Schützenpanzer für Australien – Fortschritte in der Vergleichserprobung Lynx und Redback

Gerhard Heiming

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Ende 2020 haben die beiden ausgewählten Bieter, die deutsche Rheinmetall AG und die südkoreanische Hanwha Defense Systems, je drei Schützenpanzer an die australischen Streitkräfte abgeliefert. Seitdem werden die Lynx KF41 von Rheinmetall und die Redback von Hanwha im Rahmen der „Risk Mitigation Activity“ des Rüstungsprogramms Land 400 Phase 3 auf dem gesamten australischen Kontinent getestet.

Jedes Fahrzeug hat eine dreiköpfige Besatzung und kann sechs voll bewaffnete Infanteriesoldaten in den Kampf führen. Die Fahrzeuge sind so konzipiert, dass sie an der Seite der derzeitigen und künftigen Panzerflotte des Landes kämpfen können und entsprechend mobil sind.

Während der Tests werden die Systeme tropischem, subtropischem und gemäßigtem Klima mit heiß-trockenen, sandigen und heiß-feuchten sowie kühl-feuchten Bedingungen ausgesetzt. Temperaturen unter Null sowie Eis und Schnee kommen praktisch nicht vor. Das Testprogramm sieht die Überprüfung von Wirkung, Mobilität und Schutz im Vordergrund. Schießen mit Haupt- und Sekundärwaffen sowie Ansprengversuche gehören zu den spektakulären Einzelprüfungen. Aber auch die Eignung in Gefechtsszenarien und logistische Aspekte stehen auf der Prüfliste.

In einer Art Zwischenbericht hat das australische Verteidigungsministerium über den Stand der Testkampagne berichtet, allerdings, ohne Ergebnisse auch nur anzudeuten. Demnach sind die Ansprengversuche abgeschlossen, mit denen der Widerstand der Fahrzeuge gegen Beschuss, Minen und IED untersucht wurde – bis Level 6 nach STANAG 4569 sollen die Fahrzeuge bieten.

In taktischen Szenarien bei unterschiedlichem Wetter und Gelände wurden einzelne Fahrzeugfunktionen ebenso überprüft wie das Zusammenwirken von Besatzung und Fahrzeug bei taktischen Manövern, z.B. bei Vorstößen und Angriffen. Ein Höhepunkt war die Demonstration der Feuerkraft im Zusammenhang mit einer Gefechtsübung. Dabei feuerten beide Fahrzeuge ihre 30-mm-Hauptwaffenkanone sowie die koaxialen und ferngesteuerten 7,62-mm-Maschinengewehre ab und bekämpften Ziele in Entfernungen von 300 bis über 2.000 Meter. Um das Ausweichen nach dem Feuerkampf zu sichern, wurde von beiden Fahrzeugen multispektraler Nebel geschossen.

In einer Zusammenfassung erklärte Generalmajor David Coghlan, Leiter der Abteilung für gepanzerte Fahrzeuge der Capability Acquisition and Sustainment Group, dass beide Fahrzeuge mit ihrer Schutzausrüstung der nächsten Generation, der 30-mm-Kanone, den Panzerabwehrlenkraketen und der Fähigkeit, Hubschrauber und Drohnen zu bekämpfen, Fähigkeiten bieten, die es in den australischen Streitkräften bisher nicht gab. „Wir nähern uns rasch dem Ende der Risikominderungsmaßnahmen und der Vorlage der endgültigen Angebote der in die engere Wahl gekommenen Bieter. Wir werden dann eine abschließende Bewertung vornehmen, um den bevorzugten Bieter zu ermitteln“, so Coghlan weiter.

Im Rahmen des Rüstungsprogramms LAND 400 Phase 3 wollen die australischen Streitkräfte ihre seit Mitte der 1960er Jahre genutzten M113 durch einen modernen Schützenpanzer ersetzen. Etwa 450 Schützenpanzer sollen beschafft werden. Dafür ist ein Beschaffungsvolumen zwischen 15 und 23 Milliarden Euro vorgesehen. Beide Unternehmen haben sich für den Fall eines Erfolgs verpflichtet, den Großteil der Fahrzeuge in Australien zu bauen, wobei erhebliche Investitionen in australische Industriekapazitäten getätigt werden, um australische Arbeitsplätze, Talente und Technologien zu fördern.

Nach dem Abschlussbericht über die Erprobung soll 2022 eine Kaufentscheidung getroffen werden. Das australische Heer will 2024/25 eine Anfangsbefähigung (Initial Operating Capability – IOC) und bis 2030/31 die volle Befähigung (FOC) erreichen.

Gerhard Heiming