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Die ungarischen Streitkräfte beschaffen für die Schützenpanzer des Typs Lynx KF41 von Rheinmetall das aktive und hybride Verteidigungssystem StrikeShield des gleichen Herstellers. Der Auftrag umfasst ein Volumen von 140 Millionen Euro.

Der Regierungskommissar für Verteidigungsentwicklung Gáspár Maróth gab heute Nachmittag im Rahmen einer Presseerklärung die anstehende Beschaffung bekannt. Maróth betonte dabei die Priorität welche die ungarischen Streitkräfte bei Ihren Modernisierungsbemühungen dem Schutz der eigenen Kräfte und der Sicherstellung ihrer Überlebensfähigkeit einräumen. Das StrikeShield versetze die mit dem Schützenpanzer Lynx auszurüstenden mechanisierten Verbände in Zukunft in die Lage auf dem Gefechtsfeld des 21. Jahrhunderts dauerhaft zu bestehen.

In der hybriden Schutzlösung mit Namen Strikeshield sind passiver Schutz gegen kinetische Geschosse und Splitter gem. der AEP 55 und aktiver Schutz gegen Panzerabwehrhandwaffen gemäß der AEP 62 in einem Modul zusammengeführt und in ihrer Wirkung besser aufeinander abgestimmt worden. Insbesondere die Residualeffekte einer Bekämpfung von Panzerabwehrhandwaffen wurden systematisch erfasst und werden bei der Auslegung des passiven Schutzes berücksichtigt. Dies geht deutlich über die heute gültigen Nachweisführungen der AEP 55 hinaus. Damit wird die in den AEP und TL noch bestehende Abgrenzung zwischen passivem und aktivem Schutz aufgebrochen.

Als Abwehrmaßnahme werden Elemente des bekannten abstandsaktiven Schutzsystems ADS von der Rheinmetall Protection Systems GmbH (RPS) verwendet, bei Bedarf auch mit einem anderen Effektor, der auch gegen KE-Geschosse wirkt. Voraussetzung für die zeitgerechte Auslösung ist eine schnelle und sichere Sensorfusion zwischen Radar und einem E/O-Sensor. Das Radar überwacht dauernd die Umgebung und aktiviert bei erkannter Bedrohung den E/O-Sensor, mit dem die Lage des Geschosses verifiziert und die Wirkung der Gegenmaßnahme exakt ausgerichtet wird. Reaktionszeiten unter einer Millisekunde für die Sensor-/Auswertekombination ermöglichen eine zuverlässige Erkennung der Bedrohung auf kurze Distanz (unter zehn Meter) und deren Vernichtung, ohne Besatzung und Fahrzeug zu gefährden.

Das hybride Schutzmodul Strikeshield geschlossen und offen. Im offenen Modul sind die Sensoren und der Effektor zu erkennen. (Foto: Rheinmetall)

Die ungarische Regierung hat im September 2020 mit Rheinmetall eine Vereinbarung über die Herstellung und Lieferung von 218 Lynx KF41 Schützenpanzer sowie weiteren Leistungen wie zum Beispiel Simulatoren, Ausbildung und Training sowie auch eine Anfangsausstattung an Ersatzteilen und Wartungsleistungen im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro geschlossen.

In einer ersten Produktionsphase soll Ungarn 46 Lynx- Schützenpanzer sowie neun Bergepanzer 3 Büffel aus deutscher Fertigung erhalten, wobei die Auslieferung bis Anfang 2023 abgeschlossen sein soll. Dort sollen auch die Spezialisten für die ungarische Produktion ausgebildet werden. Die restlichen 172 Schützenpanzer werden im Anschluss in Ungarn im Werk des Joint Ventures zwischen Rheinmetall und dem ungarischen Staat produziert.

Ungarn hat den Lynx KF41 in der Version Schützenpanzer bestellt, mit einem bemannten Lance 2.0-Turm, der mit einer 30-mm-Kanone bewaffnet ist. Mit seinem großen Innenraumvolumen bietet der Lynx Platz für drei Besatzungsmitglieder und eine Infanteriegruppe mit einer Absitzstärke von bis zu neun Soldaten. In dieser Konfiguration wird der Lynx ein Kernelement der schweren 25. Infanterie Brigade darstellen und dort zwei Infanterie Bataillone ausstatten. Seit der Ausmusterung des BMP-1 verfügen die ungarischen Streitkräfte nicht mehr über einen Schützenpanzer und verwenden querschnittlich nur den ebenfalls in die Jahre gekommenen und vor der Ablösung stehenden BTR-80.

Weitere Einzelheiten zum Lynx KF41 enthält die im Mittler Report Verlag erschienene englischsprachige Broschüre „The Lynx Family“, die hier bestellt werden kann.

Gerhard Heiming und Kristóf Nagy