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Drei NATO-Staaten haben gemeinsam vom 26. Oktober bis 6. November in Dänemark eine Übung eines Befehls- und Führungselement für Spezialkräfte durchgeführt. An dieser Übung „Trojan Phoenix“ nahmen dänische, niederländische und belgische Spezialkräfte teil.

Die Übung war Teil der umfassenderen Bemühungen der drei Länder, ein Composite Special Operations Component Command (C-SOCC) aufzustellen. Die Planung dazu begann bereits Anfang 2017. Dieses Kommando soll 2021 einsatzbereit sein. Es wird der NATO im Rahmen der NATO Response Force (NRF) zur Verfügung gestellt.

Der Composite Special Operations Component Command (C-SOCC) ist ein temporär einsetzbares Befehls- und Führungselement (C2) für Special Operation Forces (SOF). Es wird die bestehenden nationalen Strukturen und Kapazitäten der drei Alliierten zusammenführen. Im Oktober 2019 hat das Kommando den Status IOC (Initial Operational Capability) erreicht. Die jetzige Übung diente der Zertifizierung. Im Dezember 2020 soll FOC (Full Operational Capability) gemeldet werden.

Ein Learjet der niederländische Firma AEC Skyline unterstützte die Übung. (Foto: AEC Skyline)

Unterstützt wurde die Übung durch die niederländische Firma AEC Skyline. Diese setzte ihre ISR-Lösung ein, die als Plattform einen Learjet nutzt. Für die Übung installierte AEC Skyline zusammen mit dem Partner Smart Delta eine Netzwerklösung, die die Lieferung eines ISR-Feeds an den Luftwaffenstützpunkt Aalborg ermöglichte. Dort befand sich das trinationale Air C2-Element der Truppe für Spezialoperationen. Genutzt wurde die Nutzlast mit EO/IR-Sensor und Video-Downlink des Learjet 36. So konnte der Full-Motion-Video-Feed von der Bodenkontrollstation des Unternehmens an die SOATG, die Exercise Control (EXCON) und das Tactical Operations Center verteilt werden. Das Tactical Operations Center führte die unterstützenden Luftfahrzeuge der U.S. Streitkräfte. Darüber hinaus setzte AEC Skyline seine aufblasbaren Ziele ein, die in Mittel- und Nordjütland sowie auf der Insel Bornholm zur Unterstützung der zahlreichen ISR- und DACAS-Szenarien (Digital Aided Close Air Support) der Übung zum Einsatz kamen.

Die unterstützenden US-Spezialeinheiten nutzten die Übung zu einer Aufklärungsausbildung. U.S. Air Force Special Tactics Operators des 352. Special Operations Wing führten diese vom Luftwaffenstützpunkt Aalborg in Dänemark aus durch. Die Ausbildung endete in einer kombinierten Bereitschaftsübung von Boden- und Luftkräften.

Die Spezialkräfte müssen sich den jeweiligen Einsatzbedingungen und geografischen Gegebenheiten in ganz Europa, ihrem Verantwortungsbereich, unmittelbar anpassen können. Die Sondereinheit der US-Luftwaffe umfasst die Einheiten der Special Operations Forces, die dem Air Force Special Operations Command in der U.S. Air Force zugeordnet sind. Die Hauptaufgabe ist die Durchführung globaler luft- und weltraumgestützter sowie cybergestützter Sondereinsätze im gesamten Konfliktspektrum.

NATO sucht nach regionalen SOF Kommandos

Um ihre Effektivität und Interoperabilität zu verbessern, richtet die NATO mehrere verlegefähige, temporäre Spezialeinsatzkommandos ein. Das oben erwähnte tri-nationale Kommando ist für Luftoperationen ausgerichtet. Ende Oktober 2019 unterzeichneten Ungarn, Kroatien, die Slowakei, Slowenien und Österreich ein Memorandum of Understanding für die Schaffung eines Regional Special Operations Component Command (R-SOCC).

Ungarn stellt als Rahmennation 50 Prozent des Personals und Ausrüstung, damit den Großteil des Kommandos. Ungarn wird auch den Kommandanten des R-SOCC stellen und für die Gesamtkoordinierung des Regionalkommandos verantwortlich sein. Das Kommando soll bis Januar 2021 die anfängliche Betriebsfähigkeit (IOC) und bis Dezember 2024 die endgültige Betriebsfähigkeit (FOC) erreicht haben.

Jedes einzelne SOF-Element des R-SOCC wird weiterhin in seinem jeweiligen Land ansässig sein. Es kann jedoch bei Bedarf schnell als eine Task Force eingesetzt werden. Das R-SOCC kann neben der NATO auch der Europäischen Union oder den Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt werden. Die Hauptaufgabe wäre, hybriden Kriegsbedrohungen und Terrorismusbekämpfung entgegenzuwirken.

Dies ist das zweite derartige SOF-Regionalkommando in der NATO, neben dem Composite Special Operations Component Command (C-SOCC) von Belgien, Dänemark und den Niederlanden. Die NATO betont, dass die Schaffung dieser Kommandos die Partnerschaften stärken, Aggressoren abschrecken, Konflikte verhindern und dem Bündnis helfen wird, auf künftige Krisen mit größerer Flexibilität zu reagieren.

Viele Jahre gab es innerhalb der NATO eine mangelnde Interoperabilität bei den Spezialkräften. Sie arbeiteten immer national, aber selten zusammen. Auffällig wurde dieser Umstand im Bosnien-Krieg. Dort verfolgten unterschiedliche NATO Spezialkräfte, angeführt von den amerikanischen Tier 1 Einheiten der Delta Force und des SEAL Team 6 sowie dem britischen Special Air Service (SAS) und Special Boat Service (SBS), Kriegsverbrecher. Eine Koordinierung und Zusammenarbeit fand kaum oder unter erschwerten Bedingungen statt. Seitdem wird die Interoperabilität der Spezialkräfte verbessert.

Deutsche Fähigkeiten

Deutschland plant, eine ähnliche Fähigkeit für NATO-Speerspitze, die sog. Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), 2023 zur Verfügung zu stellen. Die Grundlage dafür wird die Stabs- und Führungsunterstützungskompanie Special Operations Component Command (SOCC) stellen. Diese ist in der Carl-Schurz-Kaserne in Hardheim im Neckar-Odenwald-Kreis (Baden-Württemberg)  beheimatet.

Die Kompanie wurde im Oktober 2017 neu aufgestellt und umfasst 175 Dienstposten. Die Stabs- und Führungsunterstützungskompanie SOCC hat den Auftrag, einen Gefechtsstand für ein Hauptquartier SOCC aufzubauen, einzurichten und zu betreiben. Dies soll bei Bedarf auch autark arbeitsfähig sein. Unter fachlicher Führung der vorgesetzten Dienststellen plant und führt die Kompanie den Einsatz der Informationstechnik. Im Mittelpunkt steht das Einrichten und Betreiben der Kommunikations- und Informationssysteme einschließlich der erforderlichen Services nach NATO-Standard. Diese Fähigkeiten sind deutschlandweit bisher einmalig. Wenige NATO-Nationen verfügen über sie.

In der NATO-Doktrin ist nachzulesen: Das SOCC wird nach dem Rotationsprinzip von einer Handvoll Staaten bereitgestellt, die über die erforderlichen SOF-Kapazitäten und Fähigkeiten verfügen. Die Verbesserung der Command- and Control (C2) Mechanismen der Special Operation Forces (SOF)  ist ebenfalls ein Bereich, in dem das NSHQ (NATO Special Operations Headquarter) von Anfang an und von der Konzeption bis hin zur Sammlung von Lehren aus SOF-Übungen gewissenhaft darauf hinarbeitet, diese SOF-Kräfte besser in die NATO-Übungen zu integrieren.

Das SOCC wird dann die SOF Task Forces oder Task Groups führen. Diese Task Groups sind bekannt als Special Operations Maritime Task Group, Special Operations Air Task Group oder Special Operations Land Task Group. Daher ist die SOCC idealerweise als “joint” (also teilstreitkraftübergreifend) aufgestellt.

Im Jahr 2016 verpflichtete sich Deutschland gegenüber der NATO, ein sogenanntes Special Operations Component Command (SOCC) aufzustellen, welches mit der Führung von Spezialkräften und Spezialoperationen in einem multinationalen Rahmen beauftragt werden kann. Um der Verpflichtung gerecht zu werden und den Gefechtsstand sowie die Kommunikation und das Führungsinformationssystem bereitstellen und betreiben zu können, wurde die Stabs- und Führungsunterstützungskompanie SOCC aufgestellt. Fachlich ist sie dem Einsatzführungskommando in Potsdam unterstellt und würde im Falle eines Einsatzes auch von dort direkt geführt werden.

Derzeit bereitet sich die Kompanie darauf vor, im Jahr 2023 Aufträge als Teil der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), der Speerspitze der NATO, übernehmen zu können. Aus diesem Grund werden in naher Zukunft die nationalen und internationalen Zertifizierungen der Kompanie durchgeführt.

André Forkert