Bei den französischen Streitkräften löst derzeit der 6×6-Radpanzer EBRC Jaguar die aus den 1970er Jahren stammenden Vorgänger AMX-10 RC und ERC-90 Sagaie ab. Während diese für ihre Größe relativ stark mit 105- beziehungsweise 90-mm-Niederdruckkanonen bewaffnet waren, führt der Jaguar eine Kombination aus der 40-mm-Kanone CTAS mit Teleskopmunition und dem Panzerabwehrlenkflugkörper Akeron MP. Nun haben Mithersteller Arquus und der belgische Panzerturm-Produzent John Cockerill jedoch auf der Eurosatory 2026 die Ableitung Fenris mit dem 105-mm-Turm Cockerill 3105 präsentiert.
Der Fenris verwendet das Jaguar-Fahrgestell aus geschweißtem Aluminium mit 7,10 Meter Länge, 2,99 Meter Breite und 2,19 Meter Höhe, das in der Grundform nach STANAG 4569 Level 4 gegen panzerbrechende Geschosse Kaliber 14,5 x 114 mm geschützt ist. Das Anbringen modularer Zusatzpanzerung ist möglich. Mit dem neuen Turm steigt das Gesamtgewicht von 25 auf 26 Tonnen. Für den Antrieb sorgt weiterhin ein militarisierter Volvo D11 Sechszylinder-Dieselmotor mit 500 PS und automatischem Siebengang-Getriebe von ZF.

Fenris mit Cockerill-Turm für indirektes Feuer
Das Fahrzeug verfügt über eine dem Gelände anpassbare aktive Aufhängung und kann auf der Straße spritsparend mit 6×4-Antrieb fahren. Die 105-mm-Hauptwaffe ist eine echte Hochdruckkanone und verschießt NATO-kompatible Munition. Diese wird über einen Automatiklader mit 12 bis 16 Schuss im Bereitschaftsmagazin zugeführt. Als besonderes Merkmal des Zweimann-Turms beträgt der Höhenrichtbereich von -10 bis +42 Grad, so dass er auch für indirektes Feuer bis zu einer Entfernung von elf Kilometern eingesetzt werden kann.
Eben aus diesem Grund beschafft die Ukraine angeblich derzeit den Cockerill 3105 für ihre Leopard 1, da Kampfpanzer aufgrund der Bedingungen im Krieg mit Russland – insbesondere der allgegenwärtigen Drohnen – schon längere Zeit vorwiegend als mobile Artillerie zur Feuerunterstützung eingesetzt werden. Im direkten Richten wird eine Erstschuss-Trefferwahrscheinlichkeit von 95 Prozent auf zwei Kilometer Entfernung angegeben. Hierzu verfügt der Turm über identische stabilisierte Visiere für Kommandant und Richtschützen mit Tag- und Nachtsichtkanal sowie Hunter-Killer-Funktion.
Als Zweitwaffe, auch gegen Drohnen, verfügt der Turm beim Fenris über eine fernbediente Waffenstation Hornet mit einem 7,62-mm-Maschinengewehr FN MAG. Cockerill bietet darüber hinaus andere Optionen mit 12,7-mm-MG oder 40-mm-Granatmaschinenwaffe auf Drehzapfenmontierung oder als Koaxialwaffe sowie die Integration von Panzerabwehrlenkflugkörpern oder einem abstandsaktivem Schutzsystem. Eine Nebelwurfanlage mit acht Rohren kann mit einer Laserwarnanlage und einem akustischen System zur automatischen Schussdetektion verbunden werden.
Stefan Axel Boes












