Früher als ursprünglich geplant hat Polen in diesem Monat sein militärisches Ausbildungsprogramm für Zivilisten gestartet. Unter dem Motto „Allzeit bereit“ soll dieses bereits bis Ende des Jahres 100.000 Menschen erreichen. Bis 2026 sollen 400.000 Freiwillige in militärischen und allgemeinen Grundfertigkeiten für den Krisenfall unterwiesen werden. Ein Pilotprojekt konzentriert sich auf die städtischen Bevölkerungszentren wie Warschau, Krakau und Gdańsk. Am ersten Tag meldeten sich bereits über 3.700 Interessenten.
Unter Nutzung von militärischen und geschäftlichen Einrichtungen sowie Schulen werden dabei Wochenend- und Abendkurse mit verschiedenen Modulen angeboten. Dazu gehören 16-stündige Grundkurse über den Umgang mit Waffen, erste Hilfe, Überlebenstraining, Evakuierungen und Cybersicherheit sowie 40-stündige Fortgeschrittenenkurse zu Themen wie Drohnensteuerung und medizinischer Triage. Als Anreiz gibt es etwa Steuervergünstigungen für teilnehmende Arbeitgeber, Fähigkeitsbescheinigungen für Bewerbungen und bevorzugte Einstellungen im öffentlichen Dienst.
Polen hat lange Tradition zivilen Engagements in Landesverteidigung
Für das Programm arbeitet das Verteidigungsministerium unter anderem mit der polnischen Pfadfindervereinigung und Veteranenorganisationen zusammen, um erfahrene Ausbilder für Teilnehmer in verschiedenen Lebensabschnitten zu gewinnen. Es ist inspiriert von einer bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden Tradition zivilen Engagements für die Landesverteidigung, der Widerstandsbewegung während des Zweiten Weltkrieges sowie dem skandinavischen Konzept der Totalverteidigung.
Im März hatte der polnische Premierminister Donald Tusk angekündigt, dass die Kapazität zur Ausbildung von jährlich 100.000 Freiwilligen ab 2027 vorhanden sein solle. Ab kommendem Jahr sollten alle Interessenten im Alter von 18 bis 60 Jahren genaue Informationen über entsprechende Möglichkeiten erhalten. Das neue Programm überlappt sich mit dem bestehenden militärischen Ausbildungsprogramm für Freiwillige. Dieses bietet zunächst eine einmonatige Grundausbildung bei einer aktiven Einheit, für die die Teilnehmer 6.000 Zloty (1.440 Euro) Sold erhalten.
Anschließend können die Teilnehmer bis zu elf Monate lang weitere Ausbildungsgänge durchlaufen und sich anschließend auch für den regulären Dienst in den Streitkräften, der Territorialverteidigung oder in der Reserve bewerben. Die Ausbildungszeit wird als Dienst- beziehungsweise Arbeitszeit angerechnet. Auch hier werden Teilnehmer bereits bei gleicher Qualifikation bevorzugt im öffentlichen Dienst eingestellt. Zukünftig soll das Programm mit weiteren Vorteilen wie dem Erwerb einer Berufskraftfahrerlaubnis attraktiver gemacht werden.
Redaktion/sab







