Print Friendly, PDF & Email

Am Freitag gab das brasilianische Unternehmen bekannt, dass es eine Ausschreibung des philippinischen Heeres über die Lieferung von 12.412 Taurus T4-Sturmgewehren im Wert von 7,3 Millionen US-Dollar gewonnen hat. Diese Meldung ist deswegen so überraschend, da der Tender durch die Beschaffungsstelle der philippinischen Streitkräfte am 3. August letzten Jahres abgebrochen wurde.

Das philippinische Heer beschafft seit einigen Jahren in Etappen Handwaffen des Typs M4/AR15, um die betagten Bestände an M16A1 Gewehren abzulösen und der wachsenden Personalstärke gerecht zu werden. Zuletzt wurde 2018 ein größeres Vorhaben abgeschlossen, welches Remington mit dem R4A3 für sich entschied. Aber auch Hersteller wie SIG mit dem M400 oder LMT mit dem SPM14 Gewehr kamen zum Zuge. Ende 2019 erschien eine erneute Ausschreibung über 11.551 Gewehre des oben benannten Typs. Bereits am 15. Februar 2020 erfolgte der Zuschlag an Taurus, welches sein AR15 Derivat mit der Bezeichnung T4 angeboten hatte. Dieses auf dem Colt M4 basierende Gewehr im Kaliber 5,56 mm x 45, welches 2017 erstmals vorgestellt wurde, wird am Hauptsitz des Unternehmens im brasilianischen São Leopoldo gefertigt. Neben Verkäufen an einheimische Polizeibehörden und einer kleinen Lieferung an das brasilianische Militär, sowie die Streitkräfte von Senegal und der Polizei von Oman, blieb der kommerzielle Erfolg im Behördensektor bis jetzt aus.

Die Freude um den gewonnenen Tender hatte für Taurus bereits am 4. März ein jähes Ende, als bekannt wurde, dass die im Nachgang zur Ausschreibung erfolgende Prüfungen zu einer nachträglichen Disqualifizierung des Angebots geführt hatten. Zudem verkündete die zuständige Beschaffungsstelle das Nachrücken des bis dato zweitplatzierten Anbieters Armscor Global Defense welches das MZ-4 Gewehr seines israelischen Partners Emtan Carmiel angeboten hatte. Die nun folgende, sich weltweit ausbreitende Corona Epidemie lenkte die Aufmerksamkeit auch von diesem Vorhaben ab und so verwunderte es niemanden, als am 3. August 2020 der Abbruch der Ausschreibung bekanntgegeben wurde. Bereits im Vorfeld erfolgten Umplanungen des Budgets aus dem philippinischen Verteidigungsministerium zur Deckung der pandemiebedingten Kosten hatten Gerüchte genährt, dass auch dieses Projekt der sich rasant Verändernden Covid-19 Situation zum Opfer fallen würde. Interessante Randnotiz war die wenig später veröffentliche Nachricht, dass beide Anbieter im Nachgang disqualifiziert worden waren, allerdings nicht durch technische Probleme bei der Güteprüfung, sondern wegen formaler Fehler bei Taurus und nicht näher genannter Unvereinbarkeiten bei dem Hersteller Emtan Carmiel. Letzteres ist verwunderlich, da der israelische Waffenproduzent seit 2017 die philippinische Polizei mit seinen Gewehren beliefert.

Der nun von Taurus verkündete Zuschlag kommt daher überraschend und basiert dem Vernehmen nach auf einer freihändigen Vergabe, dem mehrere Verhandlungsrunden vorausgingen. Ebenfalls interessant ist der Umstand, dass 861 Gewehre mehr beschafft wurden, als ursprünglich geplant. Insiderkreisen zufolge ermöglichte das günstige Taurus-Angebot die Beschaffung der zusätzlichen Waffen für das veranschlagte Budget. Eine offizielle Stellungnahme des philippinischen Heeres ist bis jetzt nicht bekannt. Zudem ist noch nicht bekannt ob das Angebot erneut eine nachträgliche Prüfung durchlaufen muss. Es wird sich zeigen, ob Taurus mit seinem lokalen Partner Trust Trade dieses Vorhaben ein Jahr nach dem ersten Zuschlag erfolgreich abschließen kann.

Kristóf Nagy