StartBewaffnungSaab zeigt Carl-Gustaf-Panzerabwehrwaffe mit erweiterten Fähigkeiten

Saab zeigt Carl-Gustaf-Panzerabwehrwaffe mit erweiterten Fähigkeiten

Lars Hoffmann

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Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat die schultergestützte Panzerabwehr- und Multirollenwaffe Carl-Gustaf mit neuer Feuerleittechnik und programmierbarer Munition modernisiert, um ihr Einsatzspektrum zu erweitern. Vorgestellt wurde die Neuentwicklung potenziellen Kunden aus rund 30 Ländern erstmals bei einem zweitätigen Live-Schießen am Dienstag und Mittwoch dieser Woche in der Nähe der schwedischen Stadt Örebro.

Neu an der jüngsten Version der Carl-Gustaf M4 sind drei Komponenten: Ein Feuerleitrechner, das Fire Control Device (FCD) 558, eine Zieloptik bestehend aus Komponenten von Hensoldt und Aimpoint sowie die programmierbare High-Explosive (HE)-Munition mit der Bezeichnung HE 448. Laut Hersteller Saab kann die HE448 mit dem Feuerleitrechner mittels eines neuen Protokolls mit der Bezeichnung Firebolt kommunizieren. Dabei leitet die Munition unter anderem Daten zum Munitionstyp und zur Temperatur des Treibmittels weiter. Das FCD berechnet dann hieraus und der Entfernung zum Ziel die beste Schussbahn. Zünd-Modi für die neue Munition sind Saab-Angaben zufolge Aufschlag, Verzögerung oder Luftsprengung.

Laut Hersteller kann das FCD 558 auch mit der bereits eingeführten Munitionspalette für die Waffe genutzt werden. Für den Nachtkampf kann beispielsweise eine entsprechende Vorsatzoptik von Theon aufgesetzt werden.

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Gezeigt wurde der Einsatz der neuen Kombination unter anderem bei Bekämpfung von Infanterie-Zielen. Die Ladung wurde direkt über dem Ziel ausgelöst und wirkte mit seinen Splittern gegen den imaginären Gegner. Eingesetzt wurde die M4 mit HEAT-Munition auch gegen einen Panzer des Typs T-72.

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Nach Angaben des Unternehmens ist die neue Basis-Version der Carl-Gustaf M4 fertigentwickelt und kann von Kunden geordert werden. Im Dezember vergangenen Jahres hatten die schwedischen Streitkräfte Saab als erster Kunde mit der Lieferung der HE-448-Munition und dem FCD 558 beauftragt. Am Donnerstag teilte Saab außerdem mit, dass auch Dänemark das neue Waffensystem bestellt habe.

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Carl-Gustaf M4 mit der FCD 558 Optik sowie einem Thermis II MR Thermlavorsatzgerät. (Foto: Saab)

Laut Hersteller weist die neue HE 448 gegenüber der Vorgänger-Munition des Typs HE 441 nicht nur eine größere Reichweite von 1.200 Metern und ein geringeres Gewicht auf, sondern verfüge über mehr Fragmente, wodurch eine Fläche von etwa 400 Quadratmetern abgedeckt werde. Außerdem wurde die Sprengwirkung gegenüber der HE 441 erhöht.

Neben der neuen Standard-Optik von Hensoldt mit einer vierfachen Vergrößerung sowie einem Aimpoint-Leuchtpunktvisier können Kunden in Zukunft auch Optroniken auswählen. Hierzu entwickelt der finnische Anbieter Senop ein integriertes Tageslicht-Thermalsichtgerät mit der Bezeichnung AFCD TI. Laut Senop ist die finale Qualifikation des 1,5 kg schweren Gerätes zusammen mit Saab im ersten Quartal kommenden Jahres vorgesehen. Die Feuerleitlösung soll die Ersttreffer-Wahrscheinlichkeit gegen statische und bewegliche Ziele deutlich steigern.

Außerdem arbeitet der schwedische Optik-Spezialist Aimpoint an einer Zielhilfe mit der Bezeichnung FCS 14 RE. Diese kann laut Hersteller auch für andere Waffen, wie einen 40-mm-Granatmaschinenwerfer, eine 12,7-mm-MG oder eine 20-mm-Maschinenkanone genutzt werden. Aimpoint hat angekündigt, die Optik einem breiten Publikum erstmals auf der Eurosatory vorstellen zu wollen. Das Sichtmittel verfügt laut Hersteller über einen ballistischen Rechner, der mehr als 50 Munitionssorten identifizieren kann. Die Optik erhöhe die Zielgenauigkeit gerade bei der Bekämpfung sich bewegender Ziele erheblich und wiege lediglich 1,5 kg. Wird ein Nachtsichtgerät dazugeschaltet steigt das Gewicht auf 2 kg.

Neben der Carl-Gustaf demonstrierte Saab auch mehrere Versionen der schultergestützten Wegwerfwaffe AT-4, die in großen Stückzahlen von befreundeten Nationen an die Streitkräfte der Ukraine geliefert wurde, im scharfen Schuss. Je nach Ausführung konnten mit dieser weniger als zehn kg wiegenden Waffe gepanzerte oder Infanterieziele bekämpft werden. Überdies kann die AT-4 auch gegen Bunker oder zum Öffnen von Breschen zum Einsatz kommen.

Im Augenblick steht jedoch eine andere Waffe von Saab im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Das für die Panzerabwehr optimierte Panzerabwehrsystem NLAW, mit dem in der Ukraine ein große Anzahl russischer Panzer vernichtet wurde. Bei einem Gewicht von weniger als 13 kg kann mit der NLAW laut Hersteller ein einzelner Soldat Panzerfahrzeuge im Reichweitenband von 20 bis 800 Metern bekämpfen. Die ballistisch fliegende Rakete überfliegt entweder den Panzer und löst die Ladung über dem Turm aus oder kann im Direct-Attack-Modus gegen schwächer geschützte Fahrzeuge eingesetzt werden. Die ersten Kunden dieses Systems waren Schweden und Großbritannien. Saab zufolge befindet sich die NLAW weiter in Produktion, offenbar für die Schweiz.

Produziert werden die schultergestützten Waffen von der Saab-Sparte Dynamics, die für etwa ein Fünftel des Konzern-Umsatzes steht und ihren Hauptsitz in Karlskoga hat. Nach Aussage von Görgen Johansson, der die Sparte führt, ist ihr Geschäft in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und weist gegenwärtig ein Ordervolumen von rund 2,6 Jahren auf. Johansson kündigte an, noch mehr in Forschung & Entwicklung zu investieren und die Produktion auszubauen. Dazu will das Unternehmen hunderte von Ingenieuren einstellen. Saab habe den Vorteil, dass die meisten Zulieferer regional in Schweden oder bei „sehr guten“ Verbündeten angesiedelt seien, sagte Johansson. Da rund 80 Prozent der Komponenten extern eingekauft werden, offenbar ein wichtiger Punkt.

Lars Hoffmann