StartMobilitätFernspäher: Die Augen und Ohren der Divisionsführung

Fernspäher: Die Augen und Ohren der Divisionsführung

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Die Bundeswehr hat zusammen mit internationalen Partnern kürzlich die Volltruppenübung Swift Response 2024 in Ungarn und Rumänien beendet. Dabei handelt es sich insgesamt – weitere Anteile ohne deutsche Beteiligung fanden im Baltikum, in Schweden und Polen statt – um die größte Luftlandung seit Ende des Kalten Krieges. Der Übungsanteil an der NATO-Südostflanke wurde durch die Division Schnelle Kräfte (DSK) in Stadtallendorf geführt. Insgesamt waren rund 4.500 Soldaten aus sechs Nationen beteiligt.

Eine kleine, aber exklusive Truppe stellten die Anteile der Fernspähkompanie 1 aus Schwarzenborn dar. Sie gehört ebenfalls zur DSK. Ihre Soldaten waren auf der Übung als Divisionsaufklärung eingesetzt und damit beauftragt, den Aufklärungsbedarf des Divisionskommandeurs Generalmajor Dirk Faust zu erfüllen. Die Aufklärung der Fernspäher war Voraussetzung für die den Ansatz der Kräfte der DSK.

Daher mussten sie Geländeabschnitte erkunden sowie Einrichtungen des Gegners beobachten und ihre Erkenntnisse und Beschreibungen an die Führung weitergeben. Die Fernspäher klärten im Schwerpunkt Feindkräfte und deren Verteidigungspotential auf, darunter vor allem Luftabwehrstellungen und weitreichende Artilleriesysteme.

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Fernspäher auf dem Luftlandefähigen Utility Terrain Vehicle von Polaris. (Foto: Carsten Thiel)

Herausfordernde Aufgaben

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Die größte Herausforderung im Späheinsatz liegt darin, als Aufklärungskräfte im feindbesetzten Raum unerkannt zu bleiben. Jeder Kontakt zur Zivilbevölkerung stellt für die kleine Gruppe und die Gesamtoperation eine Gefahr dar. Auch der dargestellte Feind, die sogenannte OPFOR (Opposing Force; deutsch: Oppositionskräfte), war bestens auf seinen Auftrag vorbereitet und ließ nur wenige Lücken in der eigenen Sicherung.

Hinzu kam, dass das Gelände vor Ort sehr anspruchsvoll war. Die Übung fand mitten in Siebenbürgen, nahe den Karpaten statt. Die Vegetation und die Eigenschaften des Terrains stellten die eingesetzten Trupps vor schwierige, teilweise neue Herausforderungen. Der Umgang mit so manchem Wildtier ist in Mitteleuropa ja fast schon unbekannt. In diesem Gebiet Rumäniens sind dagegen Wölfe und Bären die Regel.

Dennoch ist der Einsatz der Fernspäher unerlässlich. Die Aufklärung durch den Sensor Mensch ist auch in Zeiten von Drohnen und Satelliten unersetzlich. Zum einen kommen die technischen Aufklärungsmittel durch Gegenmaßnahmen des Feindes oder aus anderen Gründen an ihre Grenzen. Manchmal können sie den Einsatzraum auch nur kurz beobachten und analysieren, oder werden aus zu großer Entfernung eingesetzt, oder erreichen diesen erst gar nicht.

Andererseits generieren Fernspäher vor Ort Ergebnisse im Sinne des Auftrags und reagieren auf alles, was der Gesamtabsicht der eigenen Kräfte entgegensteht. Ein Fernspähtrupp sieht vor Ort, was wirklich da ist und was passiert. Er gewinnt einen Eindruck der Lage. Er erkennt, wenn sich feindliche Soldaten hektisch eingraben oder ruhig und konzentriert auf den gegnerischen Angriff vorbereiten. Der Spähtrupp lässt sich nicht täuschen. Technische Aufklärungsmittel stoßen spätestens hier an ihre Grenzen.

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Die Spähkräfte wurden im Dunkel der Nacht von Luftfahrzeugen abgesetzt. (Foto: Carsten Thiel)

Fortbewegung in allen Dimensionen

Fernspäher müssen kreativ auf das reagieren, was der jeweilige Einsatzraum und vor allem die Feindlage ihnen abverlangt. Daher stehen unterschiedliche Möglichkeiten zu Wasser, über Land oder aus der Luft zur Verfügung, um in den Einsatzraum zu verlegen. Fernspäher können zur sogenannten Infiltration alle Dimensionen zur Fortbewegung nutzen. Auf der Übung Swift Response wurden die Kräfte im militärischen Freifallsprung direkt aus der Forward Operating Base (FOB) in Ungarn aus eingesetzt.

Gedeckt durch tiefhängende Wolken und mitten in der dunklen Nacht Transsilvaniens erreichten die Soldaten ihre Landezone, um vor dort zu ihrem Auftrag anzutreten. Weitere Kräfte wurden mit ihren hochgeländegängigen Landfahrzeugen per Hubschraubern angelandet. Nach dem Verlassen des Luftfahrzeuges mussten diese Soldaten ihren zugewiesenen Raum gedeckt durch Täler und Geländeschnitte erreichen. Hierbei kam unter anderem auch das Luftlandefähige Utility Terrain Vehicle (UTV) zum Einsatz, wie auch Motorräder.

Das UTV ist ein geländetaugliches Fahrzeug, das speziell dafür ausgelegt ist, per Lufttransport schnell in Einsatzgebiete verbracht zu werden. Diese Fahrzeuge sind besonders wertvoll für militärische Operationen von leichten Kräften, weil sie in den Punkten Transportfähigkeit, Geländegängigkeit und Vielseitigkeit das Portfolio nicht nur der Fernspäher ergänzt haben. Das UTV wird in mehreren Verbänden der DSK, wie z.B. den Fallschirmjägern und beim Kommando Spezialkräfte, genutzt. Im zivilen Bereich wird es als MRZR D4 des US-Herstellers Polaris bezeichnet.

 Andre Forkert