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Die malaysischen Streitkräfte gaben unlängst bekannt, dass im nächsten Jahr die Ablösung der in die Jahre gekommenen geschützten Fahrzeuge vom Typ Condor erfolgen soll. Aktuell aussichtsreichster Kandidat ist das aus einheimischer Fertigung stammende Fahrzeug vom Typ Tarantula mine-resistant infantry mobility vehicle (HMAV). Dieses Fahrzeug (abgebildet im Titelbild) befindet sich bereits mit zwei Prototypen in der Erprobung.

Malaysia ist bis heute der größte Nutzer des von der Henschel Wehrtechnik GmbH konstruierten und gefertigten geschützten Radfahrzeuges mit der Bezeichnung Condor. Zwischen 1981 und 1984 beschaffte das südostasiatische Land insgesamt 459 Fahrzeuge in unterschiedlichen Varianten. Neben einem Transporter für die Infanterie mit einer 20-mm-Maschinenkanone oder zwei Maschinengewehren im Kaliber 7,62 mm x 51 in einem bemannten Turm wurden auch ehemals eine Sanitäts-, Berge-, sowie eine Führungsfahrzeugvariante mit zusätzlichen Fernmeldeeinbauten beschafft.

Die Teilablösung der Condor-Flotte erfolgte vor knapp einem Jahrzehnt. Bereits 2011 begann das malaysische Unternehmen DefTech in Kooperation mit dem türkischen Fahrzeugbauer FNSS an der Entwicklung des gepanzerten 8×8 Fahrzeugs mit der Bezeichnung AV8. Die bis heute eingeführte Menge an AV8 ist indes unklar. Kenner der Region vermuten jedoch, dass nicht einmal die Hälfte der Condor abgelöst werden konnte. Zeitgleich werden einige die frei werdenden Condor Fahrgestelle wiederverwertet und bei gleichzeitiger Modernisierung neuen Rollen angepasst. So stellte ebenfalls DefTech bereits 2017 eine Transportversion des Fahrzeuges mit Ladefläche vor.

Das vom recht jungen malaysischen Unternehmen Mildef International Technologies im Februar dieses Jahres vorgestellte Tarantula HMAV entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Science and Technology Research Institute for Defence, welches dem malaysischen Verteidigungsministerium untersteht. Seit dem Sommer ist auch ein zweites Fahrzeug in die Erprobung eingebunden, welches auch Dauerbelastungen wie das Fahren von großen Wegstrecken auf unterschiedlichen Untergründen beinhaltet.

Die malaysischen Streitkräfte gaben unlängst bekannt, dass im nächsten Jahr die Ablösung der ursprünglich von der Henschel Wehrtechnik GmbH konstruierten und gefertigten und mittlerweile in die Jahre gekommenen geschützten Radfahrzeuges mit der Bezeichnung Condor erfolgen soll. (Foto: Malaysian Army)

Der laut Herstellerangaben von einem 330PS Turbodiesel angetriebene Tarantula wiegt leer elf Tonnen und erreicht auf befestigten Straßen eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 110 km/h. Die Besatzung wird durch eine Zelle mit einem STANAG 4569 Level 2A Panzerung gegen Beschuss geschützt. Der Unterboden ist mit einem Minenschutz der STANAG 4569 Level 2B entspricht ausgestaltet. Neben zwei Türen pro Seite steht im Heck auch eine hydraulisch betreiben Rampe für das Ein- und Aussteigen der bis zu zehn Besatzungsmitglieder zur Verfügung. Die ferngelenkte Waffenanlage nimmt neben einem Maschinengewehr im Kaliber 12,7 mm x 99 auch ein Gehäuse für optische und optronischer Sensoren auf. Zudem sind insgesamt 16 Nebelwerfer zu je vier Einheiten zusammengefasst auf dem Fahrzeugdach verbaut.

Die malaysischen Streitkräfte planen im Rahmen der für nächstes Jahr projektierten Beschaffung die verbliebene Condor-Flotte von knapp 300 Fahrzeugen zu ersetzen. Da diese vermutlich nicht ausschließlich reinen Truppentransporter sind und Mildef auch Ambitionen bezüglich eines Exportpotentials verlauten ließ, ist es abzuwarten, welche Varianten des Tarantula in nächster Zeit vorgestellt werden. Eine Sanitäts- und Aufklärungsversion ist bereits angekündigt. Der Hersteller ließ indes verlauten, dass pünktlich zum Beschaffungsstart im ersten Quartal 2022 auch die Serienfertigung des Fahrzeuges sichergestellt werden soll.

Kristóf Nagy