StartStreitkräfteUkrainekrieg: Schlacht um die Krim, Angriffsziel Tankstelle

Ukrainekrieg: Schlacht um die Krim, Angriffsziel Tankstelle

Im Ukrainekrieg rückt die bereits 2014 von Russland besetzte und annektierte Halbinsel Krim in den Fokus. Nachdem die Drohnenkampagne der Ukraine im Mittelstreckenbereich während der vergangenen Monate schwerpunktmäßig russische Flugabwehreinrichtungen in diesem Bereich abgenutzt und anschließend die gegnerischen Versorgungswege über das Festland ins Visier genommen hatte, wurden zuletzt sogar einzelne Tankstellen Ziel solcher Angriffe. Da die von Russland nach der Annexion gebaute Brücke über die Straße von Kertsch bereits seit längerem aus Sicherheitsgründen für Schwerlasttransporte gesperrt ist, schnitt ein kürzlicher Treffer auf die parallel operierende Fähre diese Verbindung praktisch komplett ab.

Zusätzlich zu den russlandweiten Kraftstoff-Versorgungsschwierigkeiten durch die strategische Kriegführung gegen die Ölindustrie des Landes hat dies die lokale Situation auf der Krim derart verschärft, dass am 21. Juni dort zivile Benzinverkäufe verboten wurden und Gouverneur Sergei Aksjonow am vergangenen Freitag den Ausnahmezustand verhängte. Auch die Stromversorgung leidet unter Ausfällen, was zu weitgehenden Einschränkungen im öffentlichen Leben führt. Reiseangebote zu dem beliebten Ferienziel wurden vielfach gestrichen, während Urlauber und Bewohner die Halbinsel zu verlassen versuchen.

Situation im Ukrainekrieg am 30.06.2026, 21:00 MESZ.
Situation im Süden der Ukraine am 30.06.2026, 21:00 MESZ. (Bild: Google Maps/Boes)

Druck auf die Krim, aber absehbar keine Truppen für Einnahme

Widersprüchliche Meldungen gibt es zur Situation auf der Kinburn-Landzunge im Nordwesten der Krim nahe der ukrainischen Hafenstadt Odessa, die in der Vergangenheit wiederholt Ziel öffentlichkeitswirksamer, aber letztlich erfolgloser kleiner Landungsunternehmen der Ukraine war. Letztere erklärte nun, dass diese von russischen Truppen wegen der unhaltbaren Position geräumt wurde. Russische Quellen widersprachen dem. Mittelfristiges Ziel der Ukraine dürfte sein, die fortdauernde Besetzung der Krim für Russland untragbar zu machen. Allerdings stehen absehbar keine ukrainischen Truppen zur Verfügung, um die Halbinsel tatsächlich von den Besatzern zu säubern und unter Kontrolle zu bringen.

Auch über die Krim hinaus führen die strategischen Angriffe der Ukraine zunehmend zu Benzinknappheiten, nach russischen Quellen teilweise durch Priorisierung der Versorgung des Großraums Moskau und Panikkäufe andernorts. Russland reagierte zuletzt seinerseits mit Drohnenattacken auf ukrainische Tankstellen. Derweil zeigt sich an der Front weiterhin ein Bild generellere Unsicherheit über die eindeutige Kontrolle von Gebieten in der Kampfzone am Boden, wobei russische Truppen aufgrund der Nachschubschwierigkeiten im Südwesten unter Druck stehen, während sie mit zunehmender Verkürzung der Versorgungswege eher Geländegewinne machen.

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Kontrolle von Gelände im Ukrainekrieg weiter vielfach unklar

So verloren sie am Ostrand des ehemaligen Kachowka-Stausees weitere Abschnitte, während die Situation an der Grenze der Oblaste Saporischschja und Dnipropetrowsk aufgrund der vor allem mit Drohnen und relativ geringer Personalstärke geführten Kämpfe besonders unklar ist. Hier meldete Russland zwei Vorstöße westlich von Huljajpole mit Einnahme mehrerer Ortschaften sowie einen nördlich davon Richtung Pokrowske. Dies wurde von ukrainischer Seite nicht bestätigt. Sehr unterschiedlich ist die Darstellung im Gebiet der ukrainischen Gegenoffensive im Süden Dnipropetrowsks vom Frühjahr.

Hier zeigen ukrainische Quellen weiterhin ein zusammenhängendes Gebiet unter eigener Kontrolle, während von russischer Seite nur isolierte umkämpfte Abschnitte gemeldet werden. Dies dürfte der weitgehend „unbelebten“ Natur der Front geschuldet sein, bei der verstreute und stark durch unbemannte Systeme versorgte Stellungen beider Seiten in vorwiegend durch Drohnen beherrschten Räumen breite Interpretationsmöglichkeiten über die „Kontrolle“ zulassen. Beide Seiten belegen diese vielfach durch Drohnenbilder einzelner Soldaten, die die jeweiligen Nationalflaggen in die Kameras halten.

Dies gilt auch im weiteren Verlauf der Front. In der lange umkämpften Festungsstadt Kostjantyniwka meldet Russland ein zunehmendes Vordringen seiner Truppen im Stadtgebiet und weitere Erfolge in Richtung Slowjansk sowie Sumy. Entlang der Grenze zu Belarus erreichte die Ukraine durch die Drohung mit Angriffen auf Relaisstationen für russische Drohnen offenbar deren Abschaltung, nachdem sie über längere Zeit Druck auf die Regierung in Minsk wegen deren Unterstützung für Russland aufgebaut und Truppen in das Grenzgebiet verlegt hatte.

Stefan Axel Boes