Print Friendly, PDF & Email

Am 30.04.1981 reicht der damals 51 Jahre alte Gaston Glock das finale Patent für eine Selbstladepistole ein, welches von da aus als Glock 17 ihren internationalen Siegeszug antrat. Von den insgesamt 50 Patenten die Glock im Laufe seines Lebens einreichte, war dieses zweifelsohne das bedeutendste Patent.

Am 10.9.1985 folgte dann die Eintragung im US Patent Register unter der Nummer 4,539,889. Fast zeitgleich hatte das Unternehmen seinen Sitz in Smyrna, im US-Bundestaat Georgia bezogen und damit den Grundstein für den kommerziellen Erfolg auf dem wichtigsten Pistolenmarkt der Welt gelegt.

Entwicklungsgeschichte

Die Geburtsstunde der wohl weltweit erfolgreichsten und inzwischen in der fünften Generation befindlichen Kurzwaffenfamilie schlug Ende der 1970er Jahre. Der österreichische Erfinder, Kunststoffspezialist und Unternehmer Gaston Glock (*1929) stand als Ausrüstungslieferant des österreichischen Bundesheeres in engem Austausch mit den Beschaffungsbehörden.

Seit 1963 belieferte er die Streitkräfte seiner Heimat, die unter anderem Maschinengewehr-Gurtglieder, Handgranaten-Übungswurfkörper und das weltbekannte Feldmesser 78 bei seiner Firma bezogen. Dank des engen Austausches mit führenden Offizieren und Beamten erfuhr Glock auch von dem Ansinnen der Armee der Alpenrepublik, ihre Handwaffenpalette zu modernisieren. Dabei setzte sie vermehrt auf die Verwendung von Kunststoffen. In diesem Zusammenhang verlangte das Bundesheer nach einer modernen Pistole – Projektname „P80“.

Die Glock 17 in der Version P80 des österreichischen Bundesheeres. Inzwischen sind diese Waffen alle auf den Standard der Generation 3 gebracht, sodass sie auch Laser-Licht-Module aufnehmen können. (Foto: Glock)

Gaston Glock erkannte, dass es nicht nur hinsichtlich der Werkstoffe, sondern auch der Einsatzgrundsätze bei Kurzwaffen Modernisierungsbedarf gab. Mit der seinerzeit aufkommenden Herausforderung des internationalen Terrorismus entwickelten Polizei, Sicherheitsbehörden und auch Streitkräfte ihre Ausrüstung und ihre Einsatztaktiken weiter. Spezialeinheiten wie die GSG 9 oder das Gendarmerie-Einsatzkommando Cobra wurden gebildet. In den USA propagierte Jeff Cooper das taktische Schießen mit der Gebrauchspistole. In Europa nahmen sich Siegfried F. Hübner und später auch David Th. Schiller (damals noch unter dem Alias Jan Boger) des einsatzorientierten Combat-Schießens an. Eine neue Kurzwaffengeneration musste konsequent auf die schnelle und sichere Einsatzbereitschaft ausgerichtet sein. Das bedeutet bis heute: Die Waffe muss sich fertiggeladen sicher führen, einfach bedienen sowie intuitiv auch unter Stress anwenden lassen – und das mit möglichst wenig Ausbildungsaufwand.

Glock entschloss sich also, nicht bloß eine Pistole nach dem Lastenheft des Bundesheeres zu entwickeln Er sammelte Informationen für praxistaugliche Pistolenentwürfe. Noch 1980 lagen die ersten Prototypen der Glock-Faustfeuerwaffe vor. Da diese auf dem 17. Zeichnungssatz der Firma beruhte, ergab sich hieraus die weltberühmte Bezeichnung: „Glock 17“. Nach weiteren Verbesserungen kam 1982 der Durchbruch. Aus intensiven Truppenerprobungen ging die Glock 17 als Testsiegerin hervor. Das Bundesheer orderte sie als Pistole 80. Weitere österreichische Exekutivorgane schlossen sich sehr bald an. Bereits 1985 gelang Glock als damaligem Seiteneinsteiger in der Waffenbranche der Durchbruch auf dem US-Markt. Der weltweite Siegeszug der neuen Dienstpistole begann.
Die seither in Details stetig weiterentwickelten Glock-Pistolen zeichnen sich bis heute durch zahlreiche konstante Kernmerkmale aus – sowohl was die Waffenhandhabung als auch was Werkstoffe und Konstruktion angeht.

Glock-Generationen

Der Markt unterteilt die seit 1982 gefertigten Serienmodelle der Glock-Pistolen in fünf Generationen. Glock selbst hat erst mit der Generation 4 diese Einteilung offiziell übernommen.

  • Generation 1 (1981 – 1988): Griffstück nur mit geringen Aufrauhungen
  • Generation 2 (1988-1997): Griffstück mit Noppen vorne und hinten sowie vorne am Abzugsbügel
  • Generation 3 (1998 – heute): Fingerrillen vorne am Griff, integrierte Weaver-Schiene unter dem Lauf
  • Generation 4 (2009 – heute): Neues Checkering des Griffstücks, vergrößerter Magazinhalteknopf, austauschbare Griffrücke für unterschiedliche Handgrößen
  • Generation 5 (2017 – heute): Keine Fingermulden vorne am Griffstück, Verschlussfanghebel beidseitig, neuer Lauf (Glock Marksman Barrel), neue Oberflächenbeschichtung (nDLC-Finish).

Kristóf Nagy und Jan-Phillip Weisswange