StartBewaffnungU.S. Army sucht ein neues Sperrsystem

U.S. Army sucht ein neues Sperrsystem

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Die US-Streitkräfte suchen nach Aussage des Kommandeurs der U.S. Army Pionier Korps in US-Fachmedien nach neuen Möglichkeiten, Geländesperren in Form von Minen ausbringen zu können. Ziel ist es offenbar eine zeitgemäße Lösung zu finden, welche leicht zu verlegende, miteinander vernetzte und wiederverwendbare Komponenten enthält.

Aus der Distanz verlegbare Sperrsysteme führen laut Generalleutnant Scott A. Spellmon die Prioritätenliste der zukünftigen Beschaffungen für die Pioniertruppe der US-Streitkräfte an. Die aktuell verfügbaren Systeme stammen zumeist aus den 1980er Jahren, als ein Near-Peer Konflikt zuletzt als realistisch erachtet wurde. Diese Systeme, unter anderem das auch aus der Luft verlegbare Volcano Scatterable Mine System, sind nicht nur technologisch als obsolet zu betrachten, sondern häufig schon abgelaufen und nicht mehr einsatzbereit.

Während für die luftverlegbare Variante des aktuellen Systems noch einen Hubschrauber wie beispielsweise den UH-60 Blackhawk benötigt, um in das Zielgebiet verbracht zu werden, sollen in Zukunft neben bekannten Ausbringungsmethoden wie durch die Artillerie auch Drohnen oder unbemannte Landsysteme zum Einsatz kommen.

Der Anspruch der Army geht daher auch in Richtung deutlicher Gewichtsreduktion. Das aktuell noch in Nutzung befindliche Ground Volcano Minensystem wird z. B. von schweren LKW wie dem M977 HEMTT verlegt. Neben den genannten Aspekten ist auch die Vernetzbarkeit unter den einzelnen Minen, sowie das automatisierte Übermitteln von Statusberichten eine der Anforderungen an die zukünftige Beschaffung. Zudem sollen ausgelegte Sperren auch aus der Ferne aktiviert oder deaktiviert bzw. selbst zerstört werden können. Dies ist insbesondere daher relevant, da eine Wiederverwendbarkeit der Minen eine klare Vorgabe ist.

Zu der Wirkungsweise äußerte sich der zuständige Projektmanager Oberst Russel V. Hoff. Neben einem gegen die Bodenwanne gerichteten Penetrator wird auch eine sogenannte Top-Attack-Version angestrebt, welche die weniger starke Dachpanzerung von Gefechtsfahrzeugen angreifen soll. Erste Tests der letztgenannten Mine mit der Bezeichnung XM204 wurden letzten Monat mit Erfolg auf dem Sprengplatz des Yuma Proving Ground im US-Bundesstaat Arizona durchgeführt. Neben den genannten kinetischen Komponenten fordern die Pioniere auch ein zusätzliches, mit den Minen ausgebrachtes und gemeinsam wirkendes elektronisches Kampfsystem, dessen spezifischen Fähigkeiten nicht genauer bekannt sind, vermutlich aber auch die elektronische Härtung der Komponenten beinhaltet.

Der Zeitplan für die Beschaffung der Systeme klingt indes ambitioniert. Erste Segmente sollen bereits 2028 eingeführt werden und ab 2029 wird mit der Verfügbarkeit eines vollständig vernetzten Systems bestehend aus allen Komponenten gerechnet. Branchenkenner berichten unterdessen, dass auch andere NATO-Streitkräfte auf der Suche nach vergleichbaren Sperrmitteln sind. So existieren auch in der Bundeswehr Forderungen für ein intelligentes Sperrsystem.

Kristóf Nagy