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Das Next Generation Squad Weapon (NGSW) Programm hatte letztes Jahr durch die Verschiebung einer Entscheidung von sich reden gemacht. Kurz nach dem Jahreswechsel kommt jedoch eine neue Dynamik in den Prozess. Die U.S. Army möchte mit dem NGSW-Programm Teile der M16-Familie durch eine NGSW-Rifle und das leichte MG M249 durch eine NGSW-Automatic Rifle ersetzen. Auch wenn die Entscheidung für das Gewehr noch aussteht, wurde in den letzten Tagen auf dem Sektor der Munition und vor allem der Optik Maßgebliches bekannt gegeben.

Selbst wenn der mediale Fokus im Rahmen des NGSW-Programms verständlicherweise auf der Auswahl der Waffe liegt, sollte nicht vergessen werden, dass es noch weitere und wichtige Komponenten des Systems gibt. So gab beispielsweise der US-Munitionshersteller Winchester am 3. Januar bekannt, dass die U.S. Army dem Munitionshersteller den Auftrag über die Entwicklung, Kapazitäts- und Produktionsplanung und Vorbereitung auf die (Vor-)Serienproduktion von Munition im Kaliber 6,8 mm x 51 im Wert von 20 Millionen US-Dollar erteilt hat. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für den Betrieb der Waffen bereits vor der finalen Entscheidung sichergestellt. Als Standort für die Investition nannte der Geschäftsführer von Winchester Brett Flaugher das mit reicher Vergangenheit gesegnete Lake City Army Ammunition Plant, welches erst im Oktober 2020 von der Army an Winchester übergeben wurde. Indes ist wegen der noch ausstehenden Entscheidung unklar, welche Munitionssorte gefertigt werden wird. Sowohl die Munition mit der reinen Polymerhülse von True Velocity als auch die hybride Metallpatronenmunition von SIG Sauer sind noch im Rennen. Das Unternehmen Textron war mit einer teleskopierten Munition angetreten, nimmt an der Ausschreibung jedoch nicht mehr Teil.

Die Entscheidung im Bereich der Optronik hat einen noch deutlicheren Einfluss auf das Programm. Unter der Bezeichnung Next Generation Squad Weapon Fire Control (NGSW-FC) System ist laut dem Cross Functional Team Soldier Lethality ein robustes Feuerleitsystem gemeint, welches fortschrittliche Technologien integriert. Gefordert wird eine Optik mit variabler Vergrößerung, einen integrierten Laserentfernungsmesser samt Umweltsensorik, welche den ballistischen Rechner speisen, einen Kompass, sichtbare und infrarote Ziellaser, sowie ein digitales Display-Overlay. Zudem muss die Möglichkeit zur drahtlosen Verbindung mit der Recheneinheit des Systems Soldat, beziehungsweise der ebenfalls unter Verzögerungen leidenden Multifunktions-Datenbrill IVAS möglich sein. Vortex Optics konnte sich hier laut Bekanntmachung der Vergabestelle gegen das von L3Harris angebotene System durchsetzen und erhält nun den Auftrag bis zu 250.000 Stück des als XM157 bezeichneten Systems zu liefern. Der Rahmenvertrag mit einem Mindestwert von 20 Millionen US-Dollar und einem Maximalwert von 2,7 Milliarden US-Dollar ist auf zehn Jahre angelegt. Bei der XM157-Optronik handelt es sich um eine Kombination aus einem variablem 1-8×30 Glas mit einem Sensorikpaket, Laserentfernungsmesser und Ballistikcomputer, welches die Ersttrefferwahrscheinlichkeit der Schützen gegenüber klassischen Optiken deutlich steigern soll.

Die Bekanntgabe des Gewinners im Optiksegment zeigt klar die Verzögerungen im NGSW-Programm auf. Ursprünglich war mit einer Entscheidung im Sommer 2021 gerechnet worden. Beobachter sehen sich insbesondere auch durch den Beginn der Vorbereitungen für eine Serienfertigung der Munition in ihrer Annahme bestärkt, dass mit einer finalen Entscheidung für einen der beiden Anbieter durch das US-Heer bis zum Sommer gerechnet werden kann.

Kristóf Nagy