StartMobilität„Exoten“ in der Luftlandetruppe: EINA Falcata bei Swift Response 2024

„Exoten“ in der Luftlandetruppe: EINA Falcata bei Swift Response 2024

Andre Forkert

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Deutsche und niederländische Soldatinnen und Soldaten der Division Schnelle Kräfte (DSK) sowie weiteres Unterstützungspersonal übten kürzlich mit weiteren fünf NATO-Verbündeten in Ungarn und Rumänien im Rahmen der Übung Swift Response 2024 (SWRE24) bzw. Quadriga 2024. Bei sechs Nationen kamen nicht nur viele Soldaten, sondern vor allem auch viel sehr unterschiedliches Material und Waffensysteme zusammen.

So hatte die deutsche Luftlandebrigade zum Beispiel das System MELLS (mehrrollenfähige leichte Lenkflugkörper-System) für den infanteristischen Einsatz sowie Mörser dabei. Außerdem den Waffenträger Wiesel, den Mungo oder den als Luftlande Utility Terrain Vehicle (LL UTV) eingeführten Polaris MRZR-D4. Mit letzterem werden die schweren Waffen – zum Beispiel der GraMaWa-Trupp (Granatmaschinenwaffe) – mobil gemacht.

Spanien mit MULA FALCATA vor Ort

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Das spanische Luftlandefahrzeug Mula Falcata MM-1A MK2 4×4 sieht ein bisschen aus wie ein moderner Willys Jeep, der vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg bekannt ist. Der Falcata ist ein ungeschütztes, offenes, leichtes taktisches Transport-Geländefahrzeug sowie ein Artillerieschlepper (Zugsystem für Artilleriegeschütze). Der Name Falcata kommt von der Bezeichnung eines alten iberischen Nahkampfschwerts mit gebogener Klinge, die Werksbezeichnung des Herstellers Equipos Industriales de Manutención SA (EINSA) ist jedoch MM-1A Mk2.

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Mit den markanten Drahtschneidern auf der Motorhaube erinnert der Falcata an ein Texas Longhorn. (Foto: Andre Forkert)

Das Fahrzeug ist bei der BRIPAC (Brigada Almogávares VI de Paracaidistas) Fallschirmjägerbrigade in Nutzung. Es ist lufttransportfähig als Innen- und Außenlast. Zudem kann es einfach per Lastenfallschirm abgesetzt werden. Das Fahrzeug wird in Anlehnung an den amerikanischen M274 von Willys auch „Mechanical Mule“ (mechanisches Maultier) genannt. Es kann 931 bis 1.200 kg Fracht oder je nach Konfiguration zwei bis vier Soldaten transportieren. In der Regel wird es in Kombination mit einem Anhänger genutzt.

Laut spanischem Heer kann das Fahrzeug in einer Lockheed Martin C-130, einem Boeing CH-47 Chinook (innen und außen), Airbus Helicopters H215M Cougar oder Super Puma (außen) oder NH-90 (außen) verbracht werden. Drei passen in eine CH-47, und sogar zwölf in eine C-130. Das Fahrzeug wurde für logistische Zwecke und als Artillerieschlepper konzipiert, um beispielsweise die 105 mm L118 Light Gun zu ziehen. Als Vorgänger gilt das Quatripole Q-150D Fahrzeug. Der EINSA Falcata MM-1A Mk2-Demonstrator wurde erstmalig auf der FEINDEF 2021 in Madrid gezeigt. Als größeres Fahrzeug bietet der Hersteller den NETON an. Letzterer ist bei den spanischen Spezialeinheiten in Nutzung.

Das Fahrzeug geht auf Fähigkeitsforderung aus dem Jahr 2013 zurück. 2015 folgte die Beauftragung zur Entwicklung. Das Fahrzeug hat ein minimalistisches Karosseriedesign und ist im Grunde eine Frachtpritsche, die groß genug ist, um hinter dem Zwei-Mann-Fahrerbereich eine NATO-Nachschubpalette aufzunehmen. In die Ladefläche sind zwei Rollenreihen eingelassen, und die Bordwände können an den Seiten der Ladefläche befestigt werden, um diese zu vergrößern oder das Be- und Entladen von Paletten zu ermöglichen.

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Die Bordwände können zur Vergrößerung der Ladefläche genutzt werden. (Foto: Andre Forkert)

Die mitgelieferte Winde kann zwischen Fahrer und Beifahrer platziert werden, um schwerere Lasten auf die Ladefläche zu ziehen. Bei Bedarf können auch zwei Tragen transportiert werden. Hinter dem Mannschaftsraum befindet sich ein röhrenförmiger Überrollbügel mit großem Durchmesser, davor eine leicht abnehmbare Windschutzscheibe. Darüber hinaus kann ein Schlechtwetterverdeck mit leichten Stofftüren angebracht werden.

Mittlerweile gibt es in der Fallschirmjägerbrigade unterschiedliche Varianten: Panzerabwehr, Funkfahrzeug/TOC, Führungsfahrzeug, Aufklärungsfahrzeug sowie Mörserträger. Hinzu kommt das Fahrzeug als Schlepper und Munitionsträger für das Artilleriegeschütz L118. Bei Swift Response war die Variante Panzerabwehr im Einsatz. Diese verfügt über eine abnehmbare Pfostenlafette, die schwere Waffen wie Maschinengewehre (7,62 x 51 mm oder .50 BMG), automatische 40-mm-Granatwerfer oder die Panzerabwehrrakete SPIKE LR aufnehmen kann. Laut Hersteller wurde auch eine Flugabwehrvariante mit einem Doppel-Mistral-Starter und seitlichen Staufächern hergestellt.

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Jedes Bataillon der spanischen Fallschirmjägerbrigade BIPAC verfügt über 40 bis 60 Fahrzeuge. (Foto: Andre Forkert)

Der Beifahrer verfügt ebenfalls über eine MG-Aufnahme. Vorne an der Kühlerhaube hat das Fahrzeug zwei überdimensionale Drahtschneider, die das Fahrzeug wie ein Texas Longhorn aussehen lassen. Das Leergewicht wird mit 2.000 kg angegeben, es ist 3.600 mm lang und 1.900 mm breit, und seine theoretische Höchstgeschwindigkeit auf der Straße beträgt 120 km/h. Die Reichweite soll bei 100 km liegen. Laut spanischen Soldaten wird ein Motor von Land Rover verwendet. Laut anderen Quellen soll ein Ford Duratorq DT224 Zwei-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor genutzt werden. Es sollen zwischen 40 und 60 Fahrzeuge pro Bataillon vorhanden sein.

Andre Forkert