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Das US-Unternehmen AeroVironment ist vom U.S. Army Contracting Command mit der Herstellung und Lieferung von Switchblade Loitering Munition im Wert von knapp 45 Millionen US-Dollar beauftragt worden, wie die Behörde Anfang der Woche mitteilte. Die Beschaffung erfolgt im Rahmen des Foreign Military Sale Program für den zukünftigen Nutzer Großbritannien.

Bei dem beschafften System handelt es sich offenbar um die Switchblade 300 Loitering Munition von AeroVironment. Im Zuge einer kürzlich erfolgten Bilanzpressekonferenz hat das in Kalifornien ansässige Unternehmen bekanntgegeben, dass man erstmalig eine Exportgenehmigung für das System erhalten habe. Die Switchblade 300 wurde bereits 2011 im Rahmen eines Rapid Fielding Program bei den US-Streitkräften eingeführt. Seitdem wurde das System mit mehreren tausend Stück beauftragt und in Afghanistan, Irak und auch Syrien eingesetzt.

Laut Hersteller ist die Switchblade 300 mit einem kompletten Systemgewicht von 2,5 kg inklusive Startgerät sowie einer Reichweite von 10 km, einer maximalen Flugzeit von 15 Minuten bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h, ein kompaktes Wirkmittel mit signifikanter Reichweite. Zusätzlich übermittelt die Switchblade 300 in Echtzeit Videodaten und die dazugehörigen Positionsdaten, um die Zielaufklärung auch deutlich außerhalb der direkten Sichtlinie zu ermöglichen. Die Wirkleistung des Gefechtskopfes wird gemäß Fachkreisen im Bereich einer 40-mm-Granate eingeschätzt.

Als Sensoren dienen stabilisierte Tageslicht- und Infrarot Kameras mit Blickwinkel nach vorn und zur Seite. Die Übertragung erfolgt per verschlüsseltem digitalen Datenlink mit einem intelligenten Frequenzmanagement, welches die Nutzung von mehreren Wirkmitteln auf engem Raum gleichzeitig zulässt. Zeitgleich ist durch die geringe Größe und stark reduzierte akustische und thermische Signatur eine Aufklärung und Abwehr der Switchblade 300 überaus schwierig. Durch die geringe Gesamtlänge von 66 cm kann das Wirkmittel zudem auch von einem Soldaten in seinem Rucksack mitgeführt und vollkommen unabhängig von Fahrzeugen zum Abschussort verbracht werden.

Eines der primären Motive für die Entwicklung der Switchblade 300 war es eine kostengünstige Lösung für den Einsatz gegen Punktziele wie schwere Maschinengewehre oder Mörser- bzw. Lenkflugkörperstellungen zu schaffen, um diese nicht mit teuren Wirkmitteln wie der FGM-148 Javelin bekämpfen zu müssen. Genaue Stückpreise der Switchblade sind öffentlich nicht bekannt, gut informierten Kreisen zufolge sollen die Systeme in einem fünfstelligen Bereich liegen.

Auch wenn der Stückpreis bei der aktuellen Beschaffung der britischen Streitkräfte nicht bekannt ist, kann davon ausgegangen werden, dass bei dem bekannten Auftragswert die bis April 2023 zu liefernde Menge an Systemen eine Verwendung nicht nur bei Spezialkräften, sondern vermutlich auch darüber hinaus erlaubt.

Kristóf Nagy