StartStreitkräfteSan Antonio: US-Spezialkräfte üben Zugriffe aus der Luft in urbanen Operationen

San Antonio: US-Spezialkräfte üben Zugriffe aus der Luft in urbanen Operationen

Jan-Phillipp Weisswange

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In den USA üben US-Spezialkräfte immer wieder außerhalb ihrer eigentlichen Kasernen und Einrichtungen – mitunter sogar mitten in Innenstädten. Solche Manöver bieten den Vorteil, dass sich die Üb-Truppe in neuen Umgebungen zurechtfinden muss, mit denen sie nicht schon vom täglichen Training an den heimischen Standorten bestens vertraut ist. Seit dem 8. und noch bis zum 12. August fungiert nun San Antonio, Texas zum Manövergebiet des US-Spezialkräftekommandos (USSOCOM). Auf dem Ausbildungsplan standen Zugriffsoperationen aus der Luft und Nahkampftraining. Insgesamt waren rund 100 Soldaten sowie ein Kontingent Spezialkräftehubschrauber – vier MH-6M Little Birds und ebenso viele MH-60M Black Hawk – beteiligt. Das Besondere: An zwei Übungstagen – dem 9. und dem 10. August – fand das Manöver in der Innenstadt von San Antonio statt.

US-Medienberichten zufolge informierte das San Antonio Police Department die Bevölkerung vor Übungsbeginn. Anwohner hätten sich auf Fluglärm durch Tiefflüge der Helikopter einzustellen. Zudem würde Manövermunition zum Einsatz kommen. Die Übungen würden täglich zwischen 18.00 Uhr Abends und 3.00 Uhr morgens stattfinden. Als eigentliches Angriffsziel der Üb-Truppe diente unter anderem das weiträumige Areal eines ehemaligen Autohauses. Dieses war natürlich ein abgesperrter Sicherheitsbereich und nicht zugänglich.

Aus dem veröffentlichten Material lassen sich interessante Rückschlüsse auf die Taktik ziehen. So bringen die US-Spezialkräfte zwei unterschiedliche Maschinentypen zum Einsatz.

In einem Durchgang bilden zwei Little Birds die erste Welle. Die kleinen wendigen „Swooper“ können jeweils vier Operators absetzen, die sich unmittelbar Zugang in das Gebäude verschaffen, noch bevor die Folgekräfte anlanden. Es folgen zwei Blackhawks, die offenbar 16 weitere Operators absetzen. Den Teams aus den jeweiligen Maschinen sind unterschiedliche Angriffsziele zugeordnet. So zieht ein Stick im vorderen und der andere im hinteren Teil der Szenerie unter, um dann den Auftrag weiter fortzusetzen.

Das Video zeigt, die Little Birds sind wendiger und schneller als die größeren Blackhawks und benötigen weniger Landefläche. Die Blackhawks wiederum sind luftbetankbar, bieten aber schon ohne diese Eigenschaft per se eine höhere Reichweite und natürlich mehr Zuladung. Hierdurch ist es möglich, mehr Personal und Ausrüstung zu verbringen. Zudem kann der Hubschrauber eine entsprechende Bewaffnung zur Nahunterstützung aufnehmen. Diese Aufgabe übernehmen aber in der Regel weitere Sicherungsmaschinen. Beide Hubschraubertypen werden durch 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne) eingesetzt. Das 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne), kurz 160th SOAR, auch als Night Stalkers bekannt, ist das Hubschrauber- und Drohnenregiment des U.S. Army Special Operations Command und bildet mit seinen speziell modifizierten Fluggeräten die Lufttransportkomponente der Spezialkräfte der US-Streitkräfte ab.

Eine Herausforderung in urbanen Operationen ist es, einen Landeplatz zu finden, der möglichst frei von Hindernissen ist. Dabei gilt es zu beachten, dass vermeintlich sichere Landeplätze unter gegnerischer Überwachung stehen können. Steht kein ausreichend großer Landeplatz zur Verfügung, können Kräfte auch im Fast Roping- oder Abseilverfahren abgesetzt werden. Um die Kräfte jedoch nach dem Auftrag wieder aufnehmen zu können, braucht es eine sichere Landezone in räumlicher Nähe. Ein Lösungsansatz ist es, die Swooper als „Taxis“ zu den größeren Maschinen einzusetzen.

Zurück nach San Antonio: US-Medien melden, dass die Polizei keine besorgten Anrufe wegen der Übung erhalten habe. Eine Anwohnerin postete in den sozialen Medien, dass die vibrierenden Rotoren eine Fensterscheibe zu Bruch gehen ließen. Sie empfahl ihrer Nachbarschaft, ausreichend Sicherheitsabstand zu halten.

Jan-Phillipp Weisswange