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Viele Länder modernisieren aktuell ihre Luftlandekräfte. Neben neuen Schirmen sollen vermehrt auch neue Luftlande-Gefechtsfahrzeuge beschafft werden. Beispiele dafür sind die Bundeswehrprojekte Luftbeweglicher Waffenträger (LuWa), welcher die Waffenträger Wiesel 1 ersetzen soll, sowie die so genannte Luftlandeplattform, die als Nachfolger für den Luftlande-Wolf, den Mungo sowie unterschiedliche Varianten des Wiesel 2 vorgesehen ist. Auch die Niederlande beschaffen gerade neue, als 12kN bezeichnete Luftlandefahrzeuge auf Basis der Mercedes Benz G-Klasse. Luftlandeplattformen, LuWa und das 12kN der Niederländer haben alle mit dem gleichen Ziel beschafft: die Luftlandekräfte des deutschen und niederländischen Heeres mit einer luftbeweglichen Mobilitätsplattform auszustatten.

Nachdem Krauss-Maffei Wegmann erst kürzlich eine Kooperation mit der niederländischen Firma Defenture bekanntgegeben hat, um sich gemeinsam mit der Defenture Vector-Plattform an dem Wettbewerb für die Luftlandeplattform zu beteiligen, rechnet sich der bayerische Spezialist für geschützte Geländefahrzeuge ACS Armoured Car Systems GmbH (ACS) ebenfalls gute Chancen bei dem begehrten Auftrag aus.

Der von ACS entwickelte ENOK AB (Airborne) gilt als möglicher Kandidat für das Vergabeverfahren, bei dem mehrere hundert Fahrzeuge beschafft werden sollen. Gesucht wird wohl ein Fahrzeug in einer kurzen als auch in einer langen Variante. Nach Aussage des ACS-Geschäftsführers Sebastian Schaubeck passt der Luftlande-ENOK sehr gut in das Anforderungsprofil. Als Plattform für das Fahrzeug dient das Sonderfahrgestell von Mercedes-Benz, inklusive Antrieb und Antriebsstrang. Genutzt werden die Komponenten des Modells G 461. Das Fahrzeug kann nach Angaben des Unternehmens allerdings auch auf Basis der jüngst vorgestellten Mercedes G 464-Plattform aufgebaut werden. Die Fahrzeugplattform soll später multifunktional bis zu 15 unterschiedliche Rüstsätze aufnehmen können.

Auf das Mercedes-Benz-Sonderfahrgestell hat ACS einen modularen Aluminium-Rahmen aufgebaut. Dieser soll die notwendige Gewichtsreduktion sowie Flexibilität für die unterschiedlichen Rüstsätze bieten. Das System wurde bereits früher durch ACS für die schwedischen Streitkräfte entwickelt. Damals für einen LAPV 6×6. Das Fahrzeug ist in der Kombination Stahlboden plus Alu-Rahmen als Innen- und Außenlast luftverlastbar. Die Rahmenlösung bietet eine hohe Modularität und ist nach Angaben des Unternehmens einfach, robust, skalierbar und kosteneffizient. Das Prinzip ist mit IKEA-Bausätzen vergleichbar. Aufgrund der Modularität ist das Fahrzeug neben den Luftlandekräften auch für andere Truppenteile querschnittlich nutzbar. Der Rahmen weist an jeder Fläche Schienen auf. An diesen können dann Rüstsätze flexibel befestigt werden, von den Sitzen, über Monitore bis hin zu Hundeboxen oder Drehringen.

Als Plattform für das Fahrzeug dient das Sonderfahrgestell von Mercedes-Benz, inklusive Antrieb und Antriebsstrang. (Foto: André Forkert)

Das 4×4-Erprobungsfahrzeug von ACS verfügt über eine Hinterachslenkung. Damit erreicht das Fahrzeug eine große Wendigkeit mit einem Wendekreis von weniger als 10 m. Der Preis für diese Technologie ist ein höheres Gewicht, zusätzliche Wartung und Kosten. Die optional verfügbare Hinterachslenkung ist ACS Aussagen zufolge bei Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h einsetzbar. Am Erprobungsfahrzeug hat ACS bereits interne Stellproben für verschiedene „Rüstsätze“ wie z.B. GraMaWa, MELLS, Scharfschützentrupp, Hundetransport, Pionier, A/C Aufklärung, Gruppentransport, Logistik sowie Loitering Ammunition vorgenommen.

Erstkunde aus Osteuropa

Der Luftlande-ENOK AB wurde kürzlich erstmalig von einer osteuropäische NATO-Nation bestellt. Den Kunden will das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht nennen.

Laut ACS-Geschäftsführer Schaubeck verfügt  der Luftlande ENOK AB trotz des qualitativ hochwertigen Chassis über ein exzellentes Preis-Leistungsverhältnis. Andernfalls hätte sich das Fahrzeug in Osteuropa nicht verkaufen lassen.  Laut Hersteller passen zwei Luftlande-ENOK  in einen schweren Transporthubschrauber. Das Fahrzeug kann auch als Innenlast in dem kleinen, taktischen Transportflugzeug C295 transportiert werden.

Update: Wie jetzt im Zuge der IDET, einer internationalen Fachmesse für Wehr- und Sicherheitstechnik, im tschechischen Brünn bekannt wurde, handelt es sich bei dem Erstkunden um Tschechien.

Die tschechischen Streitkräfte beschaffen den ENOK AB für ihre Spezialkräfte (601. skupina speciálních sil generála Moravce /601. Special Forces Group).

André Forkert