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Die Bundeswehr wird heute zwei Hubschrauber des Typs H145M LUH SOF nach Kabul verlegen, wie das Verteidigungsministerium soeben bekannt gegeben hat. Das Ministerium schreibt, dass mittels der Hubschrauber „zu Schützende von ihrem Aufenthaltsort in Kabul auf den Flughafen gebracht werden“ sollen. Derzeit werden durch die Bundeswehr nur diejenigen evakuiert, die es aus eigener Kraft zum Flughafen schaffen. Eigene Hubschrauberkapazitäten in Kabul bieten im Bedarfsfall weitere Optionen.

Sollte sich die Sicherheitslage im Land weiter zuspitzen, stünden den vor Ort befindlichen Soldaten des Kommandos Spezialkräfte entsprechende Verbringungsmittel für Einsätze zur Verfügung. Die Hubschrauber sollen mittels Transportmaschinen des Typs Airbus A400M nach Kabul verlegt werden. Pro A400M kann ein Hubschrauber transportiert werden.

Bereits gestern hatte Johann Wadephul in der ZDF-Sendung Maybritt Illner ankündigt, dass die Bundeswehr „zwei kleinere, bewegliche Hubschrauber“ in den Einsatzraum verlegen werde. Wadephul ist der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und unter anderem Mitglied des Verteidigungsausschusses sowie des Auswärtigen Ausschusses des deutschen Bundestages.

H145M LUH SOF in der Bundeswehr

Dieser Hubschraubertyp ist sehr wendig und verfügt jedoch nur über eine sehr begrenzte Transportkapazität. Üblicherweise können neben der Besatzung vier bis sechs Soldaten als Passagiere transportiert werden. Ob unter Einsatzregeln auch mehr Personen transportiert werden können, ist nicht bekannt.

In der Bundeswehr wird dieser Maschinentyp, mit der Bezeichnung LUH SOF (Light Utility Helicopter Special Operations Forces), ausschließlich durch Angehörige der Spezialkräfte der Luftwaffe geflogen. Die Luftwaffe verfügt über 15 dieser Maschinen, welche alle in der 4. Fliegerstaffel des Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) konzentriert sind.

Verladung eines H145M in ein Transportflugzeug des Typs A400M für den Transport nach Kabul. (Foto: Bundeswehr)

Mit einem maximalen Abfluggewicht von 3,7 Tonnen kann die agile H145M für ein breites Spektrum an Aufgaben in den Bereichen Transport, Versorgung, Überwachung, Luftrettung, bewaffnete Aufklärung und medizinische Evakuierung verwendet werden. Die H145M LUH SOF der Bundeswehr sind mit einem Abseilsystem zur Verbringung von Spezialkräften ausgestattet und verfügen über ein Hochleistungskamerasystem zur Aufklärung sowie Vorrichtungen zur Feuerunterstützung im Einsatz. Dies ermöglicht den Spezialkräften zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Darüber hinaus bietet der neue Hubschrauber mit einem ballistischen Schutz sowie einer elektronischen Selbstschutzanalage ein hohes Maß an Sicherheit im Einsatz.

Ein Archivfoto der Bundeswehr indem ein H145M LUH SOF in einen Airbus A400M verladen wird. Der Laderaum ist 17,70 Meter lang, 3,85 Meter hoch und am Boden 4 Meter breit. (Foto: Bundeswehr / Johannes Heyn)

Als derzeitige Bewaffnungsoption der H145M der Bundeswehr steht den Spezialkräften ausschließlich das MG6 (Dillon Aero M134D Gatling-Minigun 7,62 mm x 51) zur Verfügung. Im H145M LUH SOF können wahlweise ein oder zwei MG6 mit einem Munitionsvorrat von je 4.000 Patronen lafettiert werden. Die Bedienung der Waffe(n) erfolgt durch so genannte Tactical Operators. Der Tactical Operator ist Besatzungsmitglied der H145M LUH SOF, neben seinen luftfahrzeugtechnischen Aufgaben – z. B. die Bedienung der Winch oder der Fastroping-Einrichtung – übernimmt er die Rolle des Bordschützen.

Update: General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, äußerte sich am Nachmittag gegenüber Pressevertretern zur Verlegung der Hubschrauber nach Afghanistan. Demnach wurden die Hubschrauber durch Brigadegeneral Jens Arlt, dem militärischen Führer des deutschen Einsatzkontingents in Afghanistan, am Mittwoch nach Rücksprache mit den US-Streitkräften angefordert. Die beiden H145M LUH SOF sollen noch heute Nacht in Kabul ankommen und dort bereits morgen zur Verfügung stehen.

Nach Angaben von Zorn wurde der leichte Hubschraubertyp explizit angefordert, da die US-Streitkräfte nur über mittlere und schwerere Hubschrauber vor Ort verfügen. Diese können aber aufgrund der Größe nicht überall landen.

Die deutschen Hubschrauber sollen nur im Verbund mit US-Hubschraubern operieren, welche unter anderem für die Deckung aus der Luft zuständig sind. Darüberhinaus steht offenbar jederzeit eine luftbewegliche Eingreifreserve der US-Streitkräfte bereit.

Zorn geht nicht davon aus, dass die Hubschrauber einer großen Gefahr ausgesetzt werden, da die Taliban über keine Flugabwehrwaffen verfügen.

Die Hubschrauber sollen zwar mehrmals am Tag eingesetzt werden, jedoch nur um besonders gefährdete Personen aus Kabul in den gesicherten Teil des Flughafens zu holen, die nicht selbstständig an den Taliban-Kontrollen vorbeikommen können.

Unsere vorherige Berichterstattung zu der militärischen Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan:

Waldemar Geiger