StartBewaffnungKNDS stellt LORAS-Artilleriesystem mit 58 Kaliberlängen vor

KNDS stellt LORAS-Artilleriesystem mit 58 Kaliberlängen vor

Auf der diesjährigen Eurosatory in Paris hat KNDS eine neue Ausführung seines Artillery Gun Modules (AGM) unter dem Namen LORAS mit einer 155 mm/L58 Waffenanlage vorgestellt. LORAS steht für Long-Range Artillery System und wird in Paris auf einem Tracked-Boxer-Fahrgestell gezeigt. Das Rohr mit 58 statt wie bisher 52 Kaliberlängen soll die Schussweite bereits mit Standardmunition von etwa 40 auf 60 Kilometer erhöhen, mit künftiger Präzisionsmunition sogar auf bis zu 100 Kilometer.

Die bisherigen Fähigkeiten des AGM einschließlich Feuer aus der Bewegung rundum, Multiple Round Simultaneous Impact (MRSI) und Hunter-Killer-Funktion zur Selbstverteidigung auch gegen bewegliche Ziele bleiben laut KNDS erhalten. Die Feuergeschwindigkeit der automatisch geladenen Waffenanlage liegt bei über acht Schuss pro Minute bei einem Bordmunitionsvorrat von 30 Geschossen und 144 modularen Treibladungen. Die Besatzung besteht aus lediglich zwei Mann im Fahrmodul.

LORAS bietet mehr Reichweite als RCH 155

Der Hersteller gibt das Gewicht in der gezeigten Konfiguration mit unter 45 Tonnen, die Länge über alles mit 11,5 und Breite sowie Höhe mit jeweils 3,5 Metern an. Ein Triebwerk mit bis zu 900 Kilowatt Leistung sorgt für eine Straßenhöchstgeschwindigkeit von 70 km/h bei bis zu 500 Kilometern Reichweite. Gegenüber der RCH 155 mit L52-Rohr auf Boxer beziehungsweise Donar auf Piranha 10 x 10 bietet die Kettenplattform für die schwerere L58-Anlage offensichtliche Vorteile in Punkto unabgestütztes Rundum-Richten auch aus der Fahrt sowie Geländegängigkeit.

Währenddessen stellte Rheinmetall auf der Eurosatory eine eigene Waffenanlage Kaliber 155 mm/L60 vor. Diese ist nach Unternehmensangaben 9,3 Meter lang und wiegt 2,5 Tonnen. Bereits im Januar 2025 seien erfolgreiche Tests mit einem maximalen Schussdruck von über 600 MPa abgeschlossen, die Entwicklung und Erprobung seither kontinuierlich fortgesetzt worden, wobei Mündungsgeschwindigkeiten von über 1.100 m/s erreicht worden seien. Die erste Schießvorführung soll noch 2026 erfolgen. Rheinmetall verspricht gegenüber einem L52-Rohr eine um rund 30 Prozent höhere Schussweite.

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Die höhere Schussweiten ermöglichen nicht nur ein besseres Wirken in die Tiefe des gegnerischen Raums, sondern im Zeitalter allgegenwärtiger Drohnen auch einen größeren Abstand von der eigentlichen Kampfzone. Auch die USA hatten in ihrem Programm Extended Range Cannon Artillery (ECRA) ein mobiles Artilleriesystem mit L58-Rohr entwickelt. Das Projekt wurde jedoch 2024 aufgrund exzessiver Rohrabnutzung eingestellt. KNDS und Rheinmetall scheinen dagegen zuversichtlich, dieses Problem zu vermeiden.

Stefan Axel Boes