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Auch am fünften Tag seit Beginn der deutschen Evakuierungsmission in Afghanistan hat die Bundeswehr Menschen aus Kabul ausgeflogen. Nach Angaben der deutschen Streitkräfte wurden gestern weitere 263 Menschen evakuiert. Die Gesamtanzahl der durch die Bundeswehr Evakuierten summiert sich somit auf 1.912 Menschen.

Ferner wurden zwei H145 LUH SOF Hubschrauber der Spezialkräfte der Luftwaffe mit zwei A400M Transportflugzeugen nach Kabul verlegt. Neben den Hubschraubern wurde das deutsche Einsatzkontingent um dazugehörige Luftfahrzeugbesatzungen sowie entsprechendes Wartungspersonal verstärkt, in Summe dreizehn Soldaten. Mittels der Hubschrauber sollen dem Verteidigungsministerium zufolge „zu Schützende von ihrem Aufenthaltsort in Kabul auf den Flughafen gebracht werden“ können. Derzeit werden durch die Bundeswehr nur diejenigen evakuiert, die es aus eigener Kraft zum Flughafen schaffen.

Die deutschen Hubschrauber sollen nur im Verbund mit US-Hubschraubern operieren, welche unter anderem für die Deckung aus der Luft zuständig sind. Darüber hinaus steht offenbar jederzeit eine luftbewegliche Eingreifreserve der US-Streitkräfte bereit. Weitere Details zur Verlegung und dem geplantem Einsatz der Spezialkräftehubschrauber finden sie in diesem Beitrag: H145M LUH SOF – Bundeswehr verlegt Spezialkräftehubschrauber nach Kabul

In der Bundeswehr wird dieser Maschinentyp, mit der Bezeichnung LUH SOF (Light Utility Helicopter Special Operations Forces), ausschließlich durch Angehörige der Spezialkräfte der Luftwaffe geflogen. Die Luftwaffe verfügt über 15 dieser Maschinen, welche alle in der 4. Fliegerstaffel des Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) konzentriert sind. (Foto: Bundeswehr)

Neben der Bundeswehr verfügen nur US-Streitkräfte über Hubschrauber in Kabul, welche nach gestrigem Bekanntwerden mindestens einmal zum Einsatz gekommen sind und 169 Menschen aus einem direkt in der Nähe befindlichem Hotel in den Flughafen ausgeflogen haben. Die dort versammelten amerikanischen Staatsbürger hatten offenbar kein Durchkommen durch die Menschenmenge finden können, die sich vor dem Zugang zum Flughafen versammelt hat.

Evakuierungsdrehkreuz in Ramstein

Nachdem die eigentlichen Drehkreuze der US-Streitkräfte für Evakuierungen von Menschen aus Afghanistan in Katar und Kuwait an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen sind, musste die Evakuierung gestern kurzfristig unterbrochen werden.

„Aus diesem Grund haben wir mit den USA vereinbart, dass insbesondere die Ramstein Air Base temporär für den Transit von schutzsuchenden Personen aus Afghanistan in die USA genutzt werden kann“, erklärte Außenminister Heiko Maas am Freitag. „In Zukunft werden daher neben den Fliegern der Bundeswehr auch auf US-Flügen nach Ramstein Deutsche oder von uns benannte Personen evakuiert werden. Genauso fliegen wir auf unseren eigenen Evakuierungsflügen Staatsangehörige verschiedenster Nationen aus Kabul aus“, so der Außenmister weiter.

In Absprache mit der Bundesregierung hat die USA daher auf dem US-Flugplatz im pfälzischen Ramstein ein weiteres temporäres Drehkreuz eingerichtet. Die erste Maschine aus Afghanistan ist bereits in der Nacht gelandet.

Deutsche Evakuierungsflüge am Freitag

Der erste deutsche Evakuierungsflug am Freitag erfolgte am Nachmittag und brachte 78 Personen aus Kabul heraus. Am späten Abend konnten mit einem zweiten Flug weitere 172 Menschen ausgeflogen werden. Mit dem dritten, in der Nacht von Freitag auf Samstag erfolgten Flug wurden sieben Personen von Kabul in die usbekische Hauptstand Taschkent verbracht. Die Bundeswehr hat dort ein Drehkreuz eingerichtet, von wo aus die Menschen in gecharterten Maschinen der Lufthansa weiter nach Deutschland verbracht werden.

Somit wurden am fünften Evakuierungstag über 263 Personen aus Kabul ausgeflogen, im Gesamtverlauf der letzten Tage haben die deutschen Streitkräfte nach eigenen Angaben somit 1.912 Menschen aus mindestens 38 Nationen aus Afghanistan evakuiert.

Unsere weitere Berichterstattung zu dem Thema finden sie hier:

Militärische Evakuierung in Afghanistan: Zusammenfassung 6. Tag

Unsere vorherige Berichterstattung zu der militärischen Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan:

Waldemar Geiger