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Die 2. Spezialkräftebrigade der ungarischen Streitkräfte erhält insgesamt drei Special Operations Craft – Riverine (SOC-R) Flusskampfboote. Dies gab der Befehlshaber der ungarischen Streitkräfte General Ferenc Korom diese Woche bekannt. Die Auslieferung der Boote soll bis November 2021 erfolgen.

General Korom äußerte sich am Rande der Übung Black Swan 2021. Seit April trainieren Spezialkräfte mehrere Nationen unter anderem auch den Themenkomplex Waterborne Operations auf der Donau. Im Zuge der Übung verlegten auch zum ersten Mal bewaffnete SOC-R Flusskampfboote vom Special Boat Team 22 des United States Naval Special Warfare Command nach Ungarn. Dort wurden die Boote im Rahmen zahlreicher Trainingsmissionen auch intensiv von den einheimischen SOF-Kräften genutzt.

Die SOC-R Boote sind luftverlastbar und mittels eines Anhängers auch an Land hoch mobil. Bei einer Länge von 10 m weisen sie voll beladen eine Verdrängung von 9,4 Tonne auf. Angetrieben durch zwei Yanmar 6LY2M-STE Dieselmotoren sind Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten (74 km/h) möglich. Die Reichweite liegt dabei um die 230 km. Diese wird auch benötigt, da die beiden primär schiffbaren Flüsse Ungarns mit der Donau und der Theiß eine Länge von 417 km bzw. 584 km aufweisen. Während die Donau mit ihrer zentralen Rolle für den internationalen Warenverkehr und durch den Umstand, dass sie durch die Hauptstadt Budapest fließt eine offenkundige Relevanz hat, durchfließt die Theiß auch den Standort der 2. Spezialkräftebrigade welche in Szolnok stationiert ist.

Aktuell stehen für die Absicherung der zahlreichen Flusskilometer nur vier unlängst modernisierte AN-2 sowie die drei deutlich größeren Schiffe der AM Serie zur Verfügung. Auch wenn letzterer Typ mit einer vierläufigen und zwei einzelnen 20-mm-Maschinenkanonen eine durchaus respektable Feuerkraft aufweist, sind die aktuell eingeführten schwimmenden Einheiten bauartbedingt für das Legen und Aufnehmen von Minensperren und erst in Zweitfunktion für Patrouillenaufgaben ausgelegt. Die zügige Verbringung, Infiltration sowie Exfiltration und Unterstützung von Spezialkräften können sie nicht leisten.

Die SOC-R Flusskampfboote sind bereits seit 2019 im Rahmen des U.S. Excess Defense Articles (EDA) Programms für Ungarn vorgemerkt. Somit stammen die Boote aus dem Überbestand der amerikanischen Streitkräfte und werden vor ihrer Übergabe an den neuen Nutzer grundüberholt. Mit welcher Bewaffnung die Boote an die ungarischen Streitkräfte ausgeliefert werden ist indes unklar.

Im Rahmen der Übung Black Swan 2021 wurden die SOC-R mit der Standardbewaffnung in Form von zwei GAU-17 Mini-Guns im Bug, einem schweren Maschinengewehr M2HB im Kaliber .50 BMG im Heck sowie zwei weiteren M240B Maschinengewehren im Kaliber 7,62 mm x 51 bewaffnet. Zudem ist unklar ob die optional verfügbare, modulare Panzerung gegen Bedrohungen durch Handwaffenbeschuss ebenfalls Teil des Paketes ist.

Kristóf Nagy