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Bereits seit geraumer Zeit haben die slowenischen Streitkräfte Interesse am Erwerb des Gepanzerten Transportkraftfahrzeuges (GTK) Boxer. Den Besuch seiner deutschen Amtskollegin Annegret Kramp-Karrenbauer in der vergangenen Woche nutzte der slowenische Verteidigungsminister Matej Tonin dazu, sein Interesse an dem Fahrzeug zu bekräftigen und weitere Einzelheiten des Projektes zu verkünden, S&T berichtete.

In einem Gespräch sagte Tonin, dass es die Absicht seines Landes sei, die eigene Verteidigungsindustrie in einem möglichst großen Umfang zu beteiligen. Geplant ist demnach die Beschaffung von 45 Fahrzeugen, was einem Bataillonsäquivalent entspräche. Eine Option in ähnlichem Umfang soll dem Vernehmen nach ebenfalls Vertragsbestandteil werden.

Bereits 2018 hatte Slowenien eine Beschaffung des Boxers über die europäische Rüstungsagentur OCCAR angestrebt. Damals waren 45 – einige Quellen sprechen auch von 48 – Fahrzeuge vorgesehen, in einer Konfiguration, die der Litauens ähnelt. Litauen hat für 385,6 Millionen Euro insgesamt 88 Boxer, 84 davon mit einem unbemannten 30-mm-Turm, beschafft.

Es ist davon auszugehen, dass Slowenien als EU-Land und NATO-Partner die Beschaffung auch diesmal über die OCCAR abwickeln möchte. Bereits 2018 waren die Verhandlungen mit Slowenien zu Beschaffung von GTK Boxer weit gediehen, wurden aber Anfang 2019 mit Verweis auf eine fehlende taktische Studie gestoppt. Auch der Beitritt Sloweniens zur OCCAR, die das Boxer-Programm für die Bedarfsträger koordiniert, stand kurz bevor.

Beteiligung der slowenischen Industrie

Gegenwärtig ist noch nicht bekannt, wie die Forderung des Verteidigungsministers nach einer möglichst großen nationalen Industriebeteiligung genau zu verstehen ist. Auf den ersten Blick könnten damit neben der Übernahme der logistischen Betreuung auch die Lieferung von Komponenten verstanden werden. Denn bedingt durch seine Aufteilung in Fahr- und Missionsmodul bietet der Boxer eine gute Ausgangsbasis für die Nutzung unterschiedlicher Konfigurationen, was die große Typenvielfalt der Boxer mit unterschiedlichen 30-mm-Türmen anschaulich verdeutlicht.

Bereits heute sind unterschiedlich Turmlösungen verfügbar oder schon teilweise in die Streitkräfte eingeführt:

Sollte mit Beteiligung der nationalen Industrie tatsächlich eine Forderung nach einer nationalen Wertschöpfung gemeint sein, könnte die Typenvielfalt nochmal zunehmen. Der S&T vorliegenden Informationen zufolge bietet ein aus sieben slowenischen Unternehmen gebildetes Industriekonsortium, angeführt durch Valhalla, einen unbemannten Turm vom Typ Mangart 300 an.

Valhalla hat erst kürzlich auch in Deutschland auf sich aufmerksam gemacht. Die slowenische Turmschmiede steuert den Turm für den Demonstrator des Luftbeweglichen Waffenträger (LuWa) des deutschen Heeres bei.

Mangart 300

Der Name Mangart ist eine Reminiszenz an einen der höchsten Berge der Julischen Alpen und eines der Wahrzeichen Sloweniens. Gut unterrichteten Kreisen zufolge befindet sich das Projekt in intensiver Entwicklung und laut Plan soll der voll funktionsfähige Vorserienturm während der Eurosatory im Juni 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Als Hauptbewaffnung dient eine Bushmaster- Bordmaschinenkanone NG XM813 im Kaliber 30 x 173 mm sowie ein koaxiales Maschinengewehr des Typs FN MAG im Kaliber 7,62 x 51 mm. Die Maße des rund 1,7 Tonnen schweren Turms betragen 2.300 x 2.000 x 790 (L/B/H). Die Kanone soll einen Elevationsbereich von +60° bis -15° erreichen. Der Turm kann Fachkreisen zufolge eine Kampfbeladung von 230 Patronen im Kaliber 30 mm sowie 1.250 MG-Patronen mitführen. Dem Vernehmen nach wird seitens der slowenischen Streitkräfte kein Lenkflugkörper für einen Boxer-Turm gefordert. Nichtsdestotrotz ist offenbar eine Nachrüstung im Turmkonzept berücksichtigt – und die Aufnahme einer entsprechenden Abschusseinrichtung vorbereitet.

André Forkert