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Die Bundeswehr hat die ersten zu Schützenden erfolgreich aus Afghanistan ausgeflogen, dies gab Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im deutschen Morgenfernsehen bekannt. Weitere Evakuierungsflüge sollen in Kürze erfolgen, Angaben der Verteidigungsministerin zufolge warte derzeit eine A400M der Bundeswehr auf dem Flughafen in Taschkent (Usbekistan) auf die Freigabe der US-Streitkräfte, Kabul anfliegen zu können.

Die Ministerin ordnete weiterhin die derzeit in der Kritik stehende geringe Anzahl der im ersten Flug evakuierten Personen ein. Demnach stand den deutschen Kräften am Flughafen nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung, so dass im ersten Flug nur diejenigen Personen mitgenommen werden konnten, die sich bereits am Flughafen befunden hatten.

Die Kontrolle über die eingehenden und ausgehenden Flugbewegungen obliegt mittlerweile den US-Streitkräften. Es zeichnet sich weiterhin ab, dass insbesondere in der chaotischen gestrigen Phase Start- und Landeslots einen erheblichen Flaschenhals dargestellt haben. Darüber hinaus scheinen die am Flughafen ausgebrochenen Tumulte mit dafür gesorgt zu haben, dass nicht alle zu evakuierenden Personen den Flughafen erreichen konnten. Die US-Streitkräfte mussten zwischenzeitlich den Flughafen in Kabul schließen, nachdem die Start- und Landebahn durch panisch fliehende Menschen überrannt wurde. Die Menschen haben versucht, sich an startende Flugzeuge zu hängen, mehrere Menschen kamen dabei ums Leben.

Alle Flugbewegungen wurden für einige Stunden eingestellt und konnten erst am späten Montagabend wieder aufgenommen werden. Dies hat dazu geführt, dass die erste deutsche A400M nach mehrstündigem Kreisen über Kabul unverrichteter Dinge in Richtung Taschkent abdrehen musste, nachdem der Sprit zu Neige gegangen ist. Die Bundeswehr hat offenbar die Strategie verfolgt, stetig eine Maschine im Kabuler Luftraum zu halten, um eine sich bietende Gelegenheit zur Landung sofort nutzen zu können. Dies ist der zweiten A400M gestern Abend geglückt. Diese konnte Sicherungskräfte vor Ort absetzen sowie zu evakuierende Personen ausfliegen.

Die Bundeswehr hält nach Abgaben der Verteidigungsministerin bis zu 600 Soldaten für die Evakuierungsoperation bereit. Neben drei Transportmaschinen des Typs A400M befindet sich derzeit auch eine A-310 der Luftwaffe in Taschkent. Eine der A400M steht in Taschkent in der MedEvac-Version bereit, um im Bedarfsfall auch Verletzte aus Kabul ausfliegen zu können. Darüber hinaus sind nach Bundeswehrangaben Fallschirmjäger, Sanitäter, Feldjäger sowie ein Air Mobile Protection Team der Luftwaffe in Taschkent beziehungsweise in Kabul im Einsatz, um die Evakuierungsoperation vor Ort vorzubereiten und durchzuführen.

Die Bundesregierung geht übereinstimmenden Medienberichten zufolge davon aus, dass der Flughafen in Kabul noch bis Ende August durch die US-Streitkräfte offengehalten werden wird. Dies bestätigen Äußerungen eines Sprechers des US-Verteidigungsministeriums gegenüber amerikanischen Pressevertretern. Dieser habe angekündigt, dass die USA den Plan verfolgt, über die nächsten beiden Wochen mehrere tausend Menschen täglich aus Kabul auszufliegen. Dies soll sowohl mit militärischen als auch zivilen Flugzeugen erfolgen.

Update #1: Die Lage auf dem Flughafen in Kabul hat sich nach Aussagen des Außenministers Heiko Maas stabilisiert. Es werden daher weitere Evakuierungsflüge im Laufe des Tages erwartet. „Die deutsche Botschaft hat daher eine erste Gruppe zu Evakuierender kontaktiert, um ihren Abflug zu ermöglichen“, so der Außenminister auf Twitter.

Update #2: Das Verteidigungsministerium (BMVg) bestätigte heute Mittag, dass mittlerweile eine zweite A400M in Kabul landen konnte. Das Ministerium bekräftige weiterhin auf Twitter: Die Lage in Kabul ist extrem unübersichtlich. „Es gilt nach wie vor: Wir fliegen solange wie möglich, so viele zu Schützende wie möglich aus Afghanistan aus.“

Update #3: Die zweite A400M befindet sich mittlerweile wieder auf dem Rückflug nach Taschkent, mit an Bord sind nach Angeben des Verteidigungsministeriums 125 zu evakuierende Personen. An Bord sind deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte sowie weitere zu Schützende“, teilt das BMVg auf Twitter mit.

Unsere weitere Berichterstattung zu dem Thema finden sie hier:

Militärische Evakuierung in Afghanistan: Zusammenfassung 2. Tag

Unsere vorherige Berichterstattung zu der militärischen Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan:

Waldemar Geiger