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Die neuseeländische Hirtenberger Defence Technology Ltd. (HDT), eine Tochter der seit Ende 2019 im ungarischen Staatsbesitz befindlichen Hirtenberger Defence Europe GmbH aus Österreich, hat jüngst weiterführende Tests des SOF-Fire Ballistic Calculator durchgeführt.

Bei dem SOF-Fire Ballistic Calculator, auf Deutsch Feuerleitrechner für Spezialkräfte, handelt es sich um eine kompakte Feuerleitlösung, die HDT gemäß speziellen Anforderungen der neuseeländischen Streitkräfte entwickelt hat. Das System kombiniert mehrere Funktionen in einem gehärteten handgehaltenen Rechner.

SOF-Fire Ballistic Calculator

Der SOF-Fire Ballistic Calculator (SOF-Fire) wurde in Zusammenarbeit mit Spezialkräften zur Unterstützung ihrer Mörser entwickelt. Da Spezialkräfte in Teams mit einem kleinen Personalansatz operieren, müssen Spezialkräftesoldaten mehrere Aufgaben in Nebenfunktion wahrnehmen, die üblicherweise durch eigens dafür ausgebildete Spezialisten wahrgenommen werden würden. Die neuseeländischen Spezialkräfte verlangten nach einem einfach zu bedienenden ballistischen Rechner, der ohne den großen Schulungsaufwand eines vollständigen Feuerleitsystems genutzt werden kann.

Bis dato erfolgte der Einsatz des SAS-Mörsers ausschließlich im direkten Richten. Der Zielvorgang erfolgte mittels des Waffenperiskops (C2A1), während für die ballistische Berechnung einfache Schießtafeln genutzt wurden. Die Nutzung des SOF-Fire Ballistic Calculator bietet nun mehrere Vorteile:

  • Schnelle Zielauffassung und Bekämpfung des Feindes aus Deckungen heraus (außerhalb der direkten Schusslinie des Feindes)
  • Effektivere Nutzung der begrenzten Munition (dank erhöhter Genauigkeit)
  • Effektive Zielbekämpfung auch bei Nacht (C2A1 ist nur eine Tagesoptik)
  • Keine signifikante Erhöhung der Ausbildungsbelastung

Der SOF-Fire verfügt über ein internes GPS, eine lange Batteriereichweite und kann mit einem Zielortungsgerät/Laserentfernungsmesser sowie einem Kestrel-Sensor (Ballistik-Wettermesser) verbunden werden, um die lokalen meteorologischen Bedingungen zu ermitteln und so die Genauigkeit zu erhöhen.

Die Software verfügt über Schnellzugriffstasten für folgende Befehle der Feuerordnung:

  • Zerschlagen mit Spreng,
  • Nebel im Ziel,
  • Einen Bereich beleuchten,
  • Ein Leuchtsignal (IR oder sichtbar) als Markierung für die Luftnahunterstützung (Close Air Support; CAS) auf den Boden platzieren.

Die Korrekturkommandos können per Hand oder Datenfunk direkt über das Zielortungsgerät, beispielsweise durch Nutzung des Haltepunktverfahrens, erfolgen.

SOF-Fire Ballistic Calculator für die Infanterie

Obwohl das System speziell für die Bedürfnisse von Spezialkräften entwickelt wurde, hat das System auch in der Infanterie eine Daseinsberechtigung. Dies konnte der SOF-Fire jüngst in Neuseeland unter Beweis stellen.

Im Rahmen einer in der 37. Kalenderwoche durchgeführten Schießkampagne der neuseeländischen Streitkräfte, bei der Soldaten des Royal New Zealand Infantry Regiment (1 RNZIR) an dem neuen 60-mm-Mörser der neuseeländischen Streitkräfte qualifiziert wurden, waren Vertreter von HDT vor Ort, um die Leistungsfähigkeit der erst kürzlich ausgelieferten Mörsersysteme und Munition zu überprüfen. Während des im scharfen Schuss durchgeführten Ausbildungsabschnitts haben die HDT-Vertreter die Gelegenheit genutzt, den neuen SOF-Fire Ballistic Calculator parallel einzusetzen und ein Feedback der Soldaten zu erhalten. Ian Garnett, Geschäftsführer von HDT, zeigte sich erfreut über das Feedback aus erster Hand und versprach, die Vorschläge schnellstmöglich in den SOF-Fire umsetzen zu wollen. Die Software ist Garnetts Angaben nach so ausgelegt, dass Modifikationen sehr einfach umgesetzt und somit Produktverbesserungen sehr schnell realisiert werden können.

Der 60-mm-Mörser ist üblicherweise ein Waffensystem, das außerhalb der Streitkräftegemeinsamen Taktischen Feuerunterstützung (so auch die Absicht in der Bundeswehr) eingesetzt wird und Feuerunterstützung für die Zug- bzw. Kompanieebene liefert. Bei Nutzung des SOF-Fire Ballistic Calculator oder eines ähnlichen Systems könnte so auf eine Anbindung an separate Feuerleittrupps verzichtet werden, da der taktische Einsatz der „Zugmörser“ eh durch die zu unterstützende Infanterie bestimmt wird.

André Forkert