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Das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) hat neue Einblicke in die Beschaffungsplanungen des Systems Sturmgewehr Bundeswehr gewährt. Im Zuge des Förderkreis Deutsches Heer Symposium „Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des wehrtechnischen Mittelstands als Motor für Fähigkeitserhalt und Technologieinnovation“ (22. bis 23. September 2020) stellte Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Abteilungsleiter Ausrüstung im BMVg, den Stand der aktuellen Beschaffungsplanungen für das Heer wichtiger Rüstungsgüter dar. Dabei ging Stawitzki auch näher auf die aktuellen Beschaffungsplanungen des Systems Sturmgewehr Bundeswehr ein.

Die Vergleichserprobung der eingereichten Vergleichsmuster endete November 2019. Mittlerweile wurde aus der im Zuge der Auswahlentscheidung veröffentlichten Statements der Anbieter öffentlich bekannt, dass alle drei eingereichten Waffen –  in alphabetischer Reihenfolge das HK 416 (Heckler & Koch), das HK 433 (Heckler & Koch) und das MK 556 (Haenel) – die Vergleichserprobung erfolgreich bestanden haben. Die Abgabe der finalen Angebote (Best-and-final-Offer) erfolgte im Juli 2020. Am 15. September 2020 gab das BMVg dann öffentlich bekannt, dass das Angebot der im thüringischen Suhl ansässigen C.G. Haenel GmbH als Sieger aus der Vergleichserprobung hervorgegangen ist. Die Entscheidung der Vergabestelle ist noch vorbehaltlich einer möglichen Rüge bzw. eines gerichtlichen Nachprüfungsverfahrens vor der Vergabekammer sowie der parlamentarischen Befassung. Heckler & Koch hat als der unterlegene Anbieter bereits angekündigt, juristische Schritte zu prüfen. Die Frist für eine mögliche Rüge läuft dem Vernehmen nach Ende der Woche ab. Eine Rüge gilt alleine aus wirtschaftsrechtlichen Zwängen einer Aktiengesellschaft als wahrscheinlich. Daher ist auch eine verzögernde Auswirkung auf die aktuelle Zeitplanung des BMVg nicht ausgeschlossen.

Derzeitiger Zeitplan

Die parlamentarische Befassung dieses Beschaffungsvorhabens ist für Ende 2020 geplant. Erst danach kann ein Liefervertag mit Haenel geschlossen werden. Die Durchführung der integrierten Nachweisführung (gemeint vermutlich der Anteil Einsatzerprobung) für die jeweiligen Varianten des Systems Sturmgewehr (Waffe, Optik und Optronik) ist, vorbehaltlich der angesprochenen möglichen Verzögerung, für Mitte 2021 bis Mitte 2022 vorgesehen.

Die derzeitige Beschaffungsplanung, sieht eine Lieferung von insgesamt 118.718 Sturmgewehren in einem Zeitraum 2023 bis 2029 vor. Die Beschaffung des Systems Sturmgewehr Bundeswehr ist in vier einzelnen Losen, samt einzelnen Verträgen, vorgesehen. Dafür sieht das BMVg ein Haushaltsmittelansatz von insgesamt ca. 638 Millionen Euro vor:

a) Basiswaffe mit Zubehör

b) Optiken für die Befähigungsstufen 1-2

c) Optiken für die Befähigungsstufen 3

d) Laserlichtmodul

Weitere Details zu der Einteilung der einzelnen Truppengattungen in Befähigungsstufen gemäß dem Konzept „Handwaffen der Bundeswehr“ bietet der folgende Premium-Artikel: Konzeptionelle Rahmenbedingungen für Handwaffen

Der Zulauf der einzelnen Waffen ist Stand heute wie folgt geplant:

Bis 2021 390 Erprobungsmuster
2022 0
2023 13.300
2024 20.000
2025 20.000
2026ff 65.028

 

Aus dem Zeitplan wird deutlich, dass das derzeitige Standard-Sturmgewehr G36, auch abseits von eventuellen juristischen Verzögerungen, noch viele weitere Jahre in Nutzung bleiben wird.

Waldemar Geiger