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Die Bundeswehr beabsichtigt, die Befähigung zur Durchführung von militärischen Operationen zu allen Tageszeiten und unter jeglichen Sichtbedingungen auszubauen. Um dies zu erreichen, soll der Gesamtbestand der Bundeswehr-Nachtsichtbrillen weiter erhöht werden.

Am gestrigen Mittwoch wurde dazu die so genannte 25-Mio-Vorlage „Bildverstärkerbrille, querschnittlich“ durch die entsprechenden Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung gebilligt. Damit kann die Bundeswehr ein erstes Los von insgesamt 5.000 Sätzen der Nachtsicht-Brille beschaffen. „Sofern weitere Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden können, bietet der Vertrag die Möglichkeit, bis zu 20.000 weitere Bildverstärkerbrillen als Option abzurufen“, so eine Mitteilung des Bundesministerium für Verteidigung (BMVg).

Dem Vernehmen nach soll es sich bei der Brille um die binokulare Nachtsehbrille des Herstellers Theon Systems handeln. Unklar ist derzeit noch ob es sich bei der Brille um die Nyx oder die Mikron handelt. Die Bundeswehr hat die Nyx bereits seit geraumer Zeit in zwei Versionen, als Kraftfahrerbrille bzw. „Nachtsehbrille Stereo Spezialkräfte“, in Nutzung. Die Mikron weist eine technische Ähnlichkeit mit der Nyx auf, nutzt aber zwei 16-mm-Restlichtverstärkeröhren im Vergleich zu den 18-mm-Röhren der Nyx. Das Unternehmen wollte zum dem Sachverhalt keine Stellung nehmen.

Neben den 5.000 Brillen sollen 1.789 Ergänzungssätze eines Kopftragesystems beschafft werden. Dabei handelt es sich S&T Informationen zufolge um Vorrichtungen, die das Tragen von Nachtsichtbrillen – in diesem Fall der bereits vor wenigen Jahren eingeführten Kraftfahrerbrille (Model Nyx von Theon Sensors) – ohne den Gefechtshelm ermöglichen. Die Beschaffung soll über die internationale Rüstungsagentur OCCAR abgewickelt werden.

Die Theon Nachtsichtbrillen Nyx (links) und Mikron (rechts) im direkten Bildvergleich. (Foto: Theon Sensors)

Das BMVg hat im letztjährigen Rüstungsbericht bekanntgegeben, dass die Bundeswehr in Kooperation mit dem NATO-Partner Belgien in einem ersten Schritt 5.000 dieser Brillen zu beschaffen beabsichtigt, um damit die für die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) 2023 vorgesehenen Kräfte auszurüsten. Gemäß BMVg ist eine Auslieferung für 2022 vorgesehen.

Dem Vernehmen nach hat diese Ausschreibung für großes Interesse bei der europäischen Industrie gesorgt, da mit weiteren Beschaffungslosen gerechnet werden kann. Alleine die Bundeswehr hat einen gebilligten Gesamtbedarf von rund 40.000 „Bildverstärkerbrillen, querschnittlich“. Darüber hinaus ist nicht auszuschließen, dass sich weitere NATO-Partner dem OCCAR-Programm anschließen könnten, wie es beispielsweise beim GTK Boxer der Fall war.

Waldemar Geiger