StartBewaffnungTARAC C: Mehr Reichweite für Anti-Material-Rifles und Granatmaschinenwaffen

TARAC C: Mehr Reichweite für Anti-Material-Rifles und Granatmaschinenwaffen

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Die 1MOA GmbH, deutscher Vertriebspartner des US-Herstellers Tacom HQ, hat angekündigt, auf der Enforce TAC 2022 das Tarac C, eine optische Vorrichtung für das präzise Schießen auf sehr weite Distanzen, erstmals in Europa vorzustellen. Das Tarac C wurde nach Aussage von Michael Gast, dem Geschäftsführer der 1MOA GmbH, vom Tacom-HQ-Firmengründer John Baker entwickelt, um präzise Schüsse auch auf Distanzen von 2.500 Metern und mehr zu ermöglichen.

Bei dem Tarac C handelt es sich um ein Vorsatzprisma, welches die Visierlinie einer Zieloptik in einem gewünschten Winkel brechen kann und somit Präzisionsschüsse jenseits der Entfernung erlaubt, die sonst durch die Höhenverstellung einer Optik sowie die Vorneigung begrenzt werden.

Nach Angaben von 1MOA kommen selbst moderne Scharfschützenoptiken, trotz ihres sehr großen Verstellbereichs in Kombination mit einer maximal sinnvollen Vorneigung der Montage bei Distanzen jenseits von 2.000 Metern sehr schnell an ihre Grenzen. Ältere, in den Streitkräften bereits seit Jahren oder Jahrzehnten genutzte Systeme, haben teilweise eine geringere effektive Kampfreichweite und das nicht, weil die Munition oder das Können des Schützen an Grenzen stößt. Limitierend wirkt vielmehr der Zielvorgang an sich, da der Verstellbereich der Optik auf diese Distanzen nicht mehr ausreicht, um die ballistische Flugbahn des Geschosses zu kompensieren. Schützen müssten in diesem Fall deutlich „über das Ziel halten“, um es überhaupt zu treffen. Eine präzise Bekämpfung ist somit aus zieltechnischen Gründen nicht möglich –  selbst wenn das Können des Schützen in Kombination mit der Zielgröße und der ballistischen Leistung der Patrone es theoretisch erlauben würden. So haben beispielsweise bei Anti-Material-Rifles übliche Kaliber –  wie das westliche .50 oder das im Osten verbreitete 14,5 mm × 114 – auch weit jenseits der 2.000 Meter noch genügend Energie, um eine adäquate Wirkung im Ziel zu erzielen.

Mittels der Nutzung des TARAC C als Vorsatzgerät zur bestehenden Optik wird durch das optische Brechen der Visierlinie ein zusätzlicher Verstellbereich erzeugt, der die theoretische Reichweite des Kalibers für geübte Schützen auch praktisch nutzbar werden lässt. So verweist das Unternehmen darauf, dass auf diese Weise ein Weitschussrekord auf 7.000 yards – umgerechnet rund 6.400 Meter – aufgestellt werden konnte.

„Dieser Umstand macht die Technologie sowohl für schwere Scharfschützenwaffen besonders interessant, da hier oftmals die Optiken die maximale Einsatzreichweite begrenzen“, sagt Michael Gast, Geschäftsführer der 1MOA GmbH, gegenüber Soldat & Technik. „Auch eine Nutzung der Technologie in Kombination mit Granatmaschinenwaffen, die eine besonders Steile ballistische Kurve haben, wäre denkbar.“ Der benötigte Brechwinkel lässt sich seinen Aussagen zufolge kundenspezifisch anfertigen. So könnte beispielsweise das in der Bundeswehr seit Jahren genutzte G82 recht einfach und kostengünstig im Kampfwert gesteigert werden.

Das Unternehmen hat darüber hinaus auch angekündigt, mit dem Tarac A und Tarac B noch zwei weitere Vorsatzprismen auf der Enforce TAC in Nürnberg zu zeigen. Das Tarac A ist für die Nutzung auf Sturmgewehren konzipiert und ermöglicht Gasts Aussagen zufolge in Kombinationen mit einfachen Rotpunkvisieren effektive Kampfentfernungen bis zu 600 Meter. Da Rotpunktvisiere üblicherweise für Kampfentfernungen von 50 bis 100 Metern justiert werden, müsste der Schütze ohne das Tarac A mehrere Zielbreiten über dem Ziel halten, um einen Treffer zu landen. Mit dem hochklappen des Tarac-A-Prismas wird die Visierlinie so gebrochen, dass der Schütze auch auf weite Distanzen zielgenau mit dem Rotpunkt zielen kann.

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Das Tarac A ist für die Nutzung auf Sturmgewehren konzipiert und soll in Kombinationen mit einfachen Rotpunkvisieren effektive Kampfentfernungen auf bis zu 600 Metern ermöglichen. (Foto: Tacom HQ)

Darüber hinaus lässt sich damit auch der Offsetbereich beim Schießen auf Nahdistanzen eliminieren. Als Offset wird der Höhenunterschied zwischen der Visierlinie der Optik und der Rohrseelenachse bezeichnet, der mehrere Zentimeter beträgt. Beim Schießen auf kurze Distanzen – im Raumkampf beispielsweise – müssen Schützen dies üblicherweise dadurch kompensieren, dass Sie mehrere Zentimeter über dem tatsächlich gewünschten Treffpunkt zielen.

Waldemar Geiger