eingeflossen sind. Mit einem Auftrag von 2017 werden alle Boxer zur Version A2 umgerüstet. Die Umrüstung soll bis 2024 abgeschlossen sein.

Einzelstellungsmerkmal des Boxer ist die Aufgliederung in Fahr- und Missionsmodul. Die Bundeswehr hat die Boxer mit vier unterschiedlichen Missionsmodulen erhalten, die alle mit dem gleichen Fahrmodul mobil gemacht sind. Die häufigste Variante ist das Infanteriegruppenfahrzeug mit 256 Exemplaren. Weitere Varianten sind Sanitätsfahrzeug (72 Stück), Führungsfahrzeug (65) und Fahrschulfahrzeug (10). Hinzu kommen zwei Nachweisexemplare.

Für den Boxer hat die Produktionsphase gerade erst richtig begonnen. Nach dem Abschluss der Auslieferung von 84 Boxer an Litauen, hat die Produktion von 211 Boxer mit sechs unterschiedlichen Missionsmodulen für Australien mit der Auslieferung der ersten 25 Fahrzeuge einen bedeutenden Meilenstein erreicht. Im britischen Programm Mechanized Infantry Vehicle (MIV) hat die Produktion von 528 Boxern mit ersten Schweißarbeiten begonnen.

Zusammen mit bis 2018 an die Niederlande ausgelieferten 200 Boxer beläuft sich die Bestellmenge auf 1.428 aus fünf Nationen.

Die guten Erfahrungen aus ersten Einsätzen z.B. in Afghanistan und das modulare Konzept mit austauschbaren Missionsmodulen haben zu zahlreichen Konzepten für die Realisierung neuer Fähigkeiten sowohl bei den Bedarfsträgern als auch in der Industrie geführt. Die Bundeswehr entwickelt zurzeit ein Modul „Qualifizierte Fliegerabwehr“ vor allem zur Abwehr von unbemannten Fluggeräten, das rechtzeitig für die VJTF 2023 zur Verfügung stehen sollte. In dem Projekt gibt es jedoch Verzögerungen. Für das Modul „Joint Fire Support Team, schwer“ wurden soeben durch den Bundestag Haushaltsmittel freigegeben. Produktionsbeginn ist für 2023 geplant. Der „Schwere Waffenträger Infanterie“ mit 30-mm-Kanone ist in frühem Entwicklungsstadium und soll ab etwa 2024 gebaut werden. Ein weiteres Projekt ist die „Geschützte Bewegliche Führungseinrichtung“ für das die funktionalen Forderungen noch nicht anschließend formuliert sind.

Die Industrie hat zahlreiche Vorschläge für Missionsmodule erarbeitet, die ein großes Spektrum an Fähigkeiten aus allen Unterstützungsbereichen abdecken. Hierzu gehören Waffenträger mit Kalibern bis 155 mm, Brückenleger, Radarträger sowie Fahrzeuge für Bergung, Luftverteidigung, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Insgesamt zählen die Experten mehr als 20 verfügbare Varianten für den Boxer.

Der Boxer wurde als von Anfang an internationales Projekt von der europäischen Beschaffungsbehörde OCCAR im Auftrag der beteiligten Nationen (außer Australien) geführt. Die OCCAR koordiniert den Bedarf, führt die Verhandlungen mit der Industrie und schließt die Entwicklungs- und Lieferverträge mit der Industrie. Australien ist nicht Mitglied der OCCAR, nimmt aber am Boxer-Programm als Beobachter teil.

Für den Betrieb hat die NATO Support and Procurement Agency NSPA eine Boxer Support Gruppe eingerichtet, die bei der Beschaffung, Bevorratung und Verteilung von Ersatzteilen unterstützt.

Gerhard Heiming