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Das indische Heer möchte im Rahmen einer Sofortbeschaffung ohne Ausschreibung 120 Drohnen des Typs SkyStriker des israelischen Hersteller Elbit einführen, wie indische Medien berichten. Die als Loitering Munition klassifizierten SkyStriker, umgangssprachlich auch als Kamikaze-Drohnn bekannt, sollen aus einheimischer Fertigung kommen und so schnell wie möglich den Streitkräften zur Verfügung stehen.

Das israelische Rüstungsunternehmen Elbit hatte bereits Anfang des Jahres ein Joint Venture mit dem indischen Hersteller Alpha Design Technologies Pvt Ltd (ADTL) unter der Bezeichnung Alpha Elsec gegründet. Angesiedelt ist die Unternehmung in Bangalore. Die im südindischen Bundesstaates Karnataka gelegene Stadt gilt als  Zentrum der indischen Hightech-Industrie. Eines der Produkte, welche durch Nutzung der bereits vorhandenen UAV-Produktionskapazitäten produziert werden sollen, ist die von Elbit entwickelte Drohne SkyStriker. Das kostengünstige und effektive Wirkmittel wurde im vergangenen Jahr durch den Einsatz im Krieg um Berg-Karabach auch der breiten Öffentlichkeit bekannt.

Herstellerangaben nach ist die SkyStriker sowohl mit 5 kg als auch 10 kg Gefechtsköpfen bestückbar. Die Verweildauer im Luftraum – nach einer Annäherung von 20 Kilometer innerhalb von zehn Minuten – beträgt eine bzw. zwei Stunden, je nach Gewicht des Gefechtskopfes. Die maximale Flugdistanz liegt laut Elbit bei etwa 550 km und die höchst mögliche Fluggeschwindigkeit bei 185 km/h. Eine Kombination aus optischen und optronischen Sensoren ermöglicht die Zielaufklärung und Identifikation. Um die enorme Reichweite ausnutzen zu können, verfügt das Wirkmittel über einen hohen Grad an Autonomie und ein leistungsfähiges Navigationssystem. Dabei ist die SkyStrike durch den elektronischen Antrieb überaus leise und hat insgesamt eine geringe Signatur in Bezug auf Radarrückstrahlfläche und thermische Detektierbarkeit. Die relativ kleine Loitering Munition erreicht im End-Anflug eine Spitzengeschwindigkeit von über 500 Km/h und ist somit überaus schwer zu bekämpfen, wie sich in Berg-Karabach gezeigt hat.

Der indischen Fachpresse ist zudem zu entnehmen, dass die zügige Beschaffung der Loitering Munition kein singuläres Ereignis, sondern eine Maßnahme in einer Reihe von Beschaffungen darstellt. So kauft zum Beispiel auch die indische Luftwaffe Drohnensysteme ohne Ausschreibung. Zurückzuführen ist die geradezu überstürzt wirkende Bestellung dieser Systeme vermutlich auf die zunehmend instabile Sicherheitslage, welche sich neben dem Dauerkonflikt mit Pakistan insbesondere durch die aufgeflammten Spannungen mit China und den Ereignissen in Afghanistan verschlechtert hat.

Kristóf Nagy