StartS&T+Getrennt marschieren – vernetzt schlagen: Der Einzelschütze auf dem digitalen Gefechtsfeld

Getrennt marschieren – vernetzt schlagen: Der Einzelschütze auf dem digitalen Gefechtsfeld

Jan-Phillipp Weisswange

Vernetzte Operationsführung und Multi-Domain Operations, Digitalisierung des Gefechtsfeldes, Combat Clouds, Software Defined Defense – diese Stichworte gehören inzwischen zum Standard-Repertoire der Streitkräftekonzeptionäre weltweit. Worauf kann und muss sich der abgesessen kämpfende Soldat bei der künftigen Kriegführung einstellen?

Die meisten heutigen multidimensionalen Kriegführungskonzepte gleichen sich. Demnach agieren vernetzte Gefechtsverbünde aus einzelnen Soldaten, deren Land-, Luft-, See-, Cyber- und Weltraumplattformen sowie Roboter, Drohnen und andere besatzungslose Systeme miteinander, um die teilweise parallel zueinander laufenden Operationen in unterschiedlichen Intensitätsspektren in allen Domänen zu meistern. Alle Akteure auf dem digitalisierten Gefechtsfeld speisen regelmäßig Informationen in das gemeinsame Netzwerk ein, so dass allen stets ein aktuelles Lagebild bereitsteht.

Das verkürzt die Sensor-to-Effector-Ketten (beziehungsweise – horribile dictu – „Kill Chains“): Gegnerische Kräfte lassen sich schneller aufklären und bekämpfen. Soldatensysteme und Funkgeräte bilden die Schnittstellen des Einzelschützen für die digitale Operationsführung.  Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt den Truppenführer dabei, die Informationsflut auszuwerten und Entscheidungen vorzubereiten.

WhatsApp MRV ST Desktop 500 x 300yH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==

Horizontale, vertikale und multinationale Vernetzung

Das digitale Gefechtsfeld mit seiner horizontalen, vertikalen und multinationalen Vernetzung bringt erhebliche Herausforderungen mit sich. Die zahlreichen Akteure auf dem digitalen Gefechtsfeld erzeugen immer größere Datenmengen in immer kürzerer Zeit. Zugleich müssen diese Datenmengen immer schneller ausgewertet und an immer mehr Akteure transferiert werden. Funkgeräte spielen daher ein zentrales Element der Digitalisierung. Plattformen agieren dank ihrer digitalen Funkgeräteausstattung als „digitale Knoten“. Weiterhin gilt es, die Kommunikationsnetzwerke nicht nur leistungsfähiger, sondern möglichst robust auszulegen – auch gegen Maßnahmen des elektronischen Kampfes.

Die Bundeswehr hat mit den Vorhaben „Digitalisierung – Landbasierte Operationen“ (D-LBO) und dem „Tactcial Wide Area Network for Land-Based Operations“ (TaWan LBO) zwei Großvorhaben auf den Weg gebracht, um ihre Führungsfähigkeit weiter zu stärken. Kernfunktion von TaWAN LBO ist die Bereitstellung eines offenen Transportnetzwerks für Federated Mission Networking (FMN), basierend auf einem Protected Core Network (PCN) zur Anbindung der vorgelagerten taktischen D‑LBO-Netze an das rückwärtige Kernnetz CIR. In Verbindung mit D-LBO soll das TaWAN LBO-Netzwerk die Anbindung bis tief in den rückwärtigen Raum mit hohen Datenraten ermöglichen.

Ein britischer Soldat gibt über sein Endgerät Lageinformationen in das Gefechtsnetzwerk ein.
Ein britischer Soldat gibt über sein Endgerät Lageinformationen in das Gefechtsnetzwerk ein. (Foto: UK MoD)

Eine weitere Herausforderung stellt die Kommunikation mit Partnernationen auf dem digitalen Gefechtsfeld dar. Dies geschieht derzeit über bestimmte interoperable Funkgeräte, welche allerdings nur auf bestimmten Führungsebenen vorhanden sind. Die auf Initiative der NATO geschaffenen FMN-Standards sollen die künftige Interoperabilität der unterschiedlichen Netzwerke und Gefechtsführungssysteme erleichtern. Im Idealfalle geschieht dies über Schnittstellen, die einen „Plug – Play – Fight“-Ansatz ermöglichen. Eine der ersten FNM-Ready Forces soll deutscherseits die Panzerbrigade 45 „Litauen“ sein.