StartStreitkräfteKlein, schnell, autark – IDF stellt neue Einheit auf

Klein, schnell, autark – IDF stellt neue Einheit auf

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Die Israel Defence Forces (IDF) haben am 1. Januar bekannt gegeben, dass sie eine neue, derzeitig noch namenlose, „mehrdimensionale Einheit“ (Multi-Domain-Unit) aufgestellt haben. Die Entscheidung, die Einheit aufzustellen, ist Teil einer umfassenderen konzeptionellen Änderung der IDF um künftigen Herausforderungen zu begegnen, so die Verlautbarung aus dem Verteidigungsministerium. Das Tnufa-Programm soll die IDF fit für die Zukunft machen, ihm gingen mehrere Analysen zu zukünftigen Bedrohungen voraus.

Die neue Einheit umfasst Elemente der Infanterie mit spezieller Befähigung – Kräfte der Special Operation Forces (SOF), die am ehesten mit den Spezialisierten Kräften des deutschen Heeres mit Erweiterter Grundbefähigung (SpezlKrH EGB) vergleichbar sind – sowie Anteile gepanzerter Kräfte, C4I, Nachrichten- und Aufklärungseinheiten sowie der Luftstreitkräfte. Damit kann die Einheit völlig autark und schnell auf Bedrohungsszenare reagieren. Als konkretes Beispiel gehören u.a. die Soldaten der 35. Fallschirmjägerbrigade zur neuen mehrdimensionalen Einheit.

Tnufa Militärprogramm

Die Einheit ist eines der ersten greifbaren Veränderungen durch das neue und mehrjährige Tnufa (Momentum) Militärprogramm, das vom Stabschef der IDF, Generalleutnant Aviv Kochavi, ins Leben gerufen wurde. Es soll die Streitkräfte angesichts neuer Bedrohungen und sich rasch ändernder Bedingungen auf dem Gefechtsfeld im kommenden Jahrzehnt umstrukturieren.

Kochavi hat sich selbst zehn Missionen zugewiesen, die er als Teil des Programms persönlich überwacht. Dazu gehört die neue Zielfestlegung, die unter der Leitung des Generalstabs die Ermittlung und Zuweisung von Zielen auf der Ebene Multi-Truppengattung vornimmt. Die Abteilung Shiloah (Start) wird die Aufbauphase mit neuen militärakademischen Theorien und technologischen Innovationen unterstützen. Dabei wird Shiloah die neue mehrdimensionale Einheit mit neuen Militärdoktrin-Theorien ausstatten und diese im Anschluss durch Übungen, operative Modelle sowie in realen Einsätzen zu überprüfen.

Laut IDF wurde die neue Einheit aufgestellt, um taktische Fähigkeiten bereitzustellen und zu verbessern, die bisher nur auf Divisionsebene verfügbar waren. Am Anfang wird man auch auf die Kampferfahrung anderer SOF-Einheiten der IDF angewiesen sein. Das zugehörige Hauptquartier wurde bereits vor einigen Monaten aufgebaut, jetzt wurde diesem die erste Einheit unterstellt. Das Personal wird generiert aus den Verbänden der Einheiten des Yahalom Pionierkorps, des Panzerkorps, der Aufklärungseinheiten der Golani-Infanteriedivision, der 35. Fallschirmjägerbrigade, des C4I Korps sowie Piloten der israelischen Luftwaffe. Angaben zur Zielgröße der Einheit werden durch die IDF nicht gemacht. Sie soll aber durch einen Oberstleutnant geführt werden, dies entspräche der Größenordnung eines Bataillons. Sie ist direkt dem Kommandeur der 98. „Fire“ Division unterstellt. Diese Einheit ist eine Reserve der Fallschirmjäger und wird direkt durch das Zentralkommando der IDF geführt.

Die neu aufgestellte Einheit soll bereits im Laufe des Jahres eine sehr hohe taktische Einsatzbereitschaft erreichen. Auch bei der Ausstattung mit Material und Waffen soll sie über Systeme verfügen, die von denen der „normalen“ Einheiten abweichen. Jedoch wurden auch hier keine näheren Angaben gemacht.

Um sich das besser zu verdeutlichen, bezogen auf die Bundeswehr wäre es so, als ob Kräfte der Division Schnelle Kräfte (DSK), einer Panzerdivision, dem CIR und der Luftwaffe (mit Teilen Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) und ggf. Flächenflugzeugen) zu einer in sich geschlossenen und autark operierenden Einheit – in Kompanie- oder Bataillonsgröße – zusammengezogen würden.

André Forkert